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Ambivalenz

Form & Grammatik

SubstantivFremdwort
Lemma
die Ambivalenz
Wortart
Substantiv, feminin
Worttrennung
Am·bi·va·lenz
Genitiv
der Ambivalenz
Plural
die Ambivalenzen
Gebrauch
bildungssprachlich; auch psychologischer und sozialwissenschaftlicher Fachbegriff

Ambivalenz bezeichnet einen Zwiespalt: Gegensätzliche Gefühle, Wünsche oder Bewertungen bestehen zugleich. Etwas kann anziehend und abschreckend wirken oder Zustimmung und Ablehnung auslösen.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Gegensätzliche Gefühle und Wünsche zugleich

Eine Person empfindet gegenüber derselben Sache oder Person gleichzeitig unterschiedliche, gegensätzliche Regungen. Sie möchte etwa eine Veränderung und fürchtet sie zugleich. Das beschreibt eine zwiespältige Haltung; eine psychische Erkrankung ist damit für sich allein nicht festgestellt.

„Ihre Ambivalenz gegenüber dem Umzug zeigte sich darin, dass sie sich auf die neue Wohnung freute und zugleich die vertraute Nachbarschaft nicht verlassen wollte.“

Beide Regungen beziehen sich auf dieselbe Veränderung und bestehen nebeneinander. Es geht nicht bloß darum, dass ihre Stimmung an verschiedenen Tagen wechselt.

Bedeutung 2: Zwiespältige Eigenschaften oder Bewertungen

Über einzelne Gefühle hinaus kann Ambivalenz auch gegensätzliche Seiten eines Vorgangs oder einer Darstellung bezeichnen. Der Ausdruck hebt hervor, dass sich die Bewertung nicht auf ein einfaches Gut oder Schlecht reduzieren lässt.

„Der Bericht beschreibt die Ambivalenz der ständigen Erreichbarkeit: Sie erleichtert Absprachen und erschwert zugleich die Ruhe nach Feierabend.“

Der Satz benennt einen konkreten Vorteil und einen konkreten Nachteil. Er behauptet nicht, dass sich beide in jedem Fall genau ausgleichen.

Ambivalenz: Synonyme und andere Wörter

Bei Gefühlen und Haltungen

Zwiespältigkeit · innere Spannung · Zerrissenheit

Zwiespältigkeit ist die neutrale, breite Alternative. Zerrissenheit klingt stärker und kann erheblichen inneren Druck nahelegen. Unentschlossenheit bezeichnet zunächst eine ausbleibende Entscheidung; deren Grund muss keine Ambivalenz sein.

„Sie schildert ihre Ambivalenz gegenüber der Aufgabe.“ → „Sie schildert ihre Zwiespältigkeit gegenüber der Aufgabe.“

Bei Eigenschaften und Bewertungen

Widersprüchlichkeit · Doppelwertigkeit

Widersprüchlich ist weiter gefasst: Auch zwei sachliche Angaben können sich widersprechen. Ambivalenz wird besonders dann verständlich, wenn die gegensätzlichen Bewertungen oder Wirkungen ausdrücklich genannt werden.

„Die Ambivalenz des Angebots besteht in größerer Freiheit bei geringerer Sicherheit.“ → „Das Angebot hat gegensätzliche Vor- und Nachteile.“

Beispiele und Verwendung

„Obwohl sie die Einladung annimmt, bleibt ihre Ambivalenz bestehen.“

Eine Entscheidung beendet nicht automatisch den inneren Zwiespalt. Das Wort beschreibt hier das Erleben, nicht den sichtbaren Entschluss.

Ambivalenz oder Ambiguität?

Ambivalenz benennt vor allem gegensätzliche Gefühle oder Wertungen. Ambiguität bezeichnet mehrere mögliche Deutungen. Eine mehrdeutige Nachricht kann Ambivalenz auslösen; beides ist aber nicht dasselbe. Eine klare Nachricht kann ebenso gemischte Gefühle hervorrufen.

Grammatik und Beugung

Das Substantiv ist feminin: die Ambivalenz. Die Singularform bleibt in allen Fällen gleich. Der Plural Ambivalenzen eignet sich für mehrere benennbare Zwiespalte oder gegensätzliche Spannungsverhältnisse. Das abstrakte Erleben insgesamt steht oft im Singular, besitzt aber keinen allgemeinen Plural-Ausschluss.

Die dezent markierten Teile zeigen tatsächliche Beugungsendungen. Die Wörter bleiben vollständig und unverändert lesbar.

Ambivalenz: die vier Fälle
FallSingularPlural
Nominativdie Ambivalenzdie Ambivalenzen
Genitivder Ambivalenzder Ambivalenzen
Dativder Ambivalenzden Ambivalenzen
Akkusativdie Ambivalenzdie Ambivalenzen

Schreibweise und Worttrennung

Die Worttrennung lautet Am·bi·va·lenz. Das Substantiv wird großgeschrieben. Das Adjektiv ambivalent wird innerhalb eines Satzes normalerweise kleingeschrieben.

Herkunft

Ambivalenz ist eine wissenschaftliche Neubildung auf lateinischer Grundlage: ambi- steht für beide Seiten, valentia für Stärke oder Wirksamkeit. Der Psychiater Eugen Bleuler führte den Ausdruck Anfang des 20. Jahrhunderts als Fachbegriff ein. Heute wird er auch außerhalb psychologischer Fachtexte verwendet.

Verwandte Wörter

Mit ambivalent lässt sich die entsprechende Haltung beschreiben: eine ambivalente Reaktion. Zwiespältigkeit ist häufig die verständlichere Alternative zum Substantiv.