Gut macht Mut, Mut macht Übermut, Übermut tut selten gut
Form & Grammatik
- Stichwort
- Gut macht Mut, Mut macht Übermut, Übermut tut selten gut.
- Form
- Dreigliedrige Reimkette mit der Wiederaufnahme von Mut und Übermut.
Gebrauch: Historisch überlieferte warnende Reimkette; sie kritisiert die Überschätzung der eigenen Möglichkeiten.
Definition · kurz erklärt
Der Spruch warnt davor, aus Besitz gewonnene Sicherheit in Selbstüberschätzung umschlagen zu lassen.
Bedeutungen
Von materieller Sicherheit zur Selbstüberschätzung
Gut meint am Anfang Vermögen oder Besitz. Daraus kann sich Mut im Sinne von Zuversicht oder Selbstsicherheit ergeben. Der nächste Schritt der Reimkette steigert diese Haltung zu Übermut: Die Person überschätzt ihre Möglichkeiten oder missachtet Grenzen. Der Schluss bewertet diesen Übermut kritisch. Das letzte gut ist dabei ein kleingeschriebenes Adjektiv in der Verbindung guttun, nicht noch einmal das Vermögen.
Nach mehreren gut bezahlten Aufträgen hat der Fotograf Rasmus eine größere Rücklage. Nun sagt er eine aufwendige Ausstellung zu, ohne die Kosten für Druck, Raum und Transport zusammenzurechnen. Seine Kollegin bremst ihn: „Gut macht Mut, Mut macht Übermut, Übermut tut selten gut.“
Die Rücklage erklärt Rasmus’ Sicherheit. Kritisiert wird der Schritt zur ungeprüften Zusage, nicht das vorhandene Geld oder seine Freude über die Aufträge.
Besitz führt nicht zwangsläufig zu Übermut. Entscheidend ist im konkreten Fall, ob eine Person Möglichkeiten und Folgen sorgfältig einschätzt.
Zuversicht und Überheblichkeit unterscheiden
Mut
Mut kann die Bereitschaft zum Handeln trotz einer Schwierigkeit oder eine zuversichtliche Stimmung bezeichnen. Die Reimkette setzt beim Selbstvertrauen an und warnt vor dessen Übersteigerung. Sie verwirft nicht jeden mutigen Schritt.
„Ich traue mir den nächsten Schritt zu und bereite ihn vor“ kann Mut zeigen. „Ich brauche die Kosten nicht zu prüfen“ begründet eher den Vorwurf der Selbstüberschätzung.
übermütig
Übermütig kann heute eine ausgelassene Stimmung bezeichnen; in älteren Texten kann auch Überheblichkeit gemeint sein. Im Spruch trägt Übermut die kritische Bedeutung einer überschrittenen Grenze. Eine freudige Bewegung allein belegt diesen Vorwurf noch nicht.
Aus Freude herumzutanzen beschreibt eine Stimmung. Ohne Prüfung immer größere Verpflichtungen einzugehen liefert eine andere Beobachtung.
Hochmut kommt vor dem Fall
Beide Sprüche warnen vor Selbstüberschätzung und können dieselbe unbedachte Zusage begleiten. Die Gut-Mut-Kette beginnt ausdrücklich bei materiellem Besitz und führt über das Selbstvertrauen zur Grenzüberschreitung. Der Hochmut-Spruch setzt bei der überheblichen Haltung an und nennt das Scheitern als möglichen Ausgang.
„Das Geld macht ihn allzu sicher“ erklärt den Anfang der Kette. „Er missachtet Warnungen und scheitert daran“ passt zur Warnung vor dem Fall.
Beispiele und Verwendung
Eine konkrete Prüfung einfordern
„Die Rücklage ist erfreulich. Lasst uns trotzdem erst alle Ausgaben zusammentragen.“
Die freie Erklärung richtet sich auf die anstehende Entscheidung. Ein allgemeiner Vorwurf gegen wohlhabende Menschen wird daraus nicht abgeleitet.
Grammatik
Gut, Mut und Übermut sind Substantive und stehen als Subjekte jeweils im Singular. Dazu gehören macht beziehungsweise tut. Das erste Gut wird großgeschrieben, das letzte gut klein: Übermut tut selten gut. Die Verbverbindung heißt im Infinitiv guttun; im Hauptsatz steht tut ... gut getrennt. Die Kommas gliedern die drei Aussagen.
Varianten
Historisch sind auch die kurze Fassung „Gut macht Mut“ und längere Reimketten mit Hochmut, Streit, Armut und Demut belegt. Die kürzere Fassung nennt für sich allein noch nicht die Warnung des dreigliedrigen Spruchs.
