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schaffen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
schaffen
Worttrennung
schaf·fen
Präsens
schafft
Präteritum
schuf (hervorbringen); schaffte (bewältigen/arbeiten)
Partizip II
geschaffen; geschafft nach Bedeutung
Perfekt
hat geschaffen; hat geschafft
Hilfsverb
haben
Infinitiv
schaffen
Trennbarkeit
nicht trennbar
Kasus
etwas (Akkusativ) schaffen

Schöpferisches Hervorbringen stark; Bewältigen/Arbeiten schwach. Zustande-Bringen auch schwach, Partizip geschafft dafür seltener. Arbeiten besonders süddeutsch, Transport landschaftlich umgangssprachlich.

Reflexiver Gebrauch: sich (Akkusativ) müde schaffen; sich (Dativ) Bewegung schaffen

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Schaffen kann schöpferisches Hervorbringen oder das Bewältigen einer Aufgabe bedeuten. Die Formen unterscheiden sich: Ein Werk hat man geschaffen; eine Aufgabe hat man geschafft. Bei Verbindungen wie Platz schaffen sind auch Überschneidungen belegt. Weitere Bedeutungen sind regionales Arbeiten, Transportieren und umgangssprachliches Erschöpfen.

Bedeutungen

1 Etwas schöpferisch hervorbringen

Wer ein Werk schafft, lässt es durch Gestaltung oder schöpferische Arbeit neu entstehen. Das starke Verb hat die Formen schuf und geschaffen.

„Die Künstlerin hat für die Ausstellung eine neue Skulptur geschaffen.“

Die Skulptur ist das Ergebnis der Gestaltung. Wie lange die Arbeit dauerte und ob sie Anerkennung findet, sagt das Verb allein nicht.

2 Etwas entstehen lassen oder zustande bringen

Schaffen kann auch Voraussetzungen, Platz, Abhilfe oder eine Wirkung zustande bringen. In dieser allgemeineren Bedeutung sind starke und schwache Formen möglich; geschaffen ist beim Partizip gewöhnlicher, geschafft dort seltener.

„Durch das Umstellen der Tische hat die Gruppe Platz für die Lesung geschaffen.“

Es geht um neu verfügbaren Raum. Die Gruppe muss deshalb keinen neuen Raum gebaut oder ein Kunstwerk hervorgebracht haben.

3 Eine Aufgabe bewältigen oder ein Ziel erreichen

Das schwache schaffen bedeutet, eine Aufgabe erfolgreich zu erledigen oder ein Ziel zu erreichen. Umgangssprachlich kann auch das rechtzeitige Erreichen eines Zugs gemeint sein.

„Mit gemeinsamer Hilfe hat die Gruppe den Aufbau geschafft.“

Der Aufbau ist gelungen. Aus dem Erfolg folgt nicht, dass die Beteiligten ohne Anstrengung oder Unterstützung gearbeitet hätten.

4 Umgangssprachlich: sehr anstrengen

Etwas kann jemanden schaffen, wenn es ihn stark erschöpft oder mitnimmt. Diese Bedeutung gehört zum schwachen Verb und ist umgangssprachlich.

„Die aufwendige Probe hat die Beteiligten heute geschafft.“

Die Probe wird als anstrengend beschrieben. Eine medizinische Ursache oder eine dauerhafte fehlende Belastbarkeit wird damit nicht festgestellt.

5 Regional: an einen Ort bringen

Landschaftlich umgangssprachlich kann schaffen das Bringen, Tragen oder Befördern einer Sache an einen bestimmten Ort bezeichnen.

„Die Helfer haben die Stühle nach der Lesung in den Nebenraum geschafft.“

Der Ortswechsel steht im Mittelpunkt. Ob sie die Stühle getragen oder auf einem Wagen bewegt haben, bleibt offen.

6 Regional: arbeiten oder sich anstrengen

Besonders im süddeutschen Sprachgebrauch kann schaffen arbeiten heißen, auch in einer beruflichen Tätigkeit. Es kann außerdem ein anstrengendes Sichplagen oder Sichdurcharbeiten bezeichnen.

