aufschneiden
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- aufschneiden
- Worttrennung
- auf·schnei·den
- Präsens
- schneidet auf
- Präteritum
- schnitt auf
- Partizip II
- aufgeschnitten
- Hilfsverb
- haben
Aufschneiden bedeutet etwas durch einen Schnitt öffnen oder in Scheiben beziehungsweise Stücke teilen. Übertragen und abwertend heißt es, beim Erzählen großsprecherisch zu übertreiben. Die konkrete Schneidehandlung und die Prahlerei sind getrennte Bedeutungen.
Öffnen, portionieren oder übertreiben
Eine Verpackung aufzuschneiden heißt sie mit einem Schnitt zu öffnen. Brot aufzuschneiden bedeutet dagegen meist, es in Scheiben zu teilen. Der Gegenstand bestimmt, ob eine Öffnung oder eine Portionierung im Vordergrund steht.
Wer beim Erzählen aufschneidet, stellt eigene Leistungen oder Erlebnisse übertrieben groß dar. Diese Verwendung ist umgangssprachlich und kritisch. Sie ist in heutigen Texten weniger neutral als erzählen oder berichten.
Ein außergewöhnlicher Bericht ist nicht schon deshalb Aufschneiderei, weil er überraschend klingt. Die Bewertung braucht Hinweise auf Übertreibung. Auch ein erkennbarer Scherz unterscheidet sich von einer Behauptung, die als wahr geglaubt werden soll. Bei einer Charakterisierung zählen deshalb Widersprüche zwischen Darstellung und beobachtbarem Geschehen.
Passende Synonyme und ihre Grenzen
| Alternative | Passender Gebrauch | Bedeutungsunterschied |
|---|---|---|
| durch einen Schnitt öffnen | Eine Verpackung aufschneiden | Erklärt die konkrete Öffnung; aufreißen wäre eine andere Handlung. |
| in Scheiben schneiden | Einen Laib Brot aufschneiden | Passt zum Portionieren, nicht automatisch zu jeder Verpackung. |
| prahlen | Beim Erzählen über eigene Erfolge aufschneiden | Betont Selbstdarstellung; nicht jede Prahlerei enthält nachweislich falsche Einzelheiten. |
| großsprecherisch übertreiben | Mit erfundenen Heldentaten aufschneiden | Macht die abwertende Bedeutung deutlich und sollte am Inhalt begründet werden. |
Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.
Beispielpaar 1: Eine Öffnung schaffen
Ausgangssatz: Jo schneidet die Papierhülle an der oberen Kante auf.
Alternative: Jo öffnet die Papierhülle mit einem Schnitt an der oberen Kante.
Die Alternative erklärt das Verb ohne den Vorgang zu verändern. Zerreißen würde eine andere Art der Öffnung beschreiben. Die Hülle wird nicht notwendig in viele Stücke geteilt.
Beispielpaar 2: Eine Übertreibung beurteilen
Ausgangssatz: In der erfundenen Szene schneidet Ben auf und behauptet, er habe die ganze Ausstellung allein vorbereitet.
Alternative: In der erfundenen Szene übertreibt Ben großsprecherisch seinen Anteil an der Vorbereitung der Ausstellung.
Die Bewertung passt, wenn die Szene zuvor die Mitarbeit anderer gezeigt hat. Ohne diesen Zusammenhang wäre sie nur eine Unterstellung. Stolz auf den eigenen tatsächlichen Beitrag genügt nicht für den Vorwurf.
Schneidet auf, schnitt auf, hat aufgeschnitten
Aufschneiden ist ein starkes, trennbares Verb. In mehreren Formen erleichtert e die Aussprache: du schneidest auf, du schnittest auf. Das Präteritum hat i und tt.
Konjugation von aufschneiden
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | schneide auf | schnitt auf | schneide auf | schnitte auf |
| du | schneidest auf | schnittest auf / schnittst auf | schneidest auf | schnittest auf |
| er/sie/es | schneidet auf | schnitt auf | schneide auf | schnitte auf |
| wir | schneiden auf | schnitten auf | schneiden auf | schnitten auf |
| ihr | schneidet auf | schnittet auf | schneidet auf | schnittet auf |
| sie/Sie | schneiden auf | schnitten auf | schneiden auf | schnitten auf |
Das Perfekt lautet hat aufgeschnitten. Bei der konkreten Handlung steht ein Akkusativobjekt: die Hülle aufschneiden. Bei der Prahlerei kann das Verb ohne Objekt stehen: „Er hat beim Erzählen aufgeschnitten.“
Aufzuschneiden und aufgeschnitten
Der zu-Infinitiv lautet aufzuschneiden. Das Partizip enthält i statt ei und endet auf -en. Zum übertragenen Gebrauch gehört das Adjektiv aufschneiderisch.
Eine Figur am Text beurteilen
Beschreibe zunächst, welche Leistung die Figur für sich beansprucht. Vergleiche anschließend, was die Handlung tatsächlich zeigt. Angeben kann ebenfalls Prahlerei bezeichnen, hat aber zusätzlich neutrale Bedeutungen wie eine Information nennen. Selbstbewusst ist deshalb kein pauschaler Ersatz für aufschneiderisch. Weitere Wörter stehen im Verbenwörterbuch.
