imaginär
Form & Grammatik
- Lemma
- imaginär
- Wortart
- Adjektiv
- Worttrennung
- ima·gi·när
- Formen
- ein imaginärer Ort; mit imaginären Figuren
- Steigerung
- Im üblichen beschreibenden und mathematischen Gebrauch Grundstufe; Unterschiede etwa als anschaulicher vorgestellt benennen.
- Gebrauch
- Alltagssprachliche Vorstellung und mathematischen Fachbegriff unterscheiden.
imaginär heißt im allgemeinen Gebrauch, dass etwas nur in der Vorstellung vorhanden ist. In der Mathematik hat das Wort eine eigene festgelegte Bedeutung.
Bedeutungen
Nur vorgestellt
Ein imaginärer Gegenstand oder Ort wird gedanklich entworfen. Er muss weder besonders ungewöhnlich noch täuschend gemeint sein.
„Bei der Theaterprobe stellt Mila einen imaginären Koffer neben die Tür.“
Es gibt keinen wirklichen Koffer als Requisite. Milas Bewegungen können den vorgestellten Gegenstand trotzdem anschaulich machen.
Als mathematischer Begriff
Bei komplexen Zahlen heißt eine Zahl rein imaginär, wenn ihr Realteil null ist. Die imaginäre Einheit wird mit i bezeichnet; es gilt i² = −1.
„Die Zahl 3i ist rein imaginär; die Zahl 2 + 3i hat dagegen den Realteil 2.“
Das ist eine mathematische Einordnung. Imaginär bedeutet hier weder falsch noch unbrauchbar.
imaginär: Synonyme und andere Wörter
Einen vorgestellten Inhalt beschreiben
fiktiv · ausgedacht · vorgestellt
Fiktiv betont häufig, dass etwas erfunden oder für eine Überlegung angenommen ist. Imaginär lenkt den Blick auf die Vorstellung. In der Mathematik sind diese Wörter kein Ersatz.
„Sie beschreibt eine imaginäre Stadt.“ – „Sie beschreibt eine fiktive Stadt.“ Der Ort ist ausgedacht; die Beschreibung selbst kann als wirklicher Text vorliegen.
Eine digitale Umsetzung unterscheiden
virtuell · unsichtbar
Eine virtuelle Umgebung kann technisch umgesetzt sein. Eine unsichtbare Grenze kann tatsächlich festgelegt sein. Beides ist nicht automatisch nur vorgestellt.
„Die Ausstellung ist imaginär.“ – „Die Ausstellung ist virtuell.“ Im zweiten Fall kann ein tatsächlich nutzbares digitales Angebot gemeint sein.
Beispiele und Verwendung
- „Für die Theaterprobe stellte Mila einen imaginären Koffer neben die Tür.“ Es gibt keinen Koffer als Requisite. Mila tut so, als wäre er vorhanden, und macht ihn durch ihre Bewegungen vorstellbar.
- „Eine imaginäre Linie teilte die Bühne in einen warmen und einen kalten Bereich.“ Die Linie existiert als vereinbarte Vorstellung. Das Beispiel behauptet nicht, dass eine sichtbare Markierung gezogen wurde.
- „Beim Schreiben führte Karim ein Gespräch mit einer imaginären Zuhörerin.“ Die vorgestellte Person hilft ihm, mögliche Rückfragen zu bedenken. Sie ist keine tatsächlich anwesende Leserin.
- „In ihrer Beschreibung konnte man durch eine imaginäre Stadt spazieren.“ Die Stadt ist erfunden; die Beschreibung kann sie trotzdem anschaulich erscheinen lassen. Imaginär und anschaulich widersprechen einander nicht.
Grammatik und Beugung
Imaginär ist ein Adjektiv und wird mit ä geschrieben. Die Worttrennung lautet ima·gi·när; die Betonung liegt auf der letzten Silbe. Vor einem Nomen wird es gebeugt: ein imaginärer Raum, die imaginäre Grenze, mit imaginären Figuren. Nach sein bleibt die Grundform: Der Gesprächspartner ist imaginär. In der substantivierten Wendung das Imaginäre wird das Wort großgeschrieben.
