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scheuen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
scheuen
Worttrennung
scheu·en
Präsens
scheut
Präteritum
scheute
Partizip II
gescheut
Perfekt
hat gescheut
Hilfsverb
haben
Infinitiv
scheuen; sich scheuen
Trennbarkeit
nicht trennbar
Kasus
etwas scheuen: Akkusativ; sich vor etwas scheuen: vor mit Dativ

Das Pferd scheut: Erschrecken mit Fluchtbewegung, nicht notwendig eine andauernde Eigenschaft. Die Form scheuen kann außerdem eine Beugungsform des getrennten Adjektivs scheu sein.

Reflexiver Gebrauch: sich scheuen: Akkusativpronomen; sich vor etwas scheuen, sich scheuen, etwas zu tun

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Scheuen heißt, etwas aus Scheu oder Furcht zu meiden. Mit sich kann es ein Zurückschrecken vor einer Handlung ausdrücken. Besonders bei Pferden bezeichnet das Verb auch eine erschrockene Reaktion mit einer Fluchtbewegung. Der Zusammenhang entscheidet, welche Verwendung gemeint ist.

Bedeutungen

1 Etwas aus Scheu oder Furcht meiden

Wer etwas scheut, versucht es wegen möglicher Unannehmlichkeiten, aus Scheu oder aus Furcht zu vermeiden. Was gemieden wird, kann als Akkusativobjekt stehen. Das Verb allein beweist weder Feigheit noch einen sachlich vernünftigen Grund.

„Die Figur scheut die offene Auseinandersetzung und antwortet lieber schriftlich.“

Die vermiedene Situation wird genannt. Ob die schriftliche Antwort hilfreich ist oder den Konflikt nur verschiebt, lässt das Verb offen.

2 Vor einer Handlung zurückschrecken

Sich scheuen beschreibt Hemmungen, Angst oder Bedenken gegenüber einer Handlung. Man kann sich vor etwas scheuen oder sich scheuen, etwas zu tun. Die jeweilige Ergänzung nennt, worauf das Zögern bezogen ist.

„Sie scheut sich, die unklare Behauptung ohne Prüfung weiterzugeben.“

Die Hemmung betrifft eine bestimmte Handlung. Sie bedeutet hier nicht automatisch, dass die Person grundsätzlich unsicher auftritt.

3 Als Tier erschrecken und fluchtartig reagieren

Besonders bei Pferden bedeutet scheuen, erschreckt in Panik zu geraten und mit einer Fluchtbewegung zu reagieren. Dieses Ereignis ist von einer dauerhaften Beschreibung als scheues Tier zu unterscheiden.

„In der Erzählung scheut das Pferd, als neben dem Weg ein unbekanntes Geräusch ertönt.“

Der Satz verbindet einen Anlass mit einer Reaktion. Er ist weder eine Anleitung zum Umgang mit dem Tier noch ein Beweis für dessen Verhalten in jeder anderen Lage.

scheuen: Synonyme und andere Wörter

Scheuen, meiden oder zurückschrecken?

Meiden beschreibt das Vermeiden allgemeiner und muss keine Angst voraussetzen. Zurückschrecken passt zum durch Angst oder Bedenken gehemmten Handeln. Nicht jede sachliche Entscheidung gegen eine Tätigkeit ist ein Scheuen.

„Er scheut den Streit.“ – „Er meidet den Streit.“

Die zweite Fassung lässt den inneren Grund stärker offen. Sie kann deshalb bewusst zurückhaltender sein.

Scheuen oder scheuchen?

Scheuchen bedeutet, auf ein Lebewesen einzuwirken und es zu einer Bewegung oder Tätigkeit zu treiben. Scheuen beschreibt dagegen das Meiden oder eine erschrockene Reaktion. Nur ein zusätzliches ch macht die Wörter nicht bedeutungsgleich.

„Das Geräusch scheucht die Vögel vom Dach.“ – „Das Pferd scheut vor dem ungewohnten Geräusch.“

Im ersten Satz wird eine ausgelöste Bewegung beschrieben. Im zweiten ist das erschreckte Tier selbst Subjekt des Verbs.

Scheuen oder scheu sein?

Scheu ist ein Adjektiv für zurückweichendes, wenig zutrauliches Verhalten. Das Verb scheuen kann eine konkrete Reaktion benennen. Verweigern hat im Reitsport einen engeren Gebrauch: Ein Hindernis wird nicht genommen.

„Das scheue Tier hält Abstand.“ – „Das Pferd scheut plötzlich.“

Eigenschaft und einzelnes Ereignis sind getrennt. Aus einem Ereignis darf nicht ohne Weiteres eine dauerhafte Eigenschaft abgeleitet werden.

Beispiele und Verwendung

„Für die Überarbeitung scheut sie auch eine längere Suche nach dem richtigen Ausdruck nicht.“

Die Verneinung zeigt die Bereitschaft, den Aufwand auf sich zu nehmen. Sie sagt nicht, dass jeder Aufwand grenzenlos fortgesetzt wird.

„Sie hat sich vor dem Gespräch gescheut, es aber schließlich doch geführt.“

Frühere Hemmungen und die spätere Handlung können beide wahr sein. Sich scheuen heißt nicht zwingend, etwas niemals zu tun.

