versagen
Form & Grammatik
- Stichwort
- versagen
- Worttrennung
- ver·sa·gen
- Präsens
- versagt
- Präteritum
- versagte
- Partizip II
- versagt
- Perfekt
- hat versagt
- Hilfsverb
- haben
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
Nichtgewähren und beide reflexiven Verwendungen: gehoben. Sich etwas versagen enthält ein Dativpronomen; sich einer Sache versagen ein Akkusativpronomen. Funktionelles Scheitern ist keine notwendige absichtliche Weigerung.
Definition · kurz erklärt
Versagen kann ein Scheitern oder einen Funktionsausfall beschreiben. In jemandem eine Auskunft versagen geht es dagegen gehoben um ein Nichtgewähren. Auch reflexive Konstruktionen haben eigene Bedeutungen. Das Perfekt lautet hat versagt.
Bedeutungen
Eine erwartete Leistung nicht erbringen
Eine Person, Gruppe oder Einrichtung erreicht etwas Gefordertes oder Erwartetes nicht. Die Aussage braucht einen Maßstab: An welcher Aufgabe und in welcher Situation wird die Leistung gemessen? Ein einzelner Misserfolg ist kein sachlicher Beweis für den Wert eines ganzen Menschen.
„Bei der rechtzeitigen Weitergabe der Nachricht hat die Organisation versagt; andere Aufgaben erledigte sie zuverlässig.“
Das Urteil bleibt auf die genannte Aufgabe begrenzt. Es behauptet kein vollständiges Scheitern aller Tätigkeiten.
Nicht mehr funktionieren
Ein Gerät, ein Körperteil oder eine Fähigkeit erfüllt seine Funktion nicht mehr. Das ist nicht dasselbe wie eine absichtlich verweigerte Handlung. Bei einer Stimme kann etwa eine vorübergehende Sprechunfähigkeit gemeint sein.
„Kurz vor dem letzten Bild versagte der Projektor, sodass die Gruppe die Aufnahme auf einem anderen Gerät zeigte.“
Das Gerät funktioniert in diesem Moment nicht. Ursache und Dauer des Defekts werden durch das Verb allein nicht erklärt.
Gehoben etwas nicht gewähren
Jemand erhält etwas Erbetenes, Erwartetes oder Erhofftes nicht. Die Person kann im Dativ, das Nichtgewährte im Akkusativ stehen. Ob die Entscheidung begründet ist, muss zusätzlich erläutert werden.
„Die Leiterin versagte ihm die erbetene Ausnahme, weil sie dieselbe Regel für alle anwenden wollte.“
Hier wird etwas nicht gewährt. Die Leiterin scheitert nicht notwendig an ihrer Aufgabe.
Sich selbst etwas nicht gönnen
In gehobener Sprache heißt sich etwas versagen, bewusst darauf zu verzichten oder es sich nicht zuzugestehen. Das Reflexivpronomen steht hier im Dativ.
„Während der arbeitsreichen Woche versagte sich die Figur den sonst üblichen langen Leseabend.“
Sie verzichtet selbst darauf. Der Satz sagt nicht, dass sie einen Text nicht verstehen konnte.
Sich nicht zur Verfügung stellen
Gehoben kann sich jemand einer Sache oder Person versagen, indem er nicht mitwirkt oder sich nicht darauf einlässt. Die Konstruktion unterscheidet sich vