begeben
Begeben bedeutet reflexiv häufig, sich an einen Ort oder in eine Lage zu bewegen. Gehoben kann es auch verzichten oder geschehen heißen. Ohne sich besitzt begeben außerdem eine Fachbedeutung beim Ausgeben von Wertpapieren.
Sich bewegen, etwas aufgeben oder geschehen
Sich begeben bedeutet oft, sich an einen Ort zu bewegen. Gegenüber gehen oder fahren klingt die Formulierung häufig förmlicher. Das Verb allein legt nicht fest, welches Verkehrsmittel benutzt wird.
Auch der Eintritt in eine Tätigkeit oder Lage kann gemeint sein. Wer sich an eine Aufgabe begibt, beginnt damit. Wer sich in eine schwierige Lage begibt, gerät durch sein Vorgehen hinein. Ein körperlicher Ortswechsel ist dabei nicht immer erforderlich.
Gehoben heißt sich einer Sache begeben, darauf zu verzichten oder sich selbst diese Möglichkeit zu entziehen. Die Ergänzung steht hier im Genitiv. Eine andere gehobene Lesart lautet geschehen: „Es begab sich etwas Unerwartetes.“ Das Ereignis ist dann das, was sich zuträgt.
Im Bankwesen kann begeben ohne sich das Ausgeben von Wertpapieren bezeichnen. Diese Fachverwendung ist vom persönlichen Ortswechsel zu trennen; sie bedeutet nicht, dass jemand zu einem Wertpapier hingeht.
Synonyme: Welches Wort passt?
| Alternative | Geeigneter Zusammenhang | Unterschied |
|---|---|---|
| gehen oder fahren | sich an einen Ort begeben | Einfacher, aber das passende Bewegungsverb muss zum Vorgang passen. |
| beginnen | sich an eine Aufgabe begeben | Betont den Tätigkeitsanfang ohne Ortsbild. |
| verzichten auf | sich einer Möglichkeit begeben | Braucht auf mit Akkusativ statt Genitiv. |
| geschehen | etwas begibt sich | Gehobene Ereignislesart; kein handelndes Ich erforderlich. |
Eigene Beispiele: eine Anweisung vereinfachen
Ausgangssatz: Die Gäste sollen sich in den kleinen Saal begeben.
Alternative: Die Gäste sollen in den kleinen Saal gehen.
Die eigenen Sätze können dieselbe Anweisung ausdrücken. Gehen passt, wenn der Weg zu Fuß gemeint ist. Bei einer Reise über größere Entfernung könnte fahren genauer sein.
Eigene Beispiele: den seltenen Genitiv erklären
Ausgangssatz: Durch die vorschnelle Zusage begab sich Lio einer weiteren Wahlmöglichkeit.
Alternative: Durch die vorschnelle Zusage verzichtete Lio auf eine weitere Wahlmöglichkeit.
Die zweite Fassung ist leichter verständlich. Die erste kann zusätzlich hervorheben, dass Lio sich diese Möglichkeit selbst genommen hat. Beide beschreiben keinen Weg an einen Ort.
Begibt sich, begab sich, hat sich begeben
Begeben ist ein starkes, nicht trennbares Verb. Trotz der häufigen Bewegungsbedeutung steht im Perfekt haben: Sie hat sich dorthin begeben.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | begebe mich | begab mich |
| du | begibst dich | begabst dich |
| er / sie / es | begibt sich | begab sich |
| wir | begeben uns | begaben uns |
| ihr | begebt euch | begabt euch |
| sie / Sie | begeben sich | begaben sich |
Die Tabelle zeigt die reflexive Verwendung. Ohne sich lautet die Fachform beispielsweise Das Unternehmen hat Wertpapiere begeben. Der Imperativ lautet Begib dich …. Mit zu heißt es sich zu begeben.
Begeben und befinden
Begeben beschreibt häufig den Übergang, sich befinden dagegen den Ort oder Zustand: Man begibt sich in den Saal und befindet sich anschließend dort. Die Wörter sind deshalb nicht beliebig austauschbar.
Förmlichkeit gezielt einsetzen
In einer Erzählung kann „Es begab sich“ einen bewusst gehobenen oder altertümlichen Ton erzeugen. In einer kurzen Alltagsnachricht wirkt „Dann geschah etwas“ meist unmittelbarer. Eine Textüberarbeitung sollte diesen Stilunterschied berücksichtigen, statt jedes förmliche Wort automatisch zu ersetzen.
Ein eigener Vergleich lautet: „Sie begibt sich zum Treffpunkt“ beschreibt die Bewegung; „Sie befindet sich am Treffpunkt“ meldet bereits den Aufenthalt. Weitere Verben stehen im Verbenwörterbuch.
