berauschen
berauschen: In einen Rausch versetzen; übertragen: stark begeistern oder emotional überwältigen. Sich berauschen kann auch ein intensives Aufgehen in einer Vorstellung bezeichnen.
In einen Rausch versetzen oder stark begeistern
Berauschen kann wörtlich bedeuten, jemanden in einen Rauschzustand zu versetzen. Reflexiv heißt sich berauschen, einen solchen Zustand bei sich herbeizuführen. Die Beschreibung sagt für sich genommen noch nichts über die genaue Ursache oder das Ausmaß aus.
Daneben steht ein bildlicher Gebrauch: Musik, ein Erfolg oder eine Vorstellung kann jemanden berauschen. Gemeint ist dann ein starkes, mitreißendes Erleben. Die Person kann so von der Wirkung eingenommen sein, dass andere Eindrücke vorübergehend in den Hintergrund treten.
Eine bildhafte Begeisterung ist kein Beleg für den Konsum eines Rauschmittels. Wer „vom Applaus berauscht“ ist, wird als stark vom Erfolg erfasst dargestellt. Der Zusammenhang muss zeigen, ob neben dieser bildlichen Bedeutung tatsächlich eine wörtliche gemeint ist.
Synonyme: Welche Alternative passt?
| Alternative | Passender Zusammenhang | Unterschied |
|---|---|---|
| begeistern | starke Freude und Zustimmung auslösen | Nahe im übertragenen Gebrauch, aber meist weniger rauschhaft. |
| mitreißen | jemanden emotional stark erfassen | Betont die Wirkung und Bewegung des Gefühls. |
| in einen Rausch versetzen | wörtlichen oder bildlichen Zustand benennen | Erklärt den Ausdruck; die Ursache muss ergänzt werden. |
| betäuben | Empfindung oder Wahrnehmung dämpfen | Nicht gleichbedeutend: Das Wort kann gerade eine andere Wirkung hervorheben. |
Wörtlich oder übertragen?
Eigener Beispielsatz: „Der unerwartete Applaus berauscht die junge Musikerin.“
Zum Vergleich: „Der unerwartete Applaus begeistert die junge Musikerin.“
Beide eigenen Sätze beschreiben eine positive Wirkung. Berauscht lässt sie intensiver und überwältigender erscheinen. Daraus folgt weder eine dauerhafte Charaktereigenschaft noch ein tatsächlicher Rauschmittelkonsum.
Eigener Beispielsatz: „Der Redner berauscht sich an seiner Vorstellung von Ruhm.“
Zum Vergleich: „Der Redner freut sich über die Aussicht auf Anerkennung.“
Die zweite Fassung ist zurückhaltender. Die erste kann andeuten, dass die Figur sich stark in ihre Vorstellung hineinsteigert. Ob dies kritisch gemeint ist, zeigen der weitere Text und die Folgen ihres Handelns.
Eine Wirkung am Text zeigen
Erfundene Beispielsituation: Nach einem kleinen Erfolg plant eine Figur sofort einen viel größeren Auftritt und überhört die Rückfragen ihrer Freunde. Eine Analyse könnte erklären, dass der Erfolg sie berauscht: Die Formulierung verbindet ihre Hochstimmung mit dem vorübergehend eingeschränkten Blick für Einwände. Der bloße Erfolg allein würde diese stärkere Deutung noch nicht tragen.
Die zugehörigen Formen unterscheiden Ursache und Erleben: berauschend beschreibt eine Wirkung, berauscht den erfassten Zustand.
Grammatik und Konjugation
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | berausche | berauschte |
| du | berauschst | berauschtest |
| er / sie / es | berauscht | berauschte |
| wir | berauschen | berauschten |
| ihr | berauscht | berauschtet |
| sie / Sie | berauschen | berauschten |
Berauschen ist regelmäßig und nicht trennbar. Das Perfekt lautet hat berauscht beziehungsweise hat sich berauscht. In „sich an einem Erfolg berauschen“ verlangt an den Dativ. Ohne sich steht die betroffene Person im Akkusativ: „Der Erfolg berauscht ihn.“ Weitere Tätigkeitswörter stehen im Verbenwörterbuch.
