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übertreiben

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
übertreiben
Worttrennung
über·trei·ben
Präsens
übertreibt
Präteritum
übertrieb
Partizip II
übertrieben
Hilfsverb
haben
Trennbarkeit
nicht trennbar

Reflexiver Gebrauch: nicht reflexiv

Ergänzungen: etwas übertreiben; es mit etwas übertreiben; ohne Objekt: jemand übertreibt

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Übertreiben bedeutet, etwas größer, stärker oder bedeutender darzustellen, als es tatsächlich ist. Es kann außerdem heißen, eine Tätigkeit über ein vernünftiges Maß hinaus zu betreiben. Eine übertriebene Darstellung und ein übermäßiges Handeln sind deshalb zu unterscheiden.

Bedeutungen

Eine Darstellung aufbauschen

Wer übertreibt, stellt einen Sachverhalt mit zu großer Stärke oder Bedeutung dar. Das kann bewusst als sprachliche Wirkung geschehen oder eine unzutreffende Darstellung sein. Nicht jede Übertreibung ist eine ernst gemeinte Lüge.

„Die Figur erzählt, der winzige Riss im Karton habe die ganze Lieferung ruiniert, obwohl alle Stücke heil geblieben sind.“

Der Gegensatz zwischen der Erzählung und dem unbeschädigten Inhalt macht die Übertreibung erkennbar. Der Riss selbst wird dadurch nicht bestritten.

Eine Tätigkeit zu weit treiben

Etwas kann an sich sinnvoll sein und dennoch in zu großem Umfang betrieben werden. Übertreiben bewertet dann das Maß des Handelns, nicht bloß die Wortwahl einer Erzählung. Woran das angemessene Maß erkennbar ist, muss der Zusammenhang erklären.

„Bei der Planung übertreibt er es mit den Farbcodes: Selbst für jede einzelne Pause verlangt er eine neue Legende.“

Die unnötige Ausweitung wird an der konkreten Regel beschrieben. Der Satz behauptet nicht, dass jede farbliche Ordnung unvernünftig ist.

Synonyme: andere Wörter für übertreiben

Übertreiben oder aufschneiden?

aufbauschen · übersteigert darstellen · aufschneiden

Aufbauschen passt zur vergrößernden Darstellung. Aufschneiden bezeichnet besonders großsprecherisches Erzählen über eigene Erfolge oder Erlebnisse und ist umgangssprachlich abwertend. Eine übertriebene Warnung ist deshalb nicht automatisch Prahlerei.

„Sie übertreibt die Gefahr“ lässt sich nicht ohne Bedeutungswechsel zu „Sie schneidet auf“ machen.

Die Gefahrendarstellung und die eigene Selbstdarstellung sind unterschiedliche Gegenstände. Das gemeinsame Moment der Übertreibung genügt nicht für jeden Austausch.

Bei einem zu großen Aufwand

zu weit treiben · übermäßig betreiben · das Maß überschreiten

Diese Umschreibungen passen zum Handeln. Dramatisieren passt eher zu einer Darstellung und würde eine übermäßig aufwendige Ordnung nicht vollständig erklären.

„Er übertreibt es mit der Einteilung.“ → „Er treibt die Einteilung über ein sinnvolles Maß hinaus.“

Die zweite Fassung benennt die Bewertung ausdrücklich. Sie müsste durch den beschriebenen Aufwand begründet sein.

Beispiele und Verwendung

Die Darstellungsweise benennen

„Im Märchen übertreibt der Erzähler die Größe des Löffels so stark, dass er damit einen See umrühren lässt.“

Die erkennbare Unmöglichkeit kann eine bewusst fantastische Wirkung erzeugen. Die Analyse muss daraus keinen Täuschungsversuch gegenüber dem Leser machen.

Die beiden Verwendungen trennen

„Sie übertreibt den Aufwand in ihrer Erzählung; bei der Arbeit selbst hat sie es mit den Kontrollen übertrieben.“

Im ersten Teil wird der Aufwand größer dargestellt. Im zweiten werden tatsächlich zu viele oder zu umfangreiche Kontrollen bewertet.

Grammatik und Beugung

Die starken Formen heißen übertreibt – übertrieb – hat übertrieben. Der Konjunktiv II lautet ich übertriebe. Das Verb wird nicht getrennt: sie übertreibt; mit zu heißt es zu übertreiben. Bei die Gefahr übertreiben steht ein Akkusativobjekt. Auch sie übertreibt ohne ausdrückliches Objekt ist möglich. In es mit der Einteilung übertreiben steht es als allgemeines Objekt und mit mit Dativ. Die Partizipform übertrieben kann im Satz auch eine Eigenschaft beschreiben; das ändert die starken Verbformen nicht.

Die Worttrennung lautet über·trei·ben. Die Formen stehen direkt im Text; bei schmalen Bildschirmen kann die jeweilige Tabelle seitlich verschoben werden.

Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichich übertreibeich übertrieb
dudu übertreibstdu übertriebst
er/sie/eser/sie/es übertreibter/sie/es übertrieb
wirwir übertreibenwir übertrieben
ihrihr übertreibtihr übertriebt
siesie übertreibensie übertrieben
Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichich habe übertriebenich hatte übertrieben
dudu hast übertriebendu hattest übertrieben
er/sie/eser/sie/es hat übertriebener/sie/es hatte übertrieben
wirwir haben übertriebenwir hatten übertrieben
ihrihr habt übertriebenihr hattet übertrieben
siesie haben übertriebensie hatten übertrieben
Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichich werde übertreibenich werde übertrieben haben
dudu wirst übertreibendu wirst übertrieben haben
er/sie/eser/sie/es wird übertreibener/sie/es wird übertrieben haben
wirwir werden übertreibenwir werden übertrieben haben
ihrihr werdet übertreibenihr werdet übertrieben haben
siesie werden übertreibensie werden übertrieben haben
Konjunktiv I und Konjunktiv II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichich übertreibeich übertriebe
dudu übertreibestdu übertriebest
er/sie/eser/sie/es übertreibeer/sie/es übertriebe
wirwir übertreibenwir übertrieben
ihrihr übertreibetihr übertriebet
siesie übertreibensie übertrieben
Imperativ
FormVollständige Wortform
duübertreib!
ihrübertreibt!
Sieübertreiben Sie!
Infinite Formen
FormVollständige Wortform
Infinitivübertreiben
Infinitiv Perfektübertrieben haben
zu-Infinitivzu übertreiben
zu-Infinitiv Perfektübertrieben zu haben
Partizip Iübertreibend
Partizip IIübertrieben

Was heißt „man kann alles übertreiben“?

Die feste Redensart kann ein zu großes Maß kritisieren, auch wenn die Tätigkeit grundsätzlich sinnvoll ist. Häufig klingt eine Ermahnung oder ein genervter Einwand mit.

„Man kann alles übertreiben“, sagt sie, als für das kurze Treffen zum vierten Mal ein neuer Sitzplan verlangt wird.

Der wiederholte Planungsaufwand ist hier der Anlass der Kritik. Die Redensart ersetzt keine allgemeingültige Grenze für jede andere Situation.