rauben
Form & Grammatik
- Stichwort
- rauben
- Worttrennung
- rau·ben
- Präsens
- raubt
- Präteritum
- raubte
- Partizip II
- geraubt
- Perfekt
- hat geraubt
- Hilfsverb
- haben
- Infinitiv
- rauben; mit zu: zu rauben
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
Reflexiver Gebrauch: nicht fest reflexiv; jemandem etwas rauben hat Dativ und Akkusativ
Gebrauch: Widerrechtliche gewaltsame Aneignung, Beuteforttragen und gehobenes Um-etwas-Bringen unterscheiden. Einen Kuss rauben ist eine gehobene, oft scherzhafte Formulierung für einen Kuss gegen den Willen der betroffenen Person.
Ergänzungen: jemandem etwas rauben (Dativ + Akkusativ); etwas oder jemanden rauben (Akkusativ); ohne genanntes Objekt bei verbundenen Tätigkeiten möglich
Definition · kurz erklärt
Rauben bedeutet, fremdes Eigentum widerrechtlich mit Gewalt oder unter deren Androhung an sich zu bringen. Bei einem Tier kann es das Forttragen einer Beute bezeichnen. Gehoben kann außerdem etwas einem Menschen die Ruhe, den Schlaf oder eine andere wichtige Möglichkeit nehmen.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Etwas widerrechtlich an sich bringen
Im Grundsinn wird fremdes Eigentum unter Anwendung oder Androhung von Gewalt in den eigenen Besitz gebracht. Eine Dativperson kann nennen, wem etwas genommen wird. Bei einem Menschen als Objekt kann rauben auch entführen bedeuten. Die Worterklärung ersetzt keine rechtliche Beurteilung eines Einzelfalls.
„Im erfundenen Kriminalstück raubt die bewaffnete Figur den Reisenden ihre Wertsachen.“
Die Reisenden sind die Betroffenen im Dativ, ihre Wertsachen das Akkusativobjekt. Der Erzählzusammenhang macht den Zwang deutlich.
Bedeutung 2: Als Beute forttragen
Bei einem Tier kann rauben das Forttragen eines Beutetiers bezeichnen. Eine menschliche Eigentumsordnung ist dann nicht derselbe sprachliche Bezugspunkt wie beim Rauben von Wertsachen. Der Zusammenhang betrifft die Jagd oder das Beuteverhalten.
„In der Naturerzählung raubte der Greifvogel ein junges Kaninchen und trug es davon.“
Der Vogel trägt seine Beute fort. Das Beispiel ist keine Aussage über ein menschliches Strafverfahren.
Bedeutung 3: Jemanden um etwas bringen
Gehoben kann ein Geschehen jemandem etwas nehmen, etwa Ruhe, Schlaf oder Atem. Die betroffene Person steht im Dativ. Eine Sache kann also rauben, ohne wie ein Mensch mit Absicht zu handeln.
„Das unablässige Klappern raubte ihr in dieser Nacht den Schlaf.“
Das Klappern hindert sie am Schlafen. Der Satz beschreibt eine Wirkung und keine handelnde Diebin.
rauben: Synonyme und andere Wörter
Rauben oder stehlen
stehlen · entwenden · wegnehmen
Stehlen und entwenden benennen unerlaubtes Wegnehmen, ohne dieselbe Gewaltkomponente ausdrücklich vorauszusetzen. Rauben kann deshalb einen stärkeren oder anderen Vorgang bezeichnen. Wegnehmen allein lässt sogar die Berechtigung offen.
„Die Figur raubt den Reisenden ihre Wertsachen.“ → „Die Figur nimmt den Reisenden ihre Wertsachen weg.“
Die zweite Fassung benennt die Wegnahme, sagt aber weniger ausdrücklich, dass sie widerrechtlich und unter Zwang geschieht.
Beim gehobenen Verlust
nehmen · um etwas bringen
Nehmen ist eine nahe allgemeinere Umschreibung. Jemanden um etwas bringen hat einen anderen Satzbau: Die betroffene Person wird Akkusativobjekt. Die veränderte Konstruktion muss mitgelesen werden.
„Das Klappern raubt ihr den Schlaf.“ → „Das Klappern bringt sie um den Schlaf.“
Ihr ist im ersten Satz Dativ, sie im zweiten Akkusativ. Die schlafstörende Wirkung bleibt hier nahe.
Beispiele und Verwendung
Sachliches Subjekt erkennen
„Die unerwartete Entwicklung raubte ihm jede Hoffnung auf einen ruhigen Abend.“
Die Entwicklung ist das Subjekt, ihm Dativ und jede Hoffnung Akkusativ. Eine bewusste Absicht wird der Entwicklung nicht zugeschrieben.
Nicht jedes Nehmen ist Rauben
„Sie nimmt die Requisiten aus der Kiste.“
Dieser Satz sagt nichts über fehlende Erlaubnis oder Gewalt. Ihn ohne weitere Belege zu Sie raubt die Requisiten zu verstärken würde die Aussage verändern.
