prüde

Prüde nennt man eine Haltung, die auf sexuelle Themen oder Darstellungen mit ausgeprägter Befangenheit, Scham oder ablehnender Zurückhaltung reagiert.

Was bedeutet prüde?

Das Wort prüde bezieht sich besonders auf den Umgang mit Sexualität. Gemeint sein kann, dass eine Person selbst sachliche Gespräche darüber vermeidet, harmlose Darstellungen als peinlich empfindet oder entsprechende Themen grundsätzlich für unanständig hält. Auch gesellschaftliche Umgangsformen oder eine Epoche können so beschrieben werden.

Prüde ist häufig wertend und kann herabsetzen. Deshalb ist eine konkrete Begründung nötig. Wer keine intimen Einzelheiten erzählen möchte, unerwünschte Berührungen ablehnt oder einen anzüglichen Witz unpassend findet, ist dadurch nicht schon prüde. Persönliche Grenzen und die situative Angemessenheit eines Themas sind von einer allgemeinen Befangenheit gegenüber Sexualität zu unterscheiden.

Auf den PunktPrüde betrifft eine ausgeprägte Befangenheit gegenüber Sexuellem. Das Recht auf Privatheit oder ein Nein zu unerwünschtem Verhalten wird damit nicht aufgehoben.

Beispiele und Verwendung

Die prüde Gesprächsordnung ließ selbst sachliche Fragen zur Sexualität nicht zu.

So ist es gemeint: Der Ausdruck bewertet eine allgemeine Beschränkung des Themas, nicht nur den Wunsch nach einem passenden Zeitpunkt.

Der Erzähler schildert den Gastgeber als prüde, weil dieser schon das Wort „Kuss“ aus dem Theaterprogramm streichen will.

So ist es gemeint: Die auffallend weitgehende Vermeidung eines harmlosen Ausdrucks liefert einen konkreten Anhaltspunkt für die Wertung.

Dass Mira eine private Frage nicht beantwortet, macht sie nicht automatisch prüde.

So ist es gemeint: Die Ablehnung kann dem Schutz persönlicher Informationen dienen und belegt keine allgemeine Haltung zu Sexualität.

Typische Verbindungen: prüde wirken, eine prüde Haltung, prüde Moralvorstellungen, eine prüde Gesellschaft

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

gehemmt
Bezeichnet eingeschränktes oder unsicheres Verhalten allgemein; prüde bezieht sich besonders auf sexuelle Themen.
schüchtern
Betrifft Unsicherheit im Kontakt mit anderen. Eine schüchterne Person kann sexuelle Themen durchaus unbefangen besprechen.
sittsam
Bezieht sich auf die Einhaltung als anständig geltender Verhaltensregeln und kann positiv gemeint sein; prüde hebt eher die als übermäßig empfundene Befangenheit hervor.

Unbefangen oder sexuell aufgeschlossen können Gegenbegriffe bilden. Sie bedeuten weder Grenzenlosigkeit noch die Pflicht, persönliche Dinge öffentlich zu besprechen.

Prüde in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Komödie organisiert Herr Brandt einen Lesekreis. Aus einem allgemein zugänglichen Gedicht streicht er jede Erwähnung von Küssen und erklärt auch eine sachliche Besprechung solcher Stellen für unanständig. Die anderen hatten keine privaten Erfahrungen erfragt.

  1. Beobachtung: Brandt beseitigt harmlose textliche Bezüge und untersagt ihre sachliche Besprechung grundsätzlich.
  2. Deutung: Diese weitgehende Vermeidung stützt die Deutung einer prüden Haltung gegenüber dem Thema.
  3. Grenze der Aussage: Die Szene zeigt nicht, wie Brandt seine eigenen Beziehungen lebt. Auch seine persönlichen Grenzen dürfen nicht aus dieser Wertung heraus abgewertet werden.

Musterformulierung

Herr Brandt zeigt im Lesekreis eine prüde Haltung. Er streicht selbst die Erwähnung von Küssen aus dem Gedicht und lehnt ihre sachliche Besprechung als unanständig ab. Die Bewertung beruht damit auf seiner allgemeinen Einschränkung des Themas, nicht auf einer verweigerten privaten Auskunft. Über sein persönliches Beziehungsleben sagt die Szene nichts aus.

Der Absatz nennt das beobachtbare Ausmaß der Vermeidung und trennt es ausdrücklich vom Schutz der Privatsphäre. So bleibt der wertende Ausdruck auf die dargestellte Situation begrenzt.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
prü·de
Verwandtes Nomen
die Prüderie

Prüde wird mit ü und einem e am Wortende geschrieben. Die Beugung verwendet den Stamm prüd-: ein prüder Kommentar, mit prüden Vorstellungen. Die Vergleichsformen lauten prüder und am prüdesten; ein weiteres e wird nicht angehängt.

Grundformprüde
Komparativprüder
Superlativam prüdesten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativprüderprüdeprüdesprüde
Genitivprüdenprüderprüdenprüder
Dativprüdemprüderprüdemprüden
Akkusativprüdenprüdeprüdesprüde
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder prüdedie prüdedas prüdedie prüden
Genitivdes prüdender prüdendes prüdender prüden
Dativdem prüdender prüdendem prüdenden prüden
Akkusativden prüdendie prüdedas prüdedie prüden
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein prüdereine prüdeein prüdeskeine prüden
Genitiveines prüdeneiner prüdeneines prüdenkeiner prüden
Dativeinem prüdeneiner prüdeneinem prüdenkeinen prüden
Akkusativeinen prüdeneine prüdeein prüdeskeine prüden

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Prüde stammt aus französisch prude. In der älteren französischen Wortgeschichte stehen Bedeutungen wie tüchtig, tapfer und sittsam. Diese älteren Bedeutungen dürfen nicht unverändert auf den heutigen deutschen Gebrauch übertragen werden.

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