Meine Wörter

nachsehen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
nachsehen
Worttrennung
nach·se·hen
Präsens
sieht nach
Präteritum
sah nach
Partizip II
nachgesehen
Perfekt
hat nachgesehen
Hilfsverb
haben
Infinitiv
nachsehen
Trennbarkeit
trennbar: sieht nach; nachzusehen

Reflexiver Gebrauch: nicht reflexiv

Gebrauch: Starkes Verb. Blick, Kontrolle und Verzeihen unterscheiden; keine freie Austauschbarkeit der Ergänzungen.

Ergänzungen: etwas nachsehen (Akkusativ); jemandem nachsehen (Dativ); jemandem etwas nachsehen (Dativ + Akkusativ)

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Nachsehen kann heißen, etwas zu überprüfen, einer sich entfernenden Person mit dem Blick zu folgen oder jemandem einen Fehler nicht übelzunehmen. Welche Bedeutung gemeint ist, zeigen die Ergänzungen: im Plan nachsehen, dem Zug nachsehen oder jemandem eine Verspätung nachsehen.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Etwas kontrollieren oder eine Auskunft suchen

Nachsehen kann eine unmittelbare Kontrolle sein: Man sieht nach, ob eine Tür geschlossen ist. Es kann auch um das Aufsuchen einer Angabe in einem Fahrplan oder Verzeichnis gehen. Anders als nachlesen setzt das Verb keinen Text voraus.

„Bevor wir losgingen, sah Nora nach, ob das Küchenfenster geschlossen war.“

Sie kontrolliert einen Zustand. Der Satz berichtet noch nicht, ob das Fenster tatsächlich geschlossen war.

Bedeutung 2: Etwas auf Fehler prüfen

Wer Aufgaben oder einen Entwurf nachsieht, prüft sie auf Fehler beziehungsweise Unstimmigkeiten. Diese Verwendung bezeichnet die Durchsicht. Ob dabei jede Schwierigkeit gefunden oder bereits verbessert wurde, bleibt eine eigene Frage.

„Die Lehrerin sah die Rechnungen nach und markierte zwei fehlerhafte Schritte.“

Die Markierung ist ausdrücklich genannt. Das Nachsehen allein würde noch nicht sagen, wie viele Fehler gefunden wurden.

Bedeutung 3: Mit dem Blick folgen

Man kann einer Person oder einem Gegenstand nachsehen, der sich entfernt. Die Ergänzung steht im Dativ. Das Verb beschreibt hier eine Blickrichtung und kein Nachprüfen von Angaben.

„Am Bahnsteig sah Sam dem abfahrenden Zug noch eine Weile nach.“

Sam folgt dem Zug mit den Augen. Abschiedsschmerz oder Sehnsucht wären mögliche Deutungen, werden durch diesen Satz allein aber nicht belegt.

Bedeutung 4: Einen Fehler nicht übelnehmen

Jemandem etwas nachzusehen bedeutet, einen Fehler oder eine Schwäche nachsichtig zu behandeln. Dabei benennt der Dativ die betroffene Person und der Akkusativ das Verhalten: ihm die Unpünktlichkeit nachsehen.

Nachsicht ist nicht dasselbe wie die Behauptung, das Verhalten sei richtig gewesen. Man kann einen Fehler anerkennen und trotzdem milde darauf reagieren.

„Weil die Umleitung unerwartet war, sah die Kursleiterin ihm die Verspätung nach.“

Die Leiterin nimmt die Verspätung unter diesen Umständen nicht übel. Daraus folgt keine allgemeine Erlaubnis, später beliebig zu spät zu kommen.

Synonyme: andere Wörter für nachsehen

Kontrollieren, hinterherblicken und verzeihen liegen weit auseinander. Deshalb muss ein Ersatzwort jeweils zur konkreten Ergänzung passen.

Eine Sache prüfen

kontrollieren · überprüfen · nachschlagen

Kontrollieren passt zu einer Tür oder einem Bestand. Nachschlagen passt zu einer Information in einem Nachschlagewerk. Eine umfassende Überprüfung kann mehr verlangen als einen kurzen Blick.

