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ambivalent

Form & Grammatik

AdjektivFremdwort
Lemma
ambivalent
Wortart
Adjektiv
Worttrennung
am·bi·va·lent
Steigerung
bei unterschiedlich stark ausgeprägter Zwiespältigkeit: ambivalent – ambivalenter – am ambivalentesten
Beugung
ein ambivalentes Verhältnis; mit ambivalenten Gefühlen
Gebrauch
bildungssprachlich und fachsprachlich; widersprüchliche Wertungen oder Empfindungen können gleichzeitig bestehen

ambivalent bedeutet zwiespältig oder in sich widersprüchlich. Ambivalente Gefühle oder Bewertungen enthalten gegensätzliche Seiten, etwa Zuneigung und Ablehnung gegenüber derselben Person oder Sache.

Bedeutungen

Gegensätzliche Seiten zugleich enthaltend

Ambivalent kann eine Haltung, ein Gefühl oder ein Verhältnis beschreiben. Die positiven und negativen Seiten stehen dabei nebeneinander. Auch die Wirkung oder Bewertung eines Geschehens kann ambivalent sein, wenn sie zu gegensätzlichen Einschätzungen Anlass gibt.

„Dem Umzug sah sie mit ambivalenten Gefühlen entgegen: Sie freute sich auf die neue Arbeit und wollte ihre Freunde nicht zurücklassen.“

Freude und Bedauern bestehen gleichzeitig. Der Satz besagt weder, dass sie ihre Entscheidung ständig ändert, noch, dass sie sich überhaupt nicht entscheiden kann.

Ambivalent ist nicht automatisch mehrdeutig. Eine mehrdeutige Formulierung erlaubt mehrere Lesarten. Eine ambivalente Haltung enthält dagegen gegensätzliche Wertungen oder Gefühle. Die beiden Eigenschaften können zusammen auftreten, müssen es aber nicht.

ambivalent: Synonyme und andere Wörter

Bei Gefühlen und Haltungen

zwiespältig · widersprüchlich · gemischt

Zwiespältig ist meist die naheliegende Umschreibung. Widersprüchlich ist weiter und kann auch unvereinbare Aussagen betreffen. Gemischte Gefühle beschreibt unterschiedliche Empfindungen, ohne ihren Gegensatz so stark zu betonen.

‚Sie hat ein ambivalentes Verhältnis zu ihrer Heimatstadt.‘ → ‚Ihr Verhältnis zur Heimatstadt ist zwiespältig.‘ ‚Sie kann sich nicht entscheiden‘ würde dagegen ein Entscheidungsproblem hinzufügen.

Bei Bewertungen und Wirkungen

widersprüchlich · zwiespältig · mit gegensätzlichen Seiten

Diese Ausdrücke passen, wenn ein Vorgang sowohl Zustimmung als auch Vorbehalte begründet. Uneindeutig oder mehrdeutig verschiebt den Blick auf die Verständlichkeit beziehungsweise Auslegung.

‚Die Neuerung wird ambivalent beurteilt.‘ lässt positive und negative Wertungen erwarten. ‚Die Beschreibung der Neuerung ist mehrdeutig.‘ betrifft dagegen die möglichen Bedeutungen des Textes.

Beispiele und Verwendung

Besonders verständlich wird ambivalent, wenn du die beiden Seiten benennst: „einerseits …, andererseits …“. So erfährt der Leser, worin der Zwiespalt besteht. Die Aussage „Ich finde das ambivalent“ bleibt dagegen ohne weiteren Kontext vage.

„Die Erzählerin bewundert den Mut ihres Bruders, lehnt aber seine Rücksichtslosigkeit ab.“

Das ist eine ambivalente Haltung zu derselben Figur. Bei einer Charakterisierung sollte deutlich werden, wer diese Haltung einnimmt und welche Eigenschaften den Gegensatz begründen.

„Die Reaktionen auf den Vorschlag waren ambivalent: Die Beteiligten begrüßten die Entlastung, befürchteten aber neue Abhängigkeiten.“

Hier werden die gegensätzlichen Bewertungen erläutert. Das bloße Wort ambivalent würde noch nicht zeigen, worin sie bestehen.

