übermütig

Übermütig: Von ausgelassener Freude und überschüssiger Energie getragen, mitunter zu unbedachten Streichen neigend.

Was bedeutet übermütig?

Übermütig beschreibt eine lebhafte, ausgelassene Stimmung. Eine Person tollt herum, macht Scherze oder wagt aus Freude mehr als gewöhnlich. Das kann sympathisch und ansteckend wirken, aber auch in Unvorsichtigkeit oder störendes Verhalten übergehen.

Die Bewertung hängt von Folgen und Grenzen ab. Nicht jede starke Freude ist rücksichtslos, und nicht jeder Streich harmlos. In älteren Texten kann übermütig außerdem stolz oder überheblich bedeuten; diese Bedeutung muss aus dem jeweiligen Zusammenhang erschlossen werden.

Auf den PunktÜbermütig verbindet Ausgelassenheit mit einem möglichen Überschreiten des Maßes. Freude und Folgen sind gemeinsam zu betrachten.

Beispiele und Verwendung

Übermütig sprangen die Freunde nach der bestandenen Prüfung durch den Hof.

So ist es gemeint: Die Bewegung drückt ausgelassene Freude aus.

Sein übermütiger Scherz verletzte versehentlich eine Freundin.

So ist es gemeint: Gute Stimmung verhindert nicht jede unangenehme Folge.

Im älteren Text erscheint der Sieger übermütig gegenüber den Besiegten.

So ist es gemeint: Hier kann die ältere Bedeutung stolz oder überheblich gemeint sein.

Typische Verbindungen: übermütig lachen, übermütig herumtollen, ein übermütiger Streich, aus Freude übermütig werden.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

ausgelassen
Betont unbeschwerte, lebhafte Freude.
überdreht
Hebt stärker ein kaum gebremstes Aufgedrehtsein hervor und muss nicht aus Freude entstehen.
leichtsinnig
Bewertet die mangelnde Beachtung möglicher Folgen; Übermut kann, muss aber nicht leichtsinnig sein.

Gesammelt, ernst oder zurückhaltend können die Stimmung kontrastieren; vorsichtig steht einem leichtsinnigen Anteil gegenüber.

Übermütig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte gewinnt eine kleine Theatergruppe einen Preis. Auf dem Heimweg erfindet Juri Reime auf die Namen der Mitspielenden und tanzt vor dem Eingang. Als ein Reim eine Freundin sichtbar trifft, hält er inne, entschuldigt sich und nimmt sie aus dem Spiel heraus. Die gemeinsame Freude bleibt, wird aber ruhiger.

  1. Beobachtung: Juri zeigt seine Freude mit Bewegung und spontanen Scherzen und reagiert auf eine verletzte Grenze.
  2. Deutung: Er wirkt übermütig, ohne in der Szene dauerhaft rücksichtslos zu bleiben.
  3. Grenze der Aussage: Die Entschuldigung macht den verletzenden Moment nicht ungeschehen, begrenzt aber die Deutung seiner weiteren Haltung.

Musterformulierung

Juri ist nach der Preisverleihung übermütig. Seine Reime und Bewegungen zeigen die ausgelassene Freude, die kurz eine persönliche Grenze überschreitet. Dass er die Reaktion bemerkt und sich entschuldigt, zeigt zugleich die Fähigkeit zur Korrektur. Übermut und anhaltende Rücksichtslosigkeit sind hier zu unterscheiden.

Der Absatz beschreibt Stimmung, Grenzüberschreitung und Reaktion als zusammenhängenden Verlauf.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
über·mü·tig
Verwandtes Nomen
der Übermut

Es heißt ein übermütiger Scherz und mit übermütigen Sprüngen. Das Wort enthält den Umlaut ü in -mütig.

Grundformübermütig
Komparativübermütiger
Superlativam übermütigsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativübermütigerübermütigeübermütigesübermütige
Genitivübermütigenübermütigerübermütigenübermütiger
Dativübermütigemübermütigerübermütigemübermütigen
Akkusativübermütigenübermütigeübermütigesübermütige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder übermütigedie übermütigedas übermütigedie übermütigen
Genitivdes übermütigender übermütigendes übermütigender übermütigen
Dativdem übermütigender übermütigendem übermütigenden übermütigen
Akkusativden übermütigendie übermütigedas übermütigedie übermütigen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein übermütigereine übermütigeein übermütigeskeine übermütigen
Genitiveines übermütigeneiner übermütigeneines übermütigenkeiner übermütigen
Dativeinem übermütigeneiner übermütigeneinem übermütigenkeinen übermütigen
Akkusativeinen übermütigeneine übermütigeein übermütigeskeine übermütigen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Übermütig ist als mittelhochdeutsch übermüetec und althochdeutsch ubarmuotīg belegt. Im heutigen Alltag steht meist die ausgelassene Stimmung im Vordergrund; die Bedeutung stolz oder überheblich ist veraltet.

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