„Im Satz mit dem scheuen Pferd ist scheuen eine Adjektivform; in die Pferde scheuen ist es eine Verbform.“

Der Artikel und die Satzaufgabe helfen, die gleich aussehenden Formen zu unterscheiden. Die bloße Buchstabenfolge genügt dafür nicht.

Grammatik und Beugung

Die schwachen Hauptformen lauten scheut – scheute – hat gescheut. Die Worttrennung lautet scheu·en. Das Verb ist nicht trennbar; im Partizip steht gescheut. Die Aufforderungen lauten scheu! oder scheue!, im Plural scheut!.

Etwas scheuen steht mit Akkusativ, etwa den Aufwand scheuen. Bei sich scheuen steht das Reflexivpronomen im Akkusativ: ich scheue mich; wir scheuen uns. Es kann eine vor-Gruppe mit Dativ folgen: Sie scheut sich vor dem Gespräch.

Ein zu-Infinitiv erklärt die Handlung: Sie scheut sich, die Frage zu stellen. Die Tabellen zeigen die nichtreflexive aktive Reihe. Für einen reflexiven Gebrauch braucht der vollständige Satz das passende Pronomen; aus ich habe gescheut wird mit dieser Konstruktion etwa ich habe mich vor dem Gespräch gescheut.

Die gleich aussehende Form scheuen kann zur Beugung des Adjektivs scheu gehören: mit einem scheuen Tier. In die Tiere scheuen ist scheuen dagegen die dritte Person Plural eines Verbs. Die Wortarten sind trotz gleicher Schreibung nicht zusammenzulegen.

Indikativ: Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichich scheueich scheute
dudu scheustdu scheutest
er/sie/eser/sie/es scheuter/sie/es scheute
wirwir scheuenwir scheuten
ihrihr scheutihr scheutet
siesie scheuensie scheuten
Indikativ: Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichich habe gescheutich hatte gescheut
dudu hast gescheutdu hattest gescheut
er/sie/eser/sie/es hat gescheuter/sie/es hatte gescheut
wirwir haben gescheutwir hatten gescheut
ihrihr habt gescheutihr hattet gescheut
siesie haben gescheutsie hatten gescheut
Indikativ: Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichich werde scheuenich werde gescheut haben
dudu wirst scheuendu wirst gescheut haben
er/sie/eser/sie/es wird scheuener/sie/es wird gescheut haben
wirwir werden scheuenwir werden gescheut haben
ihrihr werdet scheuenihr werdet gescheut haben
siesie werden scheuensie werden gescheut haben
Konjunktiv: einfache Formen
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichich scheueich scheute
dudu scheuestdu scheutest
er/sie/eser/sie/es scheueer/sie/es scheute
wirwir scheuenwir scheuten
ihrihr scheuetihr scheutet
siesie scheuensie scheuten
Konjunktiv: Vergangenheit
PersonKonjunktiv I PerfektKonjunktiv II Vergangenheit
ichich habe gescheutich hätte gescheut
dudu habest gescheutdu hättest gescheut
er/sie/eser/sie/es habe gescheuter/sie/es hätte gescheut
wirwir haben gescheutwir hätten gescheut
ihrihr habet gescheutihr hättet gescheut
siesie haben gescheutsie hätten gescheut
Konjunktiv: Verbindungen mit werden und würde
PersonKonjunktiv I Futur Iwürde + Infinitiv
ichich werde scheuenich würde scheuen
dudu werdest scheuendu würdest scheuen
er/sie/eser/sie/es werde scheuener/sie/es würde scheuen
wirwir werden scheuenwir würden scheuen
ihrihr werdet scheuenihr würdet scheuen
siesie werden scheuensie würden scheuen
Konjunktiv: zusammengesetzte Formen
PersonKonjunktiv I Futur IIwürde + Infinitiv Perfekt
ichich werde gescheut habenich würde gescheut haben
dudu werdest gescheut habendu würdest gescheut haben
er/sie/eser/sie/es werde gescheut habener/sie/es würde gescheut haben
wirwir werden gescheut habenwir würden gescheut haben
ihrihr werdet gescheut habenihr würdet gescheut haben
siesie werden gescheut habensie würden gescheut haben
Imperativ
AnredeForm
duscheu! / scheue!
ihrscheut!
Siescheuen Sie!
Infinitiv und Partizipien
FormtypForm
Infinitivscheuen
Infinitive mit zu (Präsens / Perfekt)zu scheuen / gescheut zu haben
Infinitiv Perfektgescheut haben
Partizip Ischeuend
Partizip IIgescheut

Keine Mühe scheuen

Die feste Verbindung bedeutet, bereit zu sein, Mühe aufzuwenden, um etwas zu erreichen. Sie betont Einsatzbereitschaft.

„Die Gruppe scheut keine Mühe, die missverständliche Stelle verständlich zu erklären.“

Die Formulierung lobt den Einsatz. Sie belegt noch nicht, dass die Erklärung gelungen ist; dafür ist das tatsächliche Ergebnis zu prüfen.