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niederwerfen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
niederwerfen
Worttrennung
nie·der·wer·fen
Präsens
wirft nieder
Präteritum
warf nieder
Partizip II
niedergeworfen
Perfekt
hat niedergeworfen
Hilfsverb
haben
Infinitiv
niederwerfen
Trennbarkeit
trennbar

Reflexiver Gebrauch: sich niederwerfen: eigene Bewegung; andere Bedeutungen mit Objekt

Gebrauch: Besiegen, krankheitsbedingtes Schwächen und seelisches Erschüttern gehoben; Klammerpronomen nur reflexiv.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Niederwerfen heißt unter anderem, sich zu Boden zu werfen oder einen Gegner zu besiegen. Gehobensprachlich kann es auch eine Krankheit oder ein Erlebnis bezeichnen, das jemanden stark schwächt oder erschüttert. Reflexivpronomen und Kontext unterscheiden die Verwendungen.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Sich selbst zu Boden werfen

Wer sich niederwirft, bringt den eigenen Körper mit einer entschiedenen Bewegung zu Boden. Die Formulierung nennt mehr als ein bloßes Stehenbleiben oder Sitzen. Aus welchem Grund die Person das tut, muss der Satz erklären.

Eine Geste der Unterwerfung oder Verehrung ist in bestimmten Szenen möglich, aber nicht in jedem Fall gemeint. Jemand kann sich ebenso zum Schutz auf den Boden werfen. Die Bewegung allein beweist keine bestimmte innere Haltung.

„Als der Ball dicht über sie hinwegflog, warf sie sich auf den Boden nieder.“

Die Szene nennt einen konkreten Anlass für die Bewegung. Verehrung oder Unterwerfung sind nicht gemeint.

Bedeutung 2: Gehoben: einen Gegner überwinden oder einen Aufstand unterdrücken

Im gehobenen, oft historischen Sprachgebrauch kann niederwerfen besiegen bedeuten. Bei einem Aufstand meint es das Unterdrücken oder Niederschlagen. Der Ausdruck legt keinen genauen Ablauf fest und beschreibt nicht automatisch die Rechtmäßigkeit des Handelns.

„Der historische Bericht schildert, wie die Truppen den Aufstand niederwarfen.“

Gemeint ist das gewaltsame Unterdrücken. Der Satz nimmt noch keine Bewertung der beteiligten politischen Forderungen vor.

Bedeutung 3: Gehoben: stark schwächen oder ans Bett fesseln

Eine Krankheit kann jemanden niederwerfen, also so schwächen, dass die Person nicht wie gewohnt tätig sein kann oder das Bett hüten muss. Das ist ein gehobener bildhafter Gebrauch. Eine konkrete medizinische Diagnose folgt daraus nicht.

„Die lange Krankheit hatte ihn niedergeworfen, sodass er seine gewohnten Spaziergänge aussetzen musste.“

Die ausdrücklich genannte Folge zeigt die Schwächung. Weitere Symptome werden nicht behauptet.

Bedeutung 4: Gehoben: seelisch schwer erschüttern

Auch ein Erlebnis oder eine Nachricht kann jemanden niederwerfen. Dann geht es um eine starke seelische Erschütterung, nicht notwendig um einen körperlichen Sturz. Ob und wie lange diese Wirkung anhält, bleibt ohne weitere Angaben offen.

„Die Nachricht vom Scheitern ihres lange vorbereiteten Vorhabens warf sie zunächst völlig nieder.“

Das Beispiel beschreibt eine starke, zeitlich mit zunächst begrenzte Reaktion. Eine dauerhafte Eigenschaft der Person lässt sich daraus nicht ableiten.

niederwerfen: Synonyme und andere Wörter

Bei der eigenen Bewegung

sich zu Boden werfen · sich hinwerfen

Diese Umschreibungen passen zur Körperbewegung. Sich fallen lassen kann passiver oder weniger gezielt wirken. Niederknien bezeichnet eine andere Körperhaltung und ist nicht dasselbe.

„Er warf sich nieder“ → „Er warf sich zu Boden.“ Ein bestimmtes Motiv darf nur ergänzt werden, wenn die Szene es zeigt.

Bei Gegnern und Aufständen

besiegen · überwinden · niederschlagen

Besiegen passt zum Gegner, niederschlagen zu einem Aufstand. Überwinden ist weiter und kann auch eine Schwierigkeit betreffen. Ein beendeter Streit muss nicht durch das Niederwerfen einer Seite beendet worden sein.

„Sie warfen den Aufstand nieder“ → „Sie schlugen den Aufstand nieder.“ „Sie fanden einen Kompromiss“ würde einen anderen Ablauf behaupten.

Bei Krankheit oder Erleben

schwächen · ans Bett fesseln · erschüttern

Das betroffene Gebiet entscheidet: Ans Bett fesseln betrifft eine körperliche Einschränkung, erschüttern häufig eine starke seelische Wirkung. Die Ausdrücke sind nicht für alle Bedeutungen austauschbar.

„Das Erlebnis warf sie nieder“ → „Das Erlebnis erschütterte sie schwer.“ Eine zusätzliche Diagnose wäre durch diese Aussage nicht gedeckt.

Beispiele und Verwendung

„Die Figur wirft sich vor dem Thron nieder; der Erzähler beschreibt die Geste als Unterwerfung.“

Die Deutung ist im Beispiel ausdrücklich einer Erzählinstanz zugeordnet.

„Der Rückschlag hat sie niedergeworfen, doch später fasste sie neuen Mut.“

Der zweite Teil begrenzt die Wirkung zeitlich. Das Verb allein hätte diese spätere Entwicklung nicht enthalten.