„Sie sah im Kalender nach, an welchem Tag der Termin lag.“ → „Sie überprüfte das Datum im Kalender.“ Der Kalenderbezug bleibt erhalten.

Mit den Augen folgen

hinterhersehen · hinterherblicken

Diese Wörter treffen die Blickbewegung. Beobachten ist allgemeiner: Eine Person kann beobachtet werden, ohne dass sie sich entfernt.

„Sie sah dem Boot nach.“ → „Sie blickte dem Boot hinterher.“ Beide Fassungen lassen ihre Gefühle offen.

Nachsichtig reagieren

verzeihen · nicht übelnehmen · nachsichtig behandeln

Nicht übelnehmen passt besonders zu einem begrenzten Verhalten. Verzeihen kann schwerere Verletzungen betreffen. Entschuldigen kann außerdem die Erklärung eines Fehlers meinen und ist nicht in jedem Satz identisch.

„Er sah ihr den missglückten Scherz nach.“ → „Er nahm ihr den missglückten Scherz nicht übel.“ Die Reaktion bleibt dieselbe.

Beispiele und Verwendung

Eine Prüfung vom Ergebnis trennen

„Ich sehe nach, ob noch Papier im Schrank liegt.“

Ob leitet eine offene Frage ein. Die Formulierung sagt nicht bereits, dass Papier vorhanden ist.

Blickrichtung nicht überdeuten

„Die Figur sieht dem Besucher schweigend nach.“

Das Schweigen und der Blick sind beobachtbar. Ob Misstrauen oder Zuneigung dahintersteht, muss eine Charakterisierung mit weiterem Textmaterial begründen.

Zwei Ergänzungen erkennen

„Die Trainerin sah der Anfängerin den Fehler nach.“

Der Anfängerin steht im Dativ, den Fehler im Akkusativ. Die Trainerin blickt hier niemandem hinterher, sondern reagiert nachsichtig.

Grammatik und Beugung

Die Stammformen sind sieht nach – sah nach – hat nachgesehen. In der zweiten Person heißt es du siehst nach. Als Imperativ steht sieh nach!, nicht sehe nach!. Der Konjunktiv II lautet etwa sie sähe nach.

Nachsehen ist trennbar: Ich sehe im Plan nach. Im Nebensatz wird es zusammengeschrieben: weil ich im Plan nachsehe. Der Infinitiv mit zu lautet nachzusehen. Die Worttrennung ist nach·se·hen.

Die Ergänzung verändert die Lesart: dem Zug nachsehen nennt den Gegenstand des Blicks; die Arbeit nachsehen nennt das Geprüfte; jemandem einen Fehler nachsehen verbindet Dativ und Akkusativ. Eine Ergänzung darf daher beim Umformulieren nicht unbemerkt die Rolle wechseln.

Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichsehe nachsah nach
dusiehst nachsahst nach
er/sie/essieht nachsah nach
wirsehen nachsahen nach
ihrseht nachsaht nach
siesehen nachsahen nach
Konjunktiv I und II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichsehe nachsähe nach
dusehest nachsähest nach / sähst nach
er/sie/essehe nachsähe nach
wirsehen nachsähen nach
ihrsehet nachsähet nach / säht nach
siesehen nachsähen nach
Perfekt mit haben
PersonPerfekt
ichhabe nachgesehen
duhast nachgesehen
er/sie/eshat nachgesehen
wirhaben nachgesehen
ihrhabt nachgesehen
siehaben nachgesehen
Aufforderungsformen
AnredeImperativ
dusieh nach!
ihrseht nach!
Siesehen Sie nach!

Das Nachsehen haben

In der festen Wendung das Nachsehen haben wird Nachsehen als Substantiv großgeschrieben. Gemeint ist, benachteiligt zu sein oder gegenüber anderen leer auszugehen. „Die begehrten Plätze waren vergeben; die spät Angemeldeten hatten das Nachsehen.“ Die Betroffenen müssen hier nicht tatsächlich jemandem hinterherschauen.

Die Wendung ist von etwas nachsehen zu unterscheiden: „Sie hat den Termin nachgesehen“ berichtet über eine Kontrolle; „Sie hat das Nachsehen“ über einen Nachteil.