Grammatik und Beugung
Rauben wird schwach gebeugt: raubt, raubte, hat geraubt. Es ist nicht trennbar; der zu-Infinitiv lautet zu rauben.
Das Geraubte steht im Akkusativ, die Person, der etwas geraubt wird, kann im Dativ stehen. Ein festes Reflexivpronomen gehört nicht dazu.
Ohne ausdrücklich genanntes Objekt kann rauben bei verbundenen Tätigkeiten vorkommen, etwa rauben und plündern. Der Kontext trägt dann die ausgelassene Sache.
Ein sachliches Subjekt ist beim gehobenen Um-etwas-Bringen möglich. Die Dativperson und das Akkusativobjekt bleiben dabei als Rollen unterscheidbar.
| Person | Form |
|---|---|
| ich | raube |
| du | raubst |
| er/sie/es | raubt |
| wir | rauben |
| ihr | raubt |
| sie | rauben |
| Person | Form |
|---|---|
| ich | raubte |
| du | raubtest |
| er/sie/es | raubte |
| wir | raubten |
| ihr | raubtet |
| sie | raubten |
| Person | Form |
|---|---|
| ich | habe geraubt |
| du | hast geraubt |
| er/sie/es | hat geraubt |
| wir | haben geraubt |
| ihr | habt geraubt |
| sie | haben geraubt |
| Person | Form |
|---|---|
| ich | hatte geraubt |
| du | hattest geraubt |
| er/sie/es | hatte geraubt |
| wir | hatten geraubt |
| ihr | hattet geraubt |
| sie | hatten geraubt |
| Person | Form |
|---|---|
| ich | werde rauben |
| du | wirst rauben |
| er/sie/es | wird rauben |
| wir | werden rauben |
| ihr | werdet rauben |
| sie | werden rauben |
| Person | Form |
|---|---|
| ich | werde geraubt haben |
| du | wirst geraubt haben |
| er/sie/es | wird geraubt haben |
| wir | werden geraubt haben |
| ihr | werdet geraubt haben |
| sie | werden geraubt haben |
| Person | Form |
|---|---|
| ich | raube |
| du | raubest |
| er/sie/es | raube |
| wir | rauben |
| ihr | raubet |
| sie | rauben |
| Person | Form |
|---|---|
| ich | habe geraubt |
| du | habest geraubt |
| er/sie/es | habe geraubt |
| wir | haben geraubt |
| ihr | habet geraubt |
| sie | haben geraubt |
| Person | Form |
|---|---|
| ich | werde rauben |
| du | werdest rauben |
| er/sie/es | werde rauben |
| wir | werden rauben |
| ihr | werdet rauben |
| sie | werden rauben |
| Person | Form |
|---|---|
| ich | werde geraubt haben |
| du | werdest geraubt haben |
| er/sie/es | werde geraubt haben |
| wir | werden geraubt haben |
| ihr | werdet geraubt haben |
| sie | werden geraubt haben |
| Person | Form |
|---|---|
| ich | raubte |
| du | raubtest |
| er/sie/es | raubte |
| wir | raubten |
| ihr | raubtet |
| sie | raubten |
| Person | Form |
|---|---|
| ich | hätte geraubt |
| du | hättest geraubt |
| er/sie/es | hätte geraubt |
| wir | hätten geraubt |
| ihr | hättet geraubt |
| sie | hätten geraubt |
| Person | Form |
|---|---|
| ich | würde rauben |
| du | würdest rauben |
| er/sie/es | würde rauben |
| wir | würden rauben |
| ihr | würdet rauben |
| sie | würden rauben |
| Person | Form |
|---|---|
| ich | würde geraubt haben |
| du | würdest geraubt haben |
| er/sie/es | würde geraubt haben |
| wir | würden geraubt haben |
| ihr | würdet geraubt haben |
| sie | würden geraubt haben |
| Person | Form |
|---|---|
| 2. Person Singular [du] | raub, raube! |
| 2. Person Plural [ihr] | raubt! |
| Form | Schreibung |
|---|---|
| Infinitiv mit zu | zu rauben |
| Partizip I | raubend |
| Partizip II | geraubt |
Feste Verbindungen
Jemandem den Schlaf rauben
Bewirken, dass jemand nicht oder kaum schlafen kann.
„Die Sorge vor dem ersten Auftritt raubte ihr in dieser Nacht den Schlaf.“
Feste Verbindung; beschreibt eine Wirkung auf den Schlaf. Art und Dauer einer gesundheitlichen Störung sind damit nicht bestimmt.
Jemandem einen Kuss rauben
Jemanden gegen dessen Willen küssen.
„Der ältere Roman nennt den unerbetenen Kuss im bewusst erfundenen Beispiel einen geraubten Kuss.“
Gehoben und oft scherzhaft formuliert. Die scherzhafte Bezeichnung setzt die Zustimmung der betroffenen Person nicht voraus.
