Beurteilung
Eine Beurteilung ist das Einschätzen einer Person, Leistung oder Sache und das daraus entstehende Urteil. Auch eine schriftliche Darstellung dieses Urteils kann so heißen. Eine Beurteilung sollte erkennen lassen, worauf sie sich stützt.
Vom Prüfen zum Urteil
Das Wort kann zunächst einen Vorgang bezeichnen: „Die Beurteilung der Entwürfe dauert noch an.“ Mehrere Entwürfe werden betrachtet und eingeschätzt. In „Die Beurteilung fällt positiv aus“ ist dagegen das Ergebnis gemeint. Der Zusammenhang zeigt, ob die Prüfung oder das entstandene Urteil im Vordergrund steht.
Eine Beurteilung kann mündlich, schriftlich, kurz oder ausführlich sein. Das Wort allein legt weder eine Schulnote noch ein amtliches Dokument fest. Wer um eine Beurteilung bittet, sollte möglichst sagen, welcher Gesichtspunkt wichtig ist: Verständlichkeit, Genauigkeit, Eignung oder etwa die Wirkung eines Textes.
Bei Personen ist zwischen einer Leistung, einem beobachteten Verhalten und einem umfassenden Charakterurteil zu unterscheiden. „Ihre Erklärung war nachvollziehbar“ beurteilt eine konkrete Erklärung. „Sie ist immer verständnisvoll“ enthält eine viel weiter reichende Behauptung. Eine einzige gelungene Erklärung trägt dieses allgemeine Urteil nicht.
Beurteilung bedeutet nicht automatisch negative Kritik. Das Ergebnis kann günstig, ungünstig oder gemischt sein. Ebenso macht die Bezeichnung ein Urteil nicht schon sachlich oder gut begründet. Dafür müssen Kriterien und Beobachtungen nachvollziehbar zusammenpassen.
Bewertung, Einschätzung oder Beschreibung?
| Wort | Schwerpunkt | Abgrenzung |
|---|---|---|
| Einschätzung | Eine begründete oder vorläufige Sicht auf etwas | Kann stärker die Perspektive und Unsicherheit der urteilenden Person hervorheben. |
| Bewertung | Qualität, Wert oder Leistung einordnen | Kann eine Skala oder Note einschließen, muss es aber nicht. |
| Begutachtung | Eine Sache näher prüfen | Betont häufig den fachlichen Prüfprozess; nicht jede kurze Beurteilung ist ein Gutachten. |
| Beschreibung | Merkmale und Beobachtungen wiedergeben | Kann ohne abschließendes Werturteil auskommen. |
| Verurteilung | Etwas entschieden ablehnen oder ein gerichtliches Urteil ausdrücken | Ist nicht mit einer offenen Beurteilung gleichzusetzen. |
Zwei eigene Satzvergleiche
Ausgangssatz: „Die Beurteilung der Präsentation berücksichtigt Aufbau und Verständlichkeit.“
Zum Vergleich: „Die Bewertung der Präsentation berücksichtigt Aufbau und Verständlichkeit.“
Beide Sätze können denselben Vorgang meinen. Bewertung kann etwas stärker an eine Einordnung der Leistung denken lassen. Eine Zahl oder Note wird aber in keiner Fassung ausdrücklich genannt. Wer diese Information braucht, sollte ergänzen, wie das Ergebnis festgehalten wird.
Ausgangssatz: „Die Beschreibung nennt die kurzen Sätze und die vielen Wiederholungen.“
Zum Vergleich: „Die Beurteilung erklärt, dass die kurzen Sätze verständlich wirken, die Wiederholungen aber den Lesefluss bremsen.“
Die zweite Fassung geht über das Benennen von Merkmalen hinaus. Sie verbindet sie mit einer Wirkung und bewertet diese. Das ist keine beliebige Wortersetzung: Die Aussage wird um eine begründende Deutung erweitert. Ob die Deutung überzeugt, muss am konkreten Text geprüft werden.
Eine hilfreiche Beurteilung formulieren
Ein verständliches Urteil verbindet drei Schritte: Nenne das Kriterium, beschreibe eine passende Beobachtung und erkläre deine Folgerung. „Der Text ist schlecht“ lässt alle drei Punkte offen. Genauer ist: „Der Übergang zum zweiten Argument bleibt unklar, weil die neue Behauptung nicht an das vorherige Beispiel anschließt.“ Daraus lässt sich eine konkrete Verbesserung ableiten.
Erfundene Beispielsituation: In einer Projektgruppe meldet sich ein Schüler selten, erledigt aber seine vereinbarten Aufgaben pünktlich. Die Beurteilung „Er arbeitet nicht mit“ wäre zu pauschal. Treffender ist: „Er beteiligt sich wenig am Gespräch, erfüllt die übernommenen Aufgaben jedoch zuverlässig.“ Das Urteil unterscheidet zwei beobachtete Bereiche, statt die ganze Person mit einem einzigen Etikett zu versehen.
Für eine literarische Charakterisierung gilt dieselbe Trennung zwischen Beobachtung und Schlussfolgerung. Hinzu kommen die konkrete Textstelle und die Erzählperspektive. Eine Figur kann eine andere schlecht beurteilen, ohne dass die Erzählung diese Sicht bestätigt.
Ein Zeugnis kann Beurteilungen enthalten, bezeichnet aber zugleich eine bestimmte Form von Dokument oder Nachweis. Nicht jede spontane Rückmeldung ist deshalb ein Zeugnis. Umgekehrt kann ein Dokument auch Tatsachen bestätigen, ohne eine ausführliche Leistungsbeurteilung vorzunehmen.
Die Beurteilung, die Beurteilungen
Beurteilung ist ein feminines Substantiv. Die Mehrzahl lautet Beurteilungen. In „Beurteilung der Arbeit“ benennt der Genitiv das Beurteilte; in „Beurteilung durch die Jury“ bezeichnet durch die urteilende Instanz.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Beurteilung | die Beurteilungen |
| Genitiv | der Beurteilung | der Beurteilungen |
| Dativ | der Beurteilung | den Beurteilungen |
| Akkusativ | die Beurteilung | die Beurteilungen |
Das Nomen beginnt groß. Das zugehörige Verb heißt beurteilen. Verbindungen wie eine Beurteilung abgeben, zu einer Beurteilung gelangen und nach sorgfältiger Beurteilung zeigen unterschiedliche Satzfunktionen. Zusätze wie vorläufig oder abschließend kennzeichnen den Stand des Urteils und sollten bei einer Zusammenfassung erhalten bleiben.