„Die Figur erzählt, sie habe früher in einer Werkstatt geschafft.“

Der Satz benennt ihre Tätigkeit. Er sagt nicht bloß, dass sie eine einzelne Aufgabe erfolgreich beendet habe. Im Jargon kann sich schaffen auch ein Sichverausgaben meinen.

7 Regional: sich durch Arbeit verändern

Besonders süddeutsch kann man sich müde schaffen oder sich die Hände wund schaffen. Die Arbeit führt dabei in einen genannten Zustand.

„Im regional gefärbten Dialog sagt die Figur, sie habe sich beim Aufräumen müde geschafft.“

Müde beschreibt das Ergebnis der Anstrengung. Das ist keine Behauptung, dass Müdigkeit immer durch Arbeit verursacht würde.

8 Regional: als Material oder Stoff in Veränderung sein

Besonders süddeutsch kann schaffen auch einen Veränderungsprozess eines Materials bezeichnen, etwa das Gären eines Teigs oder das Sichverziehen von Holz.

„Der historische Handwerksbericht erwähnt, dass das Holz noch schafft.“

Das Holz verändert sich. Es handelt sich nicht um eine Person, die einer Beschäftigung nachgeht; welche Veränderung gemeint ist, muss das Material und der Kontext klären.

9 Seemannssprache: essen

Im seemännischen Wortschatz ist schaffen auch für essen belegt. Diese besondere Lesart gehört zum schwachen Verb.

„In der seemännisch gefärbten Erzählung geht die Mannschaft zum Schaffen.“

Hier ist die Mahlzeit gemeint. Ohne den ausdrücklich seemännischen Zusammenhang würde man bei Schaffen eher an Arbeit oder Gestaltung denken.

schaffen: Synonyme und andere Wörter

Schaffen oder hervorbringen?

Hervorbringen kann ein Entstehenlassen nennen, aber auch das Äußern von Lauten oder das Sichtbarmachen eines vorhandenen Gegenstands. Schaffen passt besonders zur schöpferischen Leistung.

Nicht jeder hervorgeholte Gegenstand wird neu geschaffen. Die Ausgangslage sollte beim Ersetzen erhalten bleiben.

„Sie schafft eine neue Figur“ beschreibt Gestaltung. „Sie holt die Figur hervor“ kann dagegen einen schon vorhandenen Gegenstand sichtbar machen.

Schaffen oder bewältigen?

Bewältigen hebt stärker hervor, dass eine Aufgabe oder Situation Anforderungen stellt. Schaffen ist in der Erfolgsbedeutung oft die einfachere alltägliche Formulierung.

Beide Verben beweisen nicht, dass eine Person allein oder mühelos gehandelt hat. Ein bloßer Plan ist außerdem noch kein Erfolg.

„Wir haben den Aufbau geschafft.“ – „Wir haben den Aufbau bewältigt.“ Der Erfolg bleibt, der zweite Satz gewichtet die Anforderung stärker.

Geschafft oder geschaffen?

Geschafft kann als Adjektiv erschöpft bedeuten; als Verbpartizip gehört es zur schwachen Reihe. Geschaffen ist das Partizip der starken Reihe.

Die Aufgabe ist geschafft bezeichnet ein bewältigtes Ergebnis. Ich bin geschafft beschreibt meist den erschöpften Zustand der Person. Für diese Rolle geschaffen benennt dagegen eine besondere Eignung.

„Die Zeichnung ist geschaffen“ betrifft ihr Entstehen. „Die letzte Aufgabe ist geschafft“ betrifft das gelungene Erledigen.

Beispiele und Verwendung

Erfolg und Erschöpfung getrennt nennen

„Der Aufbau ist geschafft, und die Helfer sind ziemlich geschafft.“

Der erste Teilsatz nennt ein Ergebnis, der zweite einen erschöpften Zustand. Beide Aussagen können gleichzeitig stimmen.

Eine Wirkung nicht automatisch bewerten

„Die neue Ordnung schafft Ruhe, lässt aber weniger Platz für spontane Änderungen.“

Die Wirkung wird konkret benannt und begrenzt. Dass etwas Ruhe schafft, beweist nicht, dass jede Folge der Veränderung günstig ist.