„Die Erzählung verwendet niederwerfen für den Sieg über den Gegner, nicht für einen einzelnen Wurf.“

Der Kampfzusammenhang entscheidet über die übertragene Bedeutung.

Grammatik und Beugung

Niederwerfen ist ein starkes, trennbares Verb: wirft nieder – warf nieder – hat niedergeworfen. Das Perfekt steht mit haben. Die Worttrennung lautet nie·der·wer·fen; mit zu heißt es niederzuwerfen.

Beim eigenen Zu-Boden-Werfen ist das Reflexivpronomen erforderlich: „ich werfe mich nieder“, „sie wirft sich nieder“. Die anderen Bedeutungen nehmen ein Akkusativobjekt: „den Gegner niederwerfen“, „eine Krankheit wirft ihn nieder“. Die eingeklammerten Pronomen der Tabellen gehören ausschließlich zum reflexiven Gebrauch.

Im Hauptsatz wird nieder abgetrennt: „Sie warf sich nieder.“ Im Nebensatz heißt es „weil sie sich niederwarf“. Die Aufforderung lautet wirf dich nieder!, bei mehreren Personen werft euch nieder!. Das e von werfen erscheint im Singularimperativ nicht.

niederwerfen: Indikativ – Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichwerfe (mich) niederwarf (mich) nieder
duwirfst (dich) niederwarfst (dich) nieder
er/sie/eswirft (sich) niederwarf (sich) nieder
wirwerfen (uns) niederwarfen (uns) nieder
ihrwerft (euch) niederwarft (euch) nieder
siewerfen (sich) niederwarfen (sich) nieder
niederwerfen: Indikativ – Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichhabe (mich) niedergeworfenhatte (mich) niedergeworfen
duhast (dich) niedergeworfenhattest (dich) niedergeworfen
er/sie/eshat (sich) niedergeworfenhatte (sich) niedergeworfen
wirhaben (uns) niedergeworfenhatten (uns) niedergeworfen
ihrhabt (euch) niedergeworfenhattet (euch) niedergeworfen
siehaben (sich) niedergeworfenhatten (sich) niedergeworfen
niederwerfen: Indikativ – Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichwerde (mich) niederwerfenwerde (mich) niedergeworfen haben
duwirst (dich) niederwerfenwirst (dich) niedergeworfen haben
er/sie/eswird (sich) niederwerfenwird (sich) niedergeworfen haben
wirwerden (uns) niederwerfenwerden (uns) niedergeworfen haben
ihrwerdet (euch) niederwerfenwerdet (euch) niedergeworfen haben
siewerden (sich) niederwerfenwerden (sich) niedergeworfen haben
niederwerfen: Konjunktiv I – Präsens und Perfekt
PersonPräsensPerfekt
ichwerfe (mich) niederhabe (mich) niedergeworfen
duwerfest (dich) niederhabest (dich) niedergeworfen
er/sie/eswerfe (sich) niederhabe (sich) niedergeworfen
wirwerfen (uns) niederhaben (uns) niedergeworfen
ihrwerfet (euch) niederhabet (euch) niedergeworfen
siewerfen (sich) niederhaben (sich) niedergeworfen
niederwerfen: Konjunktiv I – Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichwerde (mich) niederwerfenwerde (mich) niedergeworfen haben
duwerdest (dich) niederwerfenwerdest (dich) niedergeworfen haben
er/sie/eswerde (sich) niederwerfenwerde (sich) niedergeworfen haben
wirwerden (uns) niederwerfenwerden (uns) niedergeworfen haben
ihrwerdet (euch) niederwerfenwerdet (euch) niedergeworfen haben
siewerden (sich) niederwerfenwerden (sich) niedergeworfen haben
niederwerfen: Konjunktiv II – Präteritum und Plusquamperfekt
PersonPräteritumPlusquamperfekt
ichwürfe (mich) niederhätte (mich) niedergeworfen
duwürfest (dich) nieder, würfst (dich) niederhättest (dich) niedergeworfen
er/sie/eswürfe (sich) niederhätte (sich) niedergeworfen
wirwürfen (uns) niederhätten (uns) niedergeworfen
ihrwürfet (euch) nieder, würft (euch) niederhättet (euch) niedergeworfen
siewürfen (sich) niederhätten (sich) niedergeworfen
niederwerfen: Konjunktiv II – Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichwürde (mich) niederwerfenwürde (mich) niedergeworfen haben
duwürdest (dich) niederwerfenwürdest (dich) niedergeworfen haben
er/sie/eswürde (sich) niederwerfenwürde (sich) niedergeworfen haben
wirwürden (uns) niederwerfenwürden (uns) niedergeworfen haben
ihrwürdet (euch) niederwerfenwürdet (euch) niedergeworfen haben
siewürden (sich) niederwerfenwürden (sich) niedergeworfen haben
niederwerfen: Aufforderungen
PersonForm
2. Person Singular [du]wirf (dich) nieder!
2. Person Plural [ihr]werft (euch) nieder!
niederwerfen: unbestimmte Formen
FormWortform
Infinitiv mit zuniederzuwerfen
Partizip Iniederwerfend
Partizip IIniedergeworfen

Bewegung und Bewertung unterscheiden

Für eine Charakterisierung sollte die Körperbewegung zunächst genau beschrieben werden. Erst der Zusammenhang zeigt, ob sich darin Furcht, Verehrung, Unterwerfung oder eine Schutzreaktion ausdrückt. Eine einzige Geste trägt kein vollständiges Urteil über die Figur.