Hemd
Form & Grammatik
- Stichwort
- Hemd
- Worttrennung
- Hemd
- Artikel
- das
- Geschlecht
- Neutrum
- Genitiv
- des Hemds / des Hemdes
- Plural
- die Hemden
Gebrauch: Oberhemd, Unterhemd oder historisches langes Kleidungsstück; der Zusammenhang entscheidet. Personenübertragungen wie halbes Hemd sind salopp.
Definition · kurz erklärt
Ein Hemd bedeckt den Oberkörper. Oft ist ein Oberhemd mit Kragen und Knopfleiste gemeint; in einem anderen Zusammenhang bezeichnet das Wort ein Unterhemd. Historische Kleidungsbeschreibungen können wiederum ein langes Gewand meinen. Es heißt das Hemd, des Hemds oder des Hemdes und die Hemden.
Bedeutungen
Ein Oberhemd
Als Oberbekleidung ist ein Hemd meist ein Kleidungsstück aus leichtem Stoff mit Ärmeln, Kragen und einer Knopfleiste an der Vorderseite. Diese Verwendung ist besonders mit Männerkleidung verbunden, schließt Hemden für andere Personen aber nicht aus.
„Für das Gespräch zieht Mara ein helles Hemd an und schließt den obersten Knopf.“
Der Knopf und die übrige Beschreibung sprechen hier für ein Oberhemd. Aus dem Wort allein folgen weder ein bestimmtes Material noch eine bestimmte Ärmellänge.
Ein unter anderer Kleidung getragenes Hemd
Auch ein Unterhemd kann kurz Hemd heißen. Gemeint ist dann ein körpernahes Wäschestück, häufig ohne Ärmel und mit Trägern, das über die Hüften reichen kann.
„Unter dem Pullover trägt Leo ein dünnes Hemd, damit der Stoff nicht direkt auf der Haut liegt.“
Die Lage unter der anderen Kleidung macht hier den Unterwäschegebrauch verständlich. Soll keine Verwechslung entstehen, ist Unterhemd genauer.
Ein langes Kleidungsstück in älteren Zusammenhängen
Besonders in älteren Kleidungsbeschreibungen kann Hemd ein weites, langes Kleidungsstück mit Ärmeln meinen, das über den Kopf gezogen wird.
„Die Beschreibung des Bühnenkostüms nennt ein langes Hemd, das ohne vordere Knopfleiste übergezogen wird.“
Der Beispielsatz beschreibt bewusst einen historischen Schnitt. Er erlaubt keine genaue Datierung und macht ein heutiges Oberhemd nicht automatisch zu einem langen Gewand.
Synonyme: andere Wörter für Hemd
Bei der sichtbaren Kleidung: Oberhemd
Oberhemd · Hemd
Oberhemd grenzt das Kleidungsstück ausdrücklich von einem Unterhemd ab. Hemd lässt diese Unterscheidung zunächst offen.
„Mara trägt ein Hemd mit Kragen.“ → „Mara trägt ein Oberhemd mit Kragen.“
Der zweite Satz präzisiert den Kleidungstyp. Ein Unterhemd würde durch diesen Austausch falsch benannt.
Bei der Wäsche: Unterhemd
Unterhemd · Hemd
Unterhemd benennt die Funktion als untere Kleidungsschicht. Es beschreibt weder zwingend Farbe noch Material.
„Leo trägt ein Hemd unter dem Pullover.“ → „Leo trägt ein Unterhemd unter dem Pullover.“
Die zweite Fassung ist deutlicher, wenn tatsächlich das Wäschestück gemeint ist.
In historischen Texten: Chemise
Chemise · hemdartiges Kleidungsstück
Chemise ist eine historische Kleidungsbezeichnung und kann je nach Zusammenhang ein Hemd oder ein leichtes Unterhemd bezeichnen. Sie ist kein beliebiger Ersatz für jedes moderne Hemd.
„Das Inventar nennt eine Chemise aus Leinen.“ → „Das Inventar nennt ein hemdartiges Kleidungsstück aus Leinen.“
Die Umschreibung erklärt vorsichtig, ohne einen nicht belegten modernen Schnitt hinzuzufügen.