Grammatik und Beugung

Die Worttrennung lautet schaf·fen. Das Verb ist nicht trennbar und bildet sein Perfekt mit haben. Die starke Reihe lautet schafft – schuf – hat geschaffen; der Konjunktiv II heißt schüfe. Die schwache Reihe lautet schafft – schaffte – hat geschafft; ihr Konjunktiv II ist mit dem Präteritum formgleich.

Schöpferisches Hervorbringen verwendet die starke Reihe. Bewältigen, Erschöpfen, regionales Arbeiten und Transportieren verwenden die schwache Reihe. Beim allgemeinen Zustande-Bringen wie Abhilfe, Ordnung oder Platz schaffen sind starke und schwache Formen möglich; geschaffen ist hier das gewöhnlichere, geschafft das seltenere Partizip. Die Tabellen sind daher keine Aufforderung, jede Form beliebig gegeneinander auszutauschen.

Eine geschaffene oder bewältigte Sache steht häufig im Akkusativ. Sich etwas Bewegung schaffen enthält einen Dativ: ich schaffe mir Bewegung. Sich müde schaffen enthält dagegen ein Akkusativpronomen: ich schaffe mich müde. Regionales mit dem Gerät schafft es sich leichter ist eine unpersönliche Konstruktion für die Arbeitsbedingungen, kein eigenes vollständiges Ich-Paradigma.

Starke Reihe: schöpferisch hervorbringen – Indikativ Aktiv
PersonPräsensPräteritumPerfektPlusquamperfektFutur IFutur II
ichich schaffeich schufich habe geschaffenich hatte geschaffenich werde schaffenich werde geschaffen haben
dudu schaffstdu schufstdu hast geschaffendu hattest geschaffendu wirst schaffendu wirst geschaffen haben
er/sie/eser/sie/es schaffter/sie/es schufer/sie/es hat geschaffener/sie/es hatte geschaffener/sie/es wird schaffener/sie/es wird geschaffen haben
wirwir schaffenwir schufenwir haben geschaffenwir hatten geschaffenwir werden schaffenwir werden geschaffen haben
ihrihr schafftihr schuftihr habt geschaffenihr hattet geschaffenihr werdet schaffenihr werdet geschaffen haben
siesie schaffensie schufensie haben geschaffensie hatten geschaffensie werden schaffensie werden geschaffen haben
Starke Reihe: schöpferisch hervorbringen – Konjunktiv I Aktiv
PersonGegenwartVergangenheitFutur IFutur II
ichich schaffeich habe geschaffenich werde schaffenich werde geschaffen haben
dudu schaffestdu habest geschaffendu werdest schaffendu werdest geschaffen haben
er/sie/eser/sie/es schaffeer/sie/es habe geschaffener/sie/es werde schaffener/sie/es werde geschaffen haben
wirwir schaffenwir haben geschaffenwir werden schaffenwir werden geschaffen haben
ihrihr schaffetihr habet geschaffenihr werdet schaffenihr werdet geschaffen haben
siesie schaffensie haben geschaffensie werden schaffensie werden geschaffen haben
Starke Reihe: schöpferisch hervorbringen – Konjunktiv II Aktiv
PersonGegenwartVergangenheitwürde-Formwürde-Form der Vergangenheit
ichich schüfeich hätte geschaffenich würde schaffenich würde geschaffen haben
dudu schüfest / du schüfstdu hättest geschaffendu würdest schaffendu würdest geschaffen haben
er/sie/eser/sie/es schüfeer/sie/es hätte geschaffener/sie/es würde schaffener/sie/es würde geschaffen haben
wirwir schüfenwir hätten geschaffenwir würden schaffenwir würden geschaffen haben
ihrihr schüfet / ihr schüftihr hättet geschaffenihr würdet schaffenihr würdet geschaffen haben
siesie schüfensie hätten geschaffensie würden schaffensie würden geschaffen haben
Schwache Reihe: bewältigen und weitere erläuterte Verwendungen – Indikativ Aktiv
PersonPräsensPräteritumPerfektPlusquamperfektFutur IFutur II
ichich schaffeich schaffteich habe geschafftich hatte geschafftich werde schaffenich werde geschafft haben
dudu schaffstdu schafftestdu hast geschafftdu hattest geschafftdu wirst schaffendu wirst geschafft haben
er/sie/eser/sie/es schaffter/sie/es schaffteer/sie/es hat geschaffter/sie/es hatte geschaffter/sie/es wird schaffener/sie/es wird geschafft haben
wirwir schaffenwir schafftenwir haben geschafftwir hatten geschafftwir werden schaffenwir werden geschafft haben
ihrihr schafftihr schafftetihr habt geschafftihr hattet geschafftihr werdet schaffenihr werdet geschafft haben
siesie schaffensie schafftensie haben geschafftsie hatten geschafftsie werden schaffensie werden geschafft haben
Schwache Reihe: bewältigen und weitere erläuterte Verwendungen – Konjunktiv I Aktiv
PersonGegenwartVergangenheitFutur IFutur II
ichich schaffeich habe geschafftich werde schaffenich werde geschafft haben
dudu schaffestdu habest geschafftdu werdest schaffendu werdest geschafft haben
er/sie/eser/sie/es schaffeer/sie/es habe geschaffter/sie/es werde schaffener/sie/es werde geschafft haben
wirwir schaffenwir haben geschafftwir werden schaffenwir werden geschafft haben
ihrihr schaffetihr habet geschafftihr werdet schaffenihr werdet geschafft haben
siesie schaffensie haben geschafftsie werden schaffensie werden geschafft haben
Schwache Reihe: bewältigen und weitere erläuterte Verwendungen – Konjunktiv II Aktiv
PersonGegenwartVergangenheitwürde-Formwürde-Form der Vergangenheit
ichich schaffteich hätte geschafftich würde schaffenich würde geschafft haben
dudu schafftestdu hättest geschafftdu würdest schaffendu würdest geschafft haben
er/sie/eser/sie/es schaffteer/sie/es hätte geschaffter/sie/es würde schaffener/sie/es würde geschafft haben
wirwir schafftenwir hätten geschafftwir würden schaffenwir würden geschafft haben
ihrihr schafftetihr hättet geschafftihr würdet schaffenihr würdet geschafft haben
siesie schafftensie hätten geschafftsie würden schaffensie würden geschafft haben
Aufforderungen beider Reihen
Formtyp/AnredeForm
duschaff! / schaffe!
ihrschafft!
Sieschaffen Sie!
Infinitive und Partizipien
Formtyp/AnredeForm
Infinitivschaffen
zu-Infinitivzu schaffen
Partizip Ischaffend
starkes Partizip IIgeschaffen
schwaches Partizip IIgeschafft
starker Infinitiv Perfektgeschaffen haben
schwacher Infinitiv Perfektgeschafft haben

