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stehlen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
stehlen
Worttrennung
steh·len
Präsens
er stiehlt
Präteritum
er stahl
Partizip II
gestohlen
Hilfsverb
haben

KonjunktivII stähle; stöhle ist seltener.

Reflexiver Gebrauch: sich stehlen beim unbemerkten Weggehen oder Erscheinen

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Stehlen bedeutet, etwas Fremdes ohne Erlaubnis unbemerkt an sich zu nehmen. Übertragen kann jemand Zeit, Schlaf oder eine fremde Idee stehlen. Sich stehlen bezeichnet ein unauffälliges Weggehen oder Hineingelangen.

Bedeutungen

Fremdes unerlaubt an sich nehmen

Wer stiehlt, nimmt etwas, das ihm nicht gehört, ohne Zustimmung an sich. Das Verb kann mit einem Gegenstand stehen oder allgemein das Verhalten benennen. Eine genaue rechtliche Einordnung eines Einzelfalls ist damit noch nicht geleistet.

„Im Roman stiehlt der Junge eine silberne Dose aus dem Schrank.“

Die Dose wird unerlaubt genommen. Ob und wie die Handlung entdeckt wird, sagt der Satz nicht.

Übertragen: Zeit oder Schlaf nehmen

Jemandem Zeit oder Schlaf stehlen heißt, ihn darum zu bringen. Es wird kein Gegenstand weggetragen. Die Formulierung kann eine Störung oder Belastung anschaulich ausdrücken.

„Die endlosen Rückfragen haben ihr den ganzen freien Nachmittag gestohlen.“

Die Rückfragen beanspruchen die Zeit. Stehlen ist hier eine bildliche Bewertung der Belastung.

Sich etwas Zeit verschaffen

Sich Zeit stehlen kann bedeuten, für etwas einen kleinen Zeitraum zu finden, obwohl man eigentlich beschäftigt ist. Das Reflexivpronomen steht dabei im Dativ.

„Zwischen zwei Proben stahl sie sich eine halbe Stunde zum Lesen.“

Sie nimmt sich trotz ihrer Verpflichtungen etwas Zeit. Sie entwendet keinen messbaren Gegenstand.

Eine fremde Idee übernehmen

Umgangssprachlich kann stehlen die unerlaubte Übernahme eines fremden Motivs, Einfalls oder Werks bezeichnen. Ein solcher Vorwurf braucht Belege; Ähnlichkeit allein erklärt den Vorgang noch nicht.

„Der Kritiker wirft dem Erzähler vor, das Handlungsmotiv aus einer anderen Geschichte gestohlen zu haben.“

Wiedergegeben wird ein Vorwurf. Die Formulierung beweist nicht selbst, dass tatsächlich eine unerlaubte Übernahme vorliegt.

Sich unbemerkt fortbewegen

Sich stehlen bezeichnet ein heimliches oder unauffälliges Weggehen beziehungsweise Hineingelangen. Eine Richtungsangabe nennt das Ziel oder den verlassenen Ort.

„Nach dem letzten Lied stahl sie sich leise aus dem Saal.“

Sie verlässt den Raum möglichst unbemerkt. Von einem Diebstahl ist nicht die Rede.

Gehoben: unauffällig erscheinen

Bildlich kann sich etwas auf ein Gesicht oder in eine Stimmung stehlen. Das Erscheinen wird als leise und beinahe unmerklich dargestellt.

„Ein vorsichtiges Lächeln stahl sich auf das Gesicht der Erzählerin.“

Das Lächeln erscheint allmählich. Die Person wird nicht als Täterin eines Diebstahls beschrieben.

stehlen: Synonyme und andere Wörter

Beim unerlaubten Wegnehmen

entwenden · unerlaubt an sich nehmen · klauen

Entwenden klingt förmlicher, klauen ist umgangssprachlich. Nehmen allein lässt die fehlende Erlaubnis offen. Rauben kann einen anderen, gewaltsamen Vorgang nahelegen und ist nicht beliebig austauschbar.

„Sie nimmt die Dose“ sagt nichts Sicheres über die Erlaubnis; „Sie stiehlt die Dose“ benennt gerade das unerlaubte Nehmen.

