zimperlich
Form & Grammatik
- Stichwort
- zimperlich
- Worttrennung
- zim·per·lich
- Komparativ
- zimperlicher
- Superlativ
- am zimperlichsten
Zimperlich nennt man abwertend eine als übertrieben empfundene Empfindlichkeit; in „nicht zimperlich“ kann es auch mangelnde Rücksicht oder Zurückhaltung bezeichnen.
Was bedeutet zimperlich?
Zimperlich bewertet eine Reaktion auf Schmerz, Unannehmlichkeit oder Zumutung als zu empfindlich. Damit steckt im Wort bereits ein Urteil darüber, was jemand angeblich aushalten müsste. Dieses Urteil kann berechtigt erscheinen, aber auch die tatsächliche Belastung einer Person übergehen.
Die Verbindung „nicht zimperlich“ besitzt einen eigenen Schwerpunkt: Wer bei der Durchsetzung seiner Interessen nicht zimperlich ist, geht unter Umständen hart oder rücksichtslos vor. Daneben kann zimperlich eine übertrieben schamhafte oder prüde Haltung meinen. In jeder Bedeutung ist zu klären, ob das Wort ein Verhalten treffend beschreibt oder eine Grenze bloß abwertet.
Beispiele und Verwendung
Er nannte sie zimperlich, weil sie die unbequeme Tragehilfe ablegen wollte.
So ist es gemeint: Der Satz gibt zunächst sein Urteil wieder; ob die Belastung gering war, ist damit nicht bewiesen.
Die Verhandlungsführerin war nicht zimperlich und setzte die Gegenseite mit persönlichen Andeutungen unter Druck.
So ist es gemeint: Hier meint die Verneinung einen Mangel an Rücksicht bei der Durchsetzung eigener Ziele.
Die zimperliche Wortwahl vermied selbst sachliche Bezeichnungen für körperliche Vorgänge.
So ist es gemeint: In diesem Zusammenhang ist eine gezierte oder übermäßig schamhafte Vermeidung gemeint.
Typische Verbindungen: zimperlich reagieren, als zimperlich gelten, nicht zimperlich sein, zimperlicher Umgang mit einem Thema
Synonyme für zimperlich: passend zum Zusammenhang
Zimperlich enthält meist einen Vorwurf: Jemand reagiert aus Sicht eines Sprechers übermäßig empfindlich oder scheut eine unangenehme Zumutung. Eine genauere Alternative hängt davon ab, woran sich dieses Urteil entzündet. Besonders wichtig ist die Verneinung nicht zimperlich, die einen harten Umgang hervorheben kann.
| Alternative | Passend bei | Unterschied |
|---|---|---|
| überempfindlich | Als übermäßig bewerteter Empfindlichkeit | Übernimmt ebenfalls ein Urteil über das vermeintlich angemessene Maß. |
| heikel | Wählerischem Verhalten oder schwerer Zufriedenstellung | Ist in dieser Bedeutung regional; passt nur, wenn die kritisierte Empfindlichkeit eine solche Auswahl betrifft. |
| prüde | Zurückhaltung gegenüber sexuellen oder körperlichen Themen | Erfasst eine besondere Verwendung, nicht allgemeine Empfindlichkeit. |
| rücksichtslos | Hartem Vorgehen bei nicht zimperlich | Passt zur verneinten Wendung, nicht als allgemeiner Ersatz für zimperlich. |
Eigene Sprachbeispiele: Die Satzpaare zeigen, was sich beim Ersetzen verändert.
Erstes Satzpaar
Ausgangssatz: Er nennt die Figur zimperlich, weil sie das schmutzige Tuch nicht anfassen möchte.
Alternative: Er nennt die Figur überempfindlich, weil sie das schmutzige Tuch nicht anfassen möchte.
Die eigenen Sätze geben die Bewertung des Sprechers wieder. Sie beweisen nicht, dass die Ablehnung tatsächlich übertrieben ist. Gründe wie der Zustand des Tuchs oder eine alternative Arbeitsweise müssten gesondert berücksichtigt werden.
Zweites Satzpaar
Ausgangssatz: Die Verhandlungsführerin geht nicht zimperlich mit ihrem Gegner um und unterbricht ihn wiederholt.
Alternative: Die Verhandlungsführerin geht rücksichtslos mit ihrem Gegner um und unterbricht ihn wiederholt.
Die Alternative macht die negative Wertung direkter. Nicht zimperlich kann je nach Ton auch anerkennend für entschlossenes Vorgehen stehen; rücksichtslos legt die Missachtung anderer wesentlich deutlicher fest.
