nachlesen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- nachlesen
- Worttrennung
- nach·le·sen
- Präsens
- liest nach
- Präteritum
- las nach
- Partizip II
- nachgelesen
- Perfekt
- hat nachgelesen
- Hilfsverb
- haben
- Infinitiv
- nachlesen
- Trennbarkeit
- trennbar: liest nach; nachzulesen
Reflexiver Gebrauch: nicht reflexiv
Gebrauch: Starkes Verb. Textlektüre und landwirtschaftliches Sammeln beziehungsweise Auslesen unterscheiden.
Ergänzungen: etwas nachlesen (Akkusativ); in einem Text nachlesen (in + Dativ)
Definition · kurz erklärt
Nachlesen bedeutet meist, eine Information in einem Text aufzusuchen oder eine Stelle noch einmal zu lesen. Das kann helfen, eine Aussage zu überprüfen. In der Ernte bezeichnet nachlesen dagegen das nachträgliche Sammeln verbliebener Früchte; auch erneutes Auslesen gehört zu diesem anderen Gebrauch.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Eine Information durch Lesen klären
Wer etwas nachliest, wendet sich einem Text zu: einer Anleitung, einem Protokoll, einem Artikel oder einem Buch. Nachlesen kann ein erneutes Lesen sein. Es kann aber auch bedeuten, etwas Gehörtes erstmals schriftlich zu prüfen.
Die Tätigkeit ist noch kein Beweis für die Richtigkeit der gefundenen Aussage. Entscheidend bleiben der genaue Wortlaut und die Verlässlichkeit der Fundstelle.
„Nach der Besprechung las Mira im Protokoll nach, welcher Abgabetermin vereinbart worden war.“
Der Text dient dazu, eine konkrete Frage zu klären. Der Satz behauptet nicht, dass Mira das gesamte Protokoll zuvor schon gelesen hatte.
Bedeutung 2: Verbliebenes Erntegut sammeln oder erneut auslesen
Bei der Ernte kann nachlesen heißen, nach dem ersten Durchgang übrig gebliebene Früchte oder anderes Erntegut aufzunehmen. Ein Beispiel ist das Nachsammeln verbliebener Trauben. Hier bezeichnet lesen kein Entziffern von Schrift.
Daneben kann nachlesen ein erneutes Sortieren oder Auslesen meinen. Ob gesammelt oder aussortiert wird, muss die konkrete Arbeitssituation zeigen.
„Nach dem ersten Erntedurchgang lasen die Helfer die verbliebenen Trauben nach.“
Die Helfer sammeln noch vorhandene Früchte. Das Wort sagt für sich genommen nichts über deren Qualität oder Reife.
Synonyme: andere Wörter für nachlesen
Ein Ersatzwort muss zeigen, ob jemand einen Text liest oder bei der Ernte tätig ist. In einem Lerntext geht es meist um das gezielte Lesen.
Eine Textstelle aufsuchen
nachschlagen · nachsehen · erneut lesen
Nachschlagen betont das gezielte Aufsuchen einer Information. Erneut lesen setzt ausdrücklich voraus, dass die Stelle schon gelesen wurde. Nachsehen ist weiter: Man kann auch im Schrank nachsehen, ohne einen Text zu lesen.
„Sie las die Regel im Handbuch nach.“ → „Sie schlug die Regel im Handbuch nach.“ Beide Sätze beschreiben hier die Informationssuche in einem Text.
Eine Aussage kontrollieren
am Text überprüfen · den Wortlaut prüfen
Überprüfen benennt den Zweck. Nachlesen bezeichnet zunächst die Lektüre. Ob ein Text die fragliche Behauptung bestätigt oder widerlegt, ist damit noch offen.
„Er las das Zitat im Original nach“ lässt sich als „Er überprüfte den Wortlaut am Original“ erklären, wenn gerade diese Genauigkeitsprüfung gemeint ist.
Nach der Ernte weiterarbeiten
nachsammeln · erneut auslesen
Nachsammeln passt zu zurückgebliebenem Erntegut. Auslesen betont dagegen eine Auswahl oder Sortierung. Beide Vorgänge sind auseinanderzuhalten.
„Die Helfer lasen die verbliebenen Trauben nach.“ → „Die Helfer sammelten die verbliebenen Trauben ein.“ Der zweite Satz erklärt den hier gemeinten Erntevorgang.
Beispiele und Verwendung
Eine Fundstelle benennen
„Den genauen Aufbau kannst du im Abschnitt über die Einleitung nachlesen.“
Der Hinweis nennt einen begrenzten Teil. Ein passender Verweis hilft stärker als eine unspezifische Aufforderung, irgendwo weiterzulesen.
Nicht mehr behaupten als geprüft wurde
„Ich habe die Behauptung in zwei Artikeln nachgelesen, aber die ursprüngliche Untersuchung noch nicht geprüft.“
Der Satz trennt das Lesen von Darstellungen und die Prüfung der ursprünglichen Grundlage. Nachgelesen ist nicht automatisch nachgewiesen.
Die andere Bedeutung erkennen
„Während Lena die Ernteregeln nachlas, las ihr Bruder auf dem Feld verbliebene Ähren nach.“
Die Ergänzungen zeigen die beiden Bedeutungen. Das erste nachlesen betrifft einen Text, das zweite das Sammeln.
Grammatik und Beugung
Die Stammformen lauten liest nach – las nach – hat nachgelesen. In der zweiten Person heißt es du liest nach. Für die Vergangenheit sind du lasest nach und du last nach möglich. Der Konjunktiv II lautet etwa ich läse nach.
Das Verb ist trennbar: Sie liest die Erklärung nach. Im Nebensatz steht es zusammen: weil sie die Erklärung nachliest. Der Infinitiv mit zu lautet nachzulesen, der Imperativ lies nach!. Die Worttrennung lautet nach·le·sen.
Die Informationsquelle kann mit in + Dativ stehen: im Buch nachlesen. Was gelesen wird, kann als Akkusativobjekt erscheinen: den Absatz nachlesen. Auch ein Fragesatz ist möglich: nachlesen, wie das Verfahren funktioniert.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | lese nach | las nach |
| du | liest nach | lasest nach / last nach |
| er/sie/es | liest nach | las nach |
| wir | lesen nach | lasen nach |
| ihr | lest nach | last nach |
| sie | lesen nach | lasen nach |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | lese nach | läse nach |
| du | lesest nach | läsest nach |
| er/sie/es | lese nach | läse nach |
| wir | lesen nach | läsen nach |
| ihr | leset nach | läset nach |
| sie | lesen nach | läsen nach |
| Person | Perfekt |
|---|---|
| ich | habe nachgelesen |
| du | hast nachgelesen |
| er/sie/es | hat nachgelesen |
| wir | haben nachgelesen |
| ihr | habt nachgelesen |
| sie | haben nachgelesen |
| Anrede | Imperativ |
|---|---|
| du | lies nach! |
| ihr | lest nach! |
| Sie | lesen Sie nach! |
Etwas schwarz auf weiß nachlesen
Die Verbindung schwarz auf weiß hebt hervor, dass etwas schriftlich festgehalten ist. „Im Protokoll konnte sie den vereinbarten Termin schwarz auf weiß nachlesen.“ Das Bild betont die schriftliche Festlegung; es garantiert nicht, dass jede schriftliche Aussage wahr ist.
Bei einer Textanalyse ist es hilfreich, die genaue Stelle zu nennen und anschließend zu erklären, was sie tatsächlich belegt.
