Wer alle Tage feiert, der fragt nichts nach dem Sonntag
Form & Grammatik
- Stichwort
- Wer alle Tage feiert, der fragt nichts nach dem Sonntag.
- Form
- Wer-Satz mit einer anschließenden Aussage, die durch der aufgenommen wird.
Gebrauch: Historische Formulierung. Nichts nach etwas fragen bedeutet hier, etwas nicht besonders zu achten; es ist keine echte Frage nach einer Auskunft.
Definition · kurz erklärt
Wer jeden Tag wie einen Feiertag verbringt, achtet den Sonntag nach der Aussage des Spruchs nicht mehr als etwas Besonderes.
Bedeutungen
Den fehlenden Unterschied zwischen Alltag und Feiertag bemerken
Der Sonntag steht im Bild für einen besonderen, freien oder festlichen Tag. Wenn schon jeder Tag so verbracht wird, hebt er sich nicht mehr vom Alltag ab. Nichts nach dem Sonntag fragen bedeutet hier nicht, seinen Namen oder sein Datum zu erfragen. Die ältere Verbindung heißt, ihn nicht besonders zu achten oder sich nichts aus ihm zu machen. Der Spruch nennt das ständige Feiern als Grund für diesen fehlenden Unterschied.
Im Urlaub richten Zoe und ihre Freunde jeden Morgen ein langes gemeinsames Frühstück aus. Als jemand für Sonntag ein besonders gemütliches Frühstück vorschlägt, antwortet Zoe: „Das machen wir doch schon jeden Tag. Wer alle Tage feiert, der fragt nichts nach dem Sonntag.“
Zoe stellt den Vorschlag nicht als unangenehm dar. Sie bemerkt, dass das vorgesehene Sonntagsfrühstück sich von ihren anderen Urlaubstagen nicht unterscheidet.
Ein regelmäßig freier Tag kann weiterhin wichtig sein, auch wenn er nichts Neues bietet. Die zugespitzte Bemerkung beschreibt daher nicht zwingend das Erleben jeder Person.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Es ist nicht alle Tage Sonntag
Der Vergleichsspruch begrenzt die Erwartung, dass angenehme Ausnahmen jeden Tag wiederkehren. Der hier erklärte Spruch setzt dagegen ein dauerndes Feiern voraus und fragt nach dem besonderen Stellenwert des Sonntags. Beide können den Unterschied zwischen Alltag und besonderen Tagen kommentieren.
„Heute fehlen die Annehmlichkeiten von gestern: Es ist nicht alle Tage Sonntag.“ – „Im Urlaub frühstücken wir jeden Morgen so ausgiebig; der Sonntag hebt sich davon nicht mehr ab.“
All Ding ist nur eine Weile schön
All Ding ist nur eine Weile schön nennt eine zeitliche Begrenzung, ohne einen bestimmten Grund für den Wandel festzulegen. Der Sonntagsspruch nennt mit dem ständigen Feiern einen konkreten Zusammenhang. Der Verlust des besonderen Reizes kann in derselben Situation zu beiden Aussagen passen.
„Der Schmuck hat nach einigen Tagen seinen ersten Glanz verloren“ passt zum begrenzten Schönsein. „Weil wir jeden Tag festlich decken, fällt der Sonntag nicht mehr besonders auf“ erläutert den Feiertagsvergleich.
Beispiele und Verwendung
Die Besonderheit eines Anlasses prüfen
„Was soll diesen Tag von unseren anderen gemeinsamen Tagen unterscheiden?“
Die Frage greift den Gegensatz auf, ohne gewöhnliche freie Zeit abzuwerten.
Grammatik
Wer ist das Subjekt zu feiert; der nimmt dieses Subjekt in der anschließenden Aussage zu fragt wieder auf. Beide Verben stehen in der dritten Person Singular. Alle Tage bedeutet jeden Tag und ist eine Zeitangabe im Akkusativ Plural. Nach dem Sonntag enthält einen Dativ Singular. Das Komma trennt den vorangestellten Wer-Satz von der anschließenden Aussage. Nichts nach etwas fragen wird hier in der älteren Bedeutung etwas nicht achten verwendet.