Jemandem zu schaffen machen

Die feste Verbindung bedeutet, jemandem große Mühe zu bereiten oder ihn seelisch zu belasten. „Die ungeklärte Situation macht der Figur zu schaffen.“ Das Beispiel beschreibt eine Belastung. Eine bestimmte Erkrankung oder eine Lösung wird dadurch nicht benannt.

Sich an etwas zu schaffen machen

Die Verbindung heißt, an etwas zu hantieren oder irgendeine manuelle Tätigkeit auszuführen. Beim Reflexivpronomen sind Akkusativ und Dativ belegt: ich mache mich daran zu schaffen, auch ich mache mir daran zu schaffen. „Die Figur macht sich an dem alten Schreibtisch zu schaffen.“ Was sie dort tatsächlich verändert und ob sie dazu berechtigt ist, muss die Szene zeigen.

Für etwas wie geschaffen sein

Die Wendung schreibt jemandem oder etwas eine besonders gute Eignung für eine Aufgabe zu. „Die kleine Bühne ist für die Lesung wie geschaffen.“ Die Aussage betrifft diese Verwendung und ist keine unbegrenzte Behauptung über jede denkbare Veranstaltung. Nicht für etwas geschaffen sein kann entsprechend Schwierigkeiten und mangelndes Zurechtkommen hervorheben.

Mit etwas zu schaffen haben

Die Verbindung heißt, mit etwas zu tun zu haben. „Mit dem ursprünglichen Plan hat der neue Entwurf wenig zu schaffen.“ Wenig begrenzt die Gemeinsamkeit. Das Beispiel behauptet weder eine Straftat noch eine heimliche Beteiligung, die aus einem anderen Gesprächskontext hervorgehen könnte.