überempfindlich

Überempfindlich: Im Alltag: auf Anlässe oder Einwirkungen stärker reagierend, als es jemand für angemessen hält; fachlich auch eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Stoffen oder Reizen bezeichnend.

Was bedeutet überempfindlich?

Überempfindlich kann bedeuten, dass jemand Bemerkungen rasch als Verletzung erlebt oder auf Belastungen besonders stark reagiert. Im zwischenmenschlichen Gebrauch ist das Wort wertend: Es behauptet ein Zuviel an Empfindlichkeit und verlangt daher einen nachvollziehbaren Vergleichsmaßstab.

Daneben gibt es fachliche Verwendungen für körperliche Reaktionen. Diese sind nicht mit einem Charakterurteil gleichzusetzen. Auch im Alltag darf eine berechtigte Grenze nicht allein deshalb als Überempfindlichkeit abgetan werden, weil sie anderen unbequem ist.

Auf den PunktÜberempfindlich ist im sozialen Gebrauch ein begründungsbedürftiges Urteil. Es erklärt keine medizinische Ursache.

Beispiele und Verwendung

Er hielt die sachliche Korrektur sofort für einen persönlichen Angriff und wurde als überempfindlich wahrgenommen.

So ist es gemeint: Die Bewertung betrifft die Deutung eines konkreten Hinweises.

Sie wehrte sich dagegen, wegen ihrer klaren Grenze überempfindlich genannt zu werden.

So ist es gemeint: Das Urteil kann selbst Teil eines Konflikts sein.

Das Material reagiert überempfindlich auf Feuchtigkeit.

So ist es gemeint: Das Wort kann auch außerhalb der Personenbeschreibung stehen.

Typische Verbindungen: überempfindlich reagieren, bei einem Thema überempfindlich sein, eine überempfindliche Reaktion.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

sensibel
Bezeichnet Empfindsamkeit oder feines Wahrnehmen, ohne notwendig ein Übermaß zu werten.
übersensibel
Ist im Alltagsgebrauch sehr nahe; eine scharfe Bedeutungsgrenze ist oft nicht nötig.
reizbar
Betont die schnelle Reaktion mit Ärger oder Erregung.

Wenig empfindlich, robust oder gelassen passen je nach Zusammenhang, sind aber nicht unter allen Umständen erstrebenswerter.

Überempfindlich in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte weist eine Kollegin Niko auf eine doppelte Seitenzahl hin. Er antwortet, offenbar halte sie seine gesamte Arbeit für wertlos, und beendet das Gespräch. Die Kollegin erklärt ruhig, dass sie den Text hilfreich finde und nur den kleinen Fehler meine. Niko liest ihre Notiz später erneut und erkennt die begrenzte Kritik.

  1. Beobachtung: Niko versteht eine konkrete Korrektur zunächst als umfassende persönliche Abwertung.
  2. Deutung: Seine erste Reaktion kann überempfindlich wirken, weil Text und spätere Einsicht die Ausweitung des Vorwurfs erkennbar machen.
  3. Grenze der Aussage: Ein einzelner Vorfall belegt keine dauerhafte Eigenschaft; mögliche Vorerfahrungen bleiben unbekannt.

Musterformulierung

Niko reagiert auf die Seitenkorrektur zunächst überempfindlich. Er deutet den begrenzten Hinweis als Abwertung seiner gesamten Arbeit, obwohl die Kollegin dies ausdrücklich zurückweist. Seine spätere Einsicht begrenzt das Urteil auf die erste Reaktion. Eine allgemeine Erklärung seiner Empfindlichkeit liefert die Szene nicht.

Der Absatz zeigt das konkrete Missverhältnis und beachtet die anschließende Korrektur.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
über·emp·find·lich
Verwandtes Nomen
die Überempfindlichkeit

Es heißt ein überempfindlicher Mensch und mit überempfindlichen Reaktionen. Eine Ergänzung wie gegenüber Kritik oder bei diesem Thema macht den Bezug deutlich.

Grundformüberempfindlich
Komparativüberempfindlicher
Superlativam überempfindlichsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativüberempfindlicherüberempfindlicheüberempfindlichesüberempfindliche
Genitivüberempfindlichenüberempfindlicherüberempfindlichenüberempfindlicher
Dativüberempfindlichemüberempfindlicherüberempfindlichemüberempfindlichen
Akkusativüberempfindlichenüberempfindlicheüberempfindlichesüberempfindliche
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder überempfindlichedie überempfindlichedas überempfindlichedie überempfindlichen
Genitivdes überempfindlichender überempfindlichendes überempfindlichender überempfindlichen
Dativdem überempfindlichender überempfindlichendem überempfindlichenden überempfindlichen
Akkusativden überempfindlichendie überempfindlichedas überempfindlichedie überempfindlichen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein überempfindlichereine überempfindlicheein überempfindlicheskeine überempfindlichen
Genitiveines überempfindlicheneiner überempfindlicheneines überempfindlichenkeiner überempfindlichen
Dativeinem überempfindlicheneiner überempfindlicheneinem überempfindlichenkeinen überempfindlichen
Akkusativeinen überempfindlicheneine überempfindlicheein überempfindlicheskeine überempfindlichen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Überempfindlich verbindet über- mit empfindlich. Im Alltagsurteil markiert über- ein als übermäßig bewertetes Maß; die fachliche Verwendung muss aus ihrem eigenen Zusammenhang verstanden werden.

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