Beim unbemerkten Weggehen

sich schleichen · unauffällig verschwinden

Die Umschreibungen passen zur reflexiven Bewegungslesart. Das einfache entwenden könnte sie nicht ersetzen, weil dabei wieder etwas weggenommen würde.

„Er stiehlt sich hinaus“ lässt sich durch „Er schleicht unbemerkt hinaus“ erklären, nicht durch „Er entwendet hinaus“.

Beispiele und Verwendung

„Der Verdacht lautet, dass jemand die Unterlagen gestohlen hat.“

Verdacht und festgestellte Tat sind zu unterscheiden. Die Formulierung nennt hier zunächst eine Annahme.

„Der Lärm stiehlt ihm den Schlaf.“

Der Lärm verhindert die Ruhe. Ihm steht im Dativ; den Schlaf ist das Akkusativobjekt.

Grammatik und Beugung

Die starken Formen lauten stiehlt – stahl – hat gestohlen. Im Präsens heißt es du stiehlst, im Imperativ stiehl. Der KonjunktivII wird mit stähle gebildet; die seltenere ö-Reihe wird hier nicht in der Tabelle gezeigt.

In jemandem etwas stehlen steht die betroffene Person im Dativ und der entwendete Gegenstand im Akkusativ. In sich Zeit stehlen steht mir beziehungsweise sich ebenfalls im Dativ. Bei sich aus dem Saal stehlen gehört dagegen ein Akkusativpronomen zum reflexiven Verb: ich stehle mich hinaus.

Auch die reflexive Bewegungslesart bildet das Perfekt mit haben: Sie hat sich aus dem Saal gestohlen. Die Worttrennung ist steh·len.

stehlen: Indikativ: Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichstehlestahl
dustiehlststahlst
er/sie/esstiehltstahl
wirstehlenstahlen
ihrstehltstahlt
siestehlenstahlen
stehlen: Indikativ: Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichhabe gestohlenhatte gestohlen
duhast gestohlenhattest gestohlen
er/sie/eshat gestohlenhatte gestohlen
wirhaben gestohlenhatten gestohlen
ihrhabt gestohlenhattet gestohlen
siehaben gestohlenhatten gestohlen
stehlen: Indikativ: Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichwerde stehlenwerde gestohlen haben
duwirst stehlenwirst gestohlen haben
er/sie/eswird stehlenwird gestohlen haben
wirwerden stehlenwerden gestohlen haben
ihrwerdet stehlenwerdet gestohlen haben
siewerden stehlenwerden gestohlen haben
stehlen: Konjunktiv: einfache Formen
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichstehlestähle
dustehleststählest
er/sie/esstehlestähle
wirstehlenstählen
ihrstehletstählet
siestehlenstählen
stehlen: Konjunktiv: Vergangenheit
PersonKonjunktiv I: PerfektKonjunktiv II: Vergangenheit
ichhabe gestohlenhätte gestohlen
duhabest gestohlenhättest gestohlen
er/sie/eshabe gestohlenhätte gestohlen
wirhaben gestohlenhätten gestohlen
ihrhabet gestohlenhättet gestohlen
siehaben gestohlenhätten gestohlen
stehlen: Imperativ
AnredeImperativ
dustiehl!
ihrstehlt!
Siestehlen Sie!

Redewendungen und feste Verbindungen

Jemandem gestohlen bleiben können

Die umgangssprachliche Wendung drückt aus, dass man von jemandem oder etwas nichts mehr wissen möchte.

„Nach dieser Täuschung kann mir sein Angebot gestohlen bleiben.“

Die sprechende Person lehnt das Angebot entschieden ab. Sie fordert keinen Diebstahl.

Woher nehmen und nicht stehlen?

Die Frage bringt zum Ausdruck, dass etwas Benötigtes nicht vorhanden oder nicht leicht zu beschaffen ist.

„Noch zehn Mitwirkende bis morgen? Woher nehmen und nicht stehlen?“

Die Figur betont die Schwierigkeit, zusätzliche Personen zu finden. Die feste Frage ist keine Aufforderung zu einer Straftat.