Grenze des Austauschs: sensibel kann feine Wahrnehmung anerkennen und ist deshalb kein neutraler Ersatz für den Vorwurf zimperlich. Auch eine begründete Grenze ist nicht automatisch Überempfindlichkeit. In einer Analyse sollte deutlich bleiben, wer die Bewertung ausspricht und welche Handlung tatsächlich beobachtet wird.
Zimperlich schreibt man mit einfachem m. Die Verneinung gehört zur Bedeutung der ganzen Wendung: nicht zimperlich darf beim Ersetzen nicht verloren gehen. Vor einem Nomen heißt es eine zimperliche Reaktion. Ein einzelner Vorfall trägt noch kein allgemeines Personenurteil.
Weitere Abgrenzungen: Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- sensibel
- Bezeichnet feine Wahrnehmung oder Empfindsamkeit, ohne automatisch ein Übermaß zu unterstellen.
- prüde
- Bezieht sich besonders auf Befangenheit gegenüber sexuellen Themen. Zimperlich ist in der Empfindlichkeitsbedeutung weiter gefasst.
- rücksichtslos
- Kann die Bedeutung von nicht zimperlich in bestimmten Handlungskontexten genauer benennen, ist aber kein Synonym der positiven Grundform.
Robust oder unempfindlich können zur ersten Bedeutung passen. Bei „nicht zimperlich“ ist rücksichtsvoll ein möglicher Gegensatz. Persönliche Grenzen sind nicht allein deshalb übertrieben, weil andere sie nicht teilen.
Zimperlich in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
Bei einer Werkstattaufgabe bittet Leon um andere Handschuhe, weil die vorhandenen scheuern. Ein Mitschüler nennt ihn zimperlich. Die Lehrerin sieht die Druckstellen und tauscht die Handschuhe aus; Leon arbeitet danach ohne weitere Unterbrechung mit.
- Beobachtung: Leon benennt eine konkrete Beschwerde, die durch sichtbare Druckstellen und den erfolgreichen Wechsel gestützt wird.
- Deutung: Zimperlich ist hier eine abwertende Fremdzuschreibung, deren Grundlage der weitere Verlauf infrage stellt.
- Grenze der Aussage: Aus der Bitte folgt weder geringe Belastbarkeit noch Verweigerung. Die Situation erlaubt kein allgemeines Urteil über Schmerzempfinden.
Musterformulierung
Der Mitschüler bezeichnet Leon als zimperlich, weil dieser andere Handschuhe verlangt. Die sichtbaren Druckstellen und seine anschließende Mitarbeit relativieren den Vorwurf jedoch. Leons Bitte richtet sich auf ein konkretes Hindernis, nicht auf die Vermeidung der Aufgabe. Die Szene charakterisiert daher vor allem die vorschnelle Bewertung des Mitschülers.
Der Absatz übernimmt das wertende Wort nicht als Tatsache. Er prüft es an den späteren Beobachtungen und hält die Perspektiven auseinander.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- zim·per·lich
- Verwandtes Nomen
- die Zimperlichkeit
Zimperlich wird mit z und der Folge -mperlich geschrieben. Vor einem Nomen steht etwa eine zimperliche Reaktion. Die Verneinung kann die Bedeutung verschieben: nicht zimperlich vorgehen meint häufig ein hartes Vorgehen. Die Steigerung verstärkt jeweils die zugeschriebene Wirkung.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | zimperlicher | zimperliche | zimperliches | zimperliche |
| Genitiv | zimperlichen | zimperlicher | zimperlichen | zimperlicher |
| Dativ | zimperlichem | zimperlicher | zimperlichem | zimperlichen |
| Akkusativ | zimperlichen | zimperliche | zimperliches | zimperliche |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der zimperliche | die zimperliche | das zimperliche | die zimperlichen |
| Genitiv | des zimperlichen | der zimperlichen | des zimperlichen | der zimperlichen |
| Dativ | dem zimperlichen | der zimperlichen | dem zimperlichen | den zimperlichen |
| Akkusativ | den zimperlichen | die zimperliche | das zimperliche | die zimperlichen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein zimperlicher | eine zimperliche | ein zimperliches | keine zimperlichen |
| Genitiv | eines zimperlichen | einer zimperlichen | eines zimperlichen | keiner zimperlichen |
| Dativ | einem zimperlichen | einer zimperlichen | einem zimperlichen | keinen zimperlichen |
| Akkusativ | einen zimperlichen | eine zimperliche | ein zimperliches | keine zimperlichen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Zimperlich wird auf eine ältere mundartliche Form zimper mit ähnlicher Bedeutung bezogen. Deren weitere Herkunft ist ungeklärt. Eine scheinbar passende Geschichte über Scham oder Schmerz wäre deshalb keine gesicherte Herkunftserklärung.
