Meine Wörter

Wer das Licht zu knapp schneuzt, der löscht es

Form & Grammatik

Sprichwort
Stichwort
Wer das Licht zu knapp schneuzt, der löscht es.
Form
Wer-Satz mit anschließendem der-Satz und zwei finiten Verben.

Gebrauch: Historisch überliefert; schneuzen für das Kürzen eines Dochtes ist heute erklärungsbedürftig. Die alte Schreibung bleibt im festen Wortlaut erhalten.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Wer eine an sich sinnvolle Verbesserung zu weit treibt, kann gerade dadurch die Sache beschädigen.

Wörter vergleichen

Bedeutungen

Beim Verbessern das nötige Maß behalten

Schneuzen bedeutet hier, den abgebrannten Teil eines Kerzendochts abzuschneiden. Licht steht für das brennende Kerzenlicht. Wird zu viel vom Docht entfernt, kann die Flamme ausgehen: Aus der Pflege wird eine Beschädigung. Übertragen warnt der Spruch davor, beim Kürzen, Ordnen oder Korrigieren etwas zu beseitigen, das für die Funktion noch gebraucht wird.

Die Bauanleitung sollte übersichtlicher werden. Nach den vielen Kürzungen fehlen jedoch die Maße der Einzelteile: Wer das Licht zu knapp schneuzt, der löscht es.

Die Kürzung hatte einen sinnvollen Zweck. Sie ist im Beispiel zu weit gegangen, weil notwendige Angaben entfernt wurden und die Anleitung nicht mehr zuverlässig hilft.

Nicht jede starke Kürzung ist schon schädlich. Der Spruch passt, wenn sich konkret zeigen lässt, welche nötige Grundlage durch die vermeintliche Verbesserung verloren geht.

Ähnliche Ausdrücke und ihre Unterschiede

Allzu viel ist ungesund

Beide warnen vor einem Übermaß. Das Kerzenbild veranschaulicht besonders anschaulich, wie eine pflegende oder korrigierende Tätigkeit ihren eigenen Zweck zunichtemachen kann. Der allgemeine Maß-Spruch umfasst daneben viele weitere Arten des Zuviels.

Zu viele Unterlagen überladen die Mappe: ein Übermaß. Die Mappe so gründlich auszudünnen, dass wichtige Angaben fehlen, zeigt die misslungene Verbesserung im Kerzenbild.

Eine Tätigkeit übertreiben

Übertreiben kann heißen, ein vernünftiges Maß im Handeln zu überschreiten. Beim Docht geht es um diesen Handlungsgebrauch, nicht um eine übertriebene Erzählung.

Die Kürzung wurde übertrieben beschreibt die Arbeit an der Anleitung. Über ihre Länge übertrieben zu erzählen wäre eine andere Verwendung des Verbs.

Der Raupen wegen muss man den Baum nicht umhacken

Die Aussagen liegen nahe: Beide warnen davor, durch eine Gegenmaßnahme das Brauchbare zu beschädigen. Das Raupenbild zeigt die Zerstörung eines Ganzen wegen einzelner Mängel. Beim Docht wird eine pflegende Tätigkeit so weit getrieben, dass sie ihren eigenen Zweck aufhebt. Dieselbe misslungene Korrektur kann zu beiden Bildern passen.

Ein Heft wegen zweier fehlerhafter Aufgaben wegzuwerfen zeigt das Raupenbild. Eine Anleitung so weit zu kürzen, dass ihre nötigen Angaben fehlen, zeigt das Dochtbild; auch hier wird Brauchbares durch eine überzogene Maßnahme beschädigt.

Beispiele und Verwendung

Vor einer weiteren Kürzung innehalten

Bevor wir noch einen Abschnitt streichen, prüfen wir, ob die Anleitung dann noch benutzbar ist. Wer das Licht zu knapp schneuzt, der löscht es.

Die Frage nach der verbleibenden Funktion macht aus der Mahnung einen überprüfbaren Arbeitsschritt.

Grammatik

Das Licht ist das Akkusativobjekt zu schneuzt. Der nimmt im Hauptsatz die mit wer bezeichnete Person wieder auf; es steht für das Licht und ist Akkusativobjekt zu löscht. Schneuzt ist die historische Schreibform der dritten Person Singular von schneuzen, hier in der Bedeutung den Docht kürzen. Löscht steht ebenfalls in der dritten Person Singular. Zu verstärkt knapp und gehört hier zu keiner Infinitivgruppe. Das Komma trennt den Wer-Satz vom Hauptsatz.