Beispiele und Verwendung
Kragen und Hemd unterscheiden
„Der Kragen des Hemdes liegt unter dem Jackett.“
Der Kragen ist ein Teil des Hemdes. Die beiden Nomen benennen deshalb nicht denselben Gegenstand.
Der Plural nennt mehrere Kleidungsstücke
„Auf der Leine hängen drei frisch gewaschene Hemden.“
Hemden ist hier Nominativ Plural. In an den Hemden fehlen Knöpfe steht dieselbe Wortform im Dativ Plural.
Eine Personenübertragung erkennen
„In der Erzählung wird der schmächtige Junge spöttisch ein halbes Hemd genannt.“
Die saloppe Wendung bewertet eine Person. Sie beschreibt kein halbiertes Kleidungsstück und eignet sich nicht als neutrale Personenbeschreibung.
Grammatik und Beugung
Hemd ist ein sächliches Substantiv. Beide Genitive sind möglich: des Hemds und des Hemdes. Der Plural endet auf -en: Hemden. Im Dativ Plural wird kein weiteres n angehängt. Neben dem heute üblichen Dativ dem Hemd ist dem Hemde belegt; das Dativ-e ist heute selten und wirkt je nach Text älter oder bewusst stilisiert.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | das Hemd | die Hemden |
| Genitiv | des Hemds / des Hemdes | der Hemden |
| Dativ | dem Hemd; selten: dem Hemde | den Hemden |
| Akkusativ | das Hemd | die Hemden |
Schreibweise und Worttrennung
Hemd ist einsilbig und wird nicht getrennt. Der Plural wird Hem·den getrennt. Die Schreibung enthält auch dann ein d, wenn der Auslaut beim Sprechen wie ein t klingt. Das Nomen wird großgeschrieben.
Redewendungen und feste Verbindungen
Das Hemd ist mir näher als der Rock
Die eigenen Interessen sind jemandem wichtiger als die Interessen anderer.
„Sie spendet nur den Rest und sagt offen: ‚Das Hemd ist mir näher als der Rock.‘“
Die Wendung begründet oder kritisiert eigennütziges Verhalten. Die genannten Kleidungsstücke sind ein Bild, keine tatsächliche Kleiderwahl.
Das letzte Hemd hergeben
Jemand würde alles opfern oder abgeben, was er besitzt.
„Für seine Familie würde er sein letztes Hemd hergeben.“
Die umgangssprachliche Übertreibung betont große Hilfsbereitschaft. Sie ist keine genaue Vermögensangabe.
Jemanden bis aufs Hemd ausziehen
Jemandem wird nahezu alles weggenommen, etwa sein Geld oder Besitz.
„Die überhöhten Forderungen haben sie nach eigener Aussage bis aufs Hemd ausgezogen.“
Diese umgangssprachliche Wendung beschreibt eine drastische Ausplünderung. In einem Bericht muss zusätzlich deutlich werden, was tatsächlich geschehen ist.
Nass bis aufs Hemd
Jemand ist vollständig durchnässt.
„Nach dem überraschenden Platzregen kommt Nela nass bis aufs Hemd nach Hause.“
Die Verbindung verstärkt nass und betont die starke Durchnässung. Welche Kleidungsstücke betroffen sind, zeigt der konkrete Zusammenhang.
Halbes Hemd
Salopp kann dies eine schmächtige Person oder einen jugendlichen Gernegroß bezeichnen.
„Die Figur im Roman schimpft: ‚Das halbe Hemd spielt sich hier als Anführer auf.‘“
Die Wendung kann spöttisch oder abwertend wirken. Die Bewertung stammt im Beispiel von der sprechenden Figur; Körperbau und Auftreten sind unterschiedliche mögliche Bezüge.
Wortfamilie und verwandte Wörter
Zusammensetzungen benennen Teile oder Typen: Hemdkragen, Hemdärmel, Oberhemd und Unterhemd. Das Adjektiv hemdsärmelig kann wörtlich das Auftreten ohne Jacke und übertragen eine betont formlose Art beschreiben. Aus der Kleidung allein folgt keine Charaktereigenschaft.
