Zeuge
Form & Grammatik
- Stichwort
- Zeuge
- Worttrennung
- Zeu·ge
- Artikel
- der
- Geschlecht
- Maskulinum
- Genitiv
- des Zeugen
- Plural
- die Zeugen
Schwache Beugung. Zeugin ist eine feminine Personenbezeichnung, keine Kasusform von Zeuge.
Definition · kurz erklärt
Ein Zeuge ist eine Person, die ein Ereignis selbst wahrgenommen hat und darüber etwas aussagen kann. Im gerichtlichen Zusammenhang bezeichnet das Wort eine Person, deren entsprechende Aussage gehört werden soll. Bildlich können auch erhaltene Gegenstände Zeugen einer vergangenen Zeit sein.
Bedeutungen
Etwas selbst wahrgenommen haben
Ein Zeuge kann aus eigener Anschauung oder Erfahrung von einem Geschehen berichten. Augenzeuge betont dabei das Sehen. Das allgemeinere Zeuge schließt auch andere eigene Wahrnehmungen ein, etwa ein gehörtes Gespräch.
„Er wurde Zeuge des Gesprächs, weil die beiden direkt neben ihm sprachen.“
Sein Wissen beruht auf eigener Wahrnehmung. Daraus folgt noch nicht, dass er jeden Satz richtig verstanden oder behalten hat.
Eine Aussage im Verfahren
In der Rechtssprache ist ein Zeuge eine Person, die über ein selbst wahrgenommenes, für das Verfahren relevantes Geschehen aussagen soll. Die Wortbedeutung ist von der Rolle eines Angeklagten oder einer Prozessvertretung zu unterscheiden.
„Im Bericht wird der Nachbar als Zeuge des beobachteten Vorfalls genannt.“
Benannt wird seine Rolle im beschriebenen Zusammenhang. Welche Regeln im konkreten Verfahren gelten, lässt sich nicht aus der allgemeinen Worterklärung ableiten.
Ein Hinweis auf vergangene Zeiten
Übertragen können Gebäude, Ruinen oder andere erhaltene Dinge Zeugen einer vergangenen Zeit heißen. Das ist ein Bild für ihre Aussagekraft als Spuren oder Überreste, keine menschliche Wahrnehmung.
„Die alten Werkzeuge sind stumme Zeugen der früheren Handwerksarbeit.“
Die Gegenstände sprechen nicht selbst. Ihre Form und ihr Gebrauch können aber helfen, frühere Tätigkeiten zu erschließen.
Synonyme: andere Wörter für Zeuge
Augenzeuge oder Beobachter?
Augenzeuge passt, wenn die eigene visuelle Wahrnehmung wichtig ist. Beobachter kann auch eine allgemein beobachtende Rolle bezeichnen.
Ein Zeuge muss nicht den gesamten Ablauf gesehen haben. Für eine genaue Darstellung sind Zeitraum, Standort und Wahrnehmung wichtiger als ein möglichst eindrucksvoller Titel.
„Er hörte den Streit“ macht ihn möglicherweise zum Zeugen des gehörten Gesprächs. „Er sah den Zusammenstoß“ benennt eine Augenzeugenschaft genauer.
Zeuge oder Beweis?
Ein Beweis soll eine bestimmte Aussage stützen. Zeuge bezeichnet zunächst die Person beziehungsweise bildlich eine erhaltene Spur.
Eine Aussage kann glaubwürdig erscheinen und trotzdem fehlerhaft sein. Die Bezeichnung Zeuge garantiert keine vollständige oder unfehlbare Erinnerung.
„Der Zeuge schildert den Ablauf“ beschreibt eine Aussagequelle. „Der Ablauf ist damit bewiesen“ wäre eine weitergehende Schlussfolgerung, die begründet werden müsste.
Beispiele und Verwendung
„Der Erzähler war Zeuge des Treffens, kennt aber das vorherige Gespräch der Figuren nicht.“
Die Erzählperspektive ist begrenzt. Eigene Anwesenheit bedeutet kein allwissendes Wissen.
„Die Zeugen beschreiben verschiedene Ausschnitte desselben Vorgangs; die Zusammenfassung hält diese Unterschiede fest.“
Unterschiedliche Blickwinkel sollten sichtbar bleiben. Die Mehrzahl bestätigt nicht automatisch jede einzelne Darstellung.
Grammatik und Beugung
Es heißt der Zeuge, des Zeugen und die Zeugen. Die Worttrennung lautet Zeu·ge. Das Hauptlemma wird schwach gebeugt: Nur der Nominativ Singular steht ohne n, die übrigen Formen der Tabelle lauten Zeugen.
Die feminine Personenbezeichnung lautet Zeugin. Sie gehört nicht als Variante in die Kasustabelle des maskulinen Hauptlemmas. Ebenso sind der Familienname Zeuge und eine ältere Form von Zeug nicht die hier erklärte Personenbezeichnung.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Zeuge | die Zeugen |
| Genitiv | des Zeugen | der Zeugen |
| Dativ | dem Zeugen | den Zeugen |
| Akkusativ | den Zeugen | die Zeugen |
Redewendungen und feste Verbindungen
Jemanden zum Zeugen anrufen
Die Verbindung bedeutet, sich zur Bestätigung auf eine Person zu berufen. „Zur Bestätigung des Versprechens ruft die Figur ihre Schwester zum Zeugen an.“ Der Ausdruck kann förmlich oder gehoben wirken. Gemeint ist hier das Sichberufen auf sie; ein Telefonanruf muss nicht stattfinden.
