Man soll nicht feilschen, was man nicht kaufen will
Form & Grammatik
- Stichwort
- Man soll nicht feilschen, was man nicht kaufen will.
- Form
- Satzgefüge mit man; der historische Wortlaut schließt die Sache unmittelbar durch was an feilschen an.
Gebrauch: Historisch belegte Formulierung mit einem heute auffälligen Anschluss an feilschen.
Definition · kurz erklärt
Man soll keine Kaufverhandlungen führen, wenn man die betreffende Sache überhaupt nicht erwerben möchte.
Bedeutungen
Nur mit einer tatsächlichen Kaufabsicht um Bedingungen verhandeln
Feilschen bedeutet, hartnäckig über einen Preis oder andere Vorteile zu verhandeln. Der Spruch kritisiert ein solches Handeln ohne jede Kaufabsicht: Eine Person bindet das Gegenüber in eine Verhandlung, deren Ergebnis sie gar nicht nutzen will. Das kann dessen Zeit beanspruchen und einen falschen Eindruck erwecken. Das verwandte Verb abfeilschen bezeichnet dagegen das Erlangen einer Sache oder eines Zugeständnisses durch solches Verhandeln.
Lea handelt auf dem Flohmarkt lange um einen Schrank, obwohl sie längst weiß, dass sie keinen Platz dafür hat und ihn keinesfalls kaufen wird. Ihr Begleiter sagt: Man soll nicht feilschen, was man nicht kaufen will.
Entscheidend ist im eigenen Beispiel die schon vorher ausgeschlossene Kaufabsicht. Nicht die Höhe des verlangten Nachlasses, sondern die zwecklose Verhandlung wird kritisiert.
Ein ernsthaft interessierter Mensch darf nach einer Besichtigung oder einem Preisgespräch vom Kauf absehen. Der Spruch begründet weder eine Kaufpflicht noch ein Verbot, sich zu informieren oder Angebote zu vergleichen.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Wer einkauft, hat hundert Augen nötig, wer verkauft, nur eins
Der Augen-Spruch fordert Käufer auf, ein Angebot sorgfältig zu prüfen. Der Feilschspruch betrifft dagegen den Umgang mit einem Angebot, das man ohnehin nicht annehmen will. Sorgfältiges Prüfen und ehrliche Kaufabsicht schließen sich nicht aus.
Lea untersucht vor ihrer Entscheidung die Scharniere: beim Einkauf genau hinsehen. Lea verlangt ohne jede Erwerbsabsicht immer neue Zugeständnisse: Feilschen ohne Kaufabsicht.
Beispiele und Verwendung
Informationsfrage und Verhandlung auseinanderhalten
Ich frage zunächst nur nach den Maßen. Über einen Nachlass spreche ich erst, wenn der Tisch tatsächlich infrage kommt. Man soll nicht feilschen, was man nicht kaufen will.
Die Person erläutert ihre eigene Vorgehensweise. Eine schlichte Frage nach einer Ware wird damit nicht als unredlich bezeichnet.
Grammatik
Soll und will stehen jeweils zu man im Singular. Feilschen und kaufen sind Infinitive. Was leitet den Nebensatz ein und bezeichnet dort als Akkusativobjekt die Sache, die man nicht kaufen möchte. Der Anschluss an feilschen folgt der überlieferten Fassung; eine heutige freie Umschreibung lautet: nicht um etwas feilschen, das man nicht kaufen will.