Ambivalente Gefühle sind für sich genommen keine Diagnose. Das Adjektiv kann ganz alltägliche widersprüchliche Empfindungen beschreiben.

Sprachbelege im Zusammenhang

Meine Gefühle zu ihr sind ambivalent. Einerseits liebe ich ihr Selbstbewusstsein und die Art und Weise, wie sie mit anderen umgeht. Andererseits ist es mir unangenehm, dass sie immer im Mittelpunkt stehen muss und unglaublich laut ist. Vielleicht ist es eine Art Hassliebe? Ich weiß es nicht.
Deine Aussagen sind ambivalent. Du kannst doch nicht einerseits Geld für Menschen in Not spenden, aber auf der anderen Seite für ihre Not verantwortlich sein.
[...] seit der Amtsübernahme verfolgt seine Regierung jedoch eine ambivalentere Politik, [...] oft widerspricht sich der Präsident selbst.
Moritz Baumstieger, “Die Mär von den roten Linien”
Nicht neu, aber erneut schön provozierend ambivalent: Batman selbst, ein Traum von einem gerechten Faustrechts-Fanatiker, der [...] Sehnsüchte nach dem "guten Diktator" [...] beflügelt.
Timur Vermes, “Die Rückkehr des Dunklen Millers”
Doch man weiß, welche ambivalenten Gefühle die Natur im Mann erregt. Er beutet sie aus, aber sie drückt ihn nieder, er wird aus ihr geboren und stirbt in ihr, sie ist der Ursprung seines Seins und das Reich, das er seinem Willen unterwirft.
- Simone de Beauvoir

Die Belege zeigen unterschiedliche Perspektiven: gegensätzliche Gefühle, eine widersprüchlich beurteilte Politik oder Figur und ein spannungsreiches Verhältnis zur Natur. Die Wertungen gehören jeweils zum zitierten Zusammenhang. Sie sind weder Diagnosen noch aktuelle Tatsachenbehauptungen über die genannten Personen.

Grammatik und Beugung

Ambivalent wird vor einem Nomen gebeugt: eine ambivalente Haltung, mit ambivalenten Gefühlen. In ihre Haltung bleibt ambivalent steht die unveränderte Grundform.

Wenn der Grad der Zwiespältigkeit verglichen wird, sind ambivalenter und am ambivalentesten möglich. Die reine fachliche Feststellung einer Doppelwertigkeit wird gewöhnlich nicht gesteigert. Die Tabellen zeigen die Grundstufe; der gemischte Plural steht nach keine oder einem Possessivwort.

ambivalent: starke Beugung ohne Artikel
KasusMaskulinumFemininumNeutrumPlural
Nominativambivalenterambivalenteambivalentesambivalente
Genitivambivalentenambivalenterambivalentenambivalenter
Dativambivalentemambivalenterambivalentemambivalenten
Akkusativambivalentenambivalenteambivalentesambivalente
ambivalent: schwache Beugung nach bestimmtem Artikel
KasusMaskulinumFemininumNeutrumPlural
Nominativambivalenteambivalenteambivalenteambivalenten
Genitivambivalentenambivalentenambivalentenambivalenten
Dativambivalentenambivalentenambivalentenambivalenten
Akkusativambivalentenambivalenteambivalenteambivalenten
ambivalent: gemischte Beugung nach ein, kein oder Possessivwort
KasusMaskulinumFemininumNeutrumPlural
Nominativambivalenterambivalenteambivalentesambivalenten
Genitivambivalentenambivalentenambivalentenambivalenten
Dativambivalentenambivalentenambivalentenambivalenten
Akkusativambivalentenambivalenteambivalentesambivalenten

Herkunft

Ambivalent setzt sich aus lateinischen Bestandteilen zusammen: ambi- verweist auf beide Seiten; valens, mit der Genitivform valentis, gehört zu valere und bedeutet stark oder wirksam. Die Wortbildung verweist damit auf zwei nebeneinander bestehende Wertungen oder Wirkungen. Das zugehörige Nomen lautet Ambivalenz.