Steigerung
Imaginär wird im üblichen Gebrauch nicht gesteigert. Ein vorgestellter Gegenstand ist nicht dadurch „imaginärer“, dass man ihn genauer beschreibt. Wenn du verschiedene Vorstellungen vergleichst, benenne den tatsächlichen Unterschied: anschaulicher vorgestellt, freier erfunden oder weiter von der Alltagswelt entfernt. Auch der mathematische Fachbegriff benötigt keine Steigerung.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | imaginärer | imaginäre | imaginäres | imaginäre |
| Genitiv | imaginären | imaginärer | imaginären | imaginärer |
| Dativ | imaginärem | imaginärer | imaginärem | imaginären |
| Akkusativ | imaginären | imaginäre | imaginäres | imaginäre |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | imaginäre | imaginäre | imaginäre | imaginären |
| Genitiv | imaginären | imaginären | imaginären | imaginären |
| Dativ | imaginären | imaginären | imaginären | imaginären |
| Akkusativ | imaginären | imaginäre | imaginäre | imaginären |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | imaginärer | imaginäre | imaginäres | imaginären |
| Genitiv | imaginären | imaginären | imaginären | imaginären |
| Dativ | imaginären | imaginären | imaginären | imaginären |
| Akkusativ | imaginären | imaginäre | imaginäres | imaginären |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Herkunft
Das Wort stammt aus französisch imaginaire, das auf lateinisch imaginarius für bildhaft oder nur in der Vorstellung bestehend zurückgeht. Es gehört zur Wortfamilie von imago für Bild oder Abbild.
Was bedeutet imaginär in der Mathematik?
In der Mathematik bezeichnet i die imaginäre Einheit; es gilt i² = −1. Eine komplexe Zahl lässt sich als a + bi mit reellen Zahlen a und b schreiben. Dabei ist a der Realteil und b der Imaginärteil.
Bei 2 + 3i ist der Imaginärteil also 3, nicht der ganze Ausdruck 3i. Rein imaginäre Zahlen haben den Realteil null. Diese Definitionen sind von der alltagssprachlichen Vorstellung zu trennen.
Eine Vorstellung treffend beschreiben
Erfundenes Beispiel: Bei einer Schreibübung soll eine Schulklasse einen Raum beschreiben, den es nicht gibt. Nora entwirft eine Bibliothek, in der Regale auf Schienen langsam durch den Saal wandern. Sie zeichnet anschließend einen Grundriss. Eine erste Formulierung lautet: „Alles an dieser Bibliothek ist unrealistisch.“
Nora entwirft eine imaginäre Bibliothek. Die beweglichen Regale gehören zu ihrer Vorstellung; der gezeichnete Grundriss macht deren Anordnung sichtbar. Die Beschreibung lässt Lesende einen Rundgang nachvollziehen, ohne zu behaupten, dass das Gebäude tatsächlich existiert.
Die überarbeitete Formulierung benennt zunächst den Status der Bibliothek und anschließend ihre Darstellung. Unrealistisch hätte die Plausibilität bewertet, obwohl die Aufgabe gerade eine freie Erfindung verlangt. Der Absatz unterscheidet zudem Vorstellung und Zeichnung: Das Gebäude ist imaginär, der Grundriss als Blatt Papier nicht. Für eine Analyse bleibt offen, wie überzeugend die Idee umgesetzt ist; das muss an konkreten Einzelheiten gezeigt werden.
Kurz prüfen: Ist eine unsichtbare Grenze immer imaginär?
Nein. Eine Grenze kann tatsächlich vereinbart oder festgelegt sein, ohne sichtbar markiert zu werden. Imaginär passt, wenn die Grenze im betreffenden Zusammenhang als vorgestellte Linie gemeint ist, etwa in einer Theaterübung. Unsichtbarkeit allein genügt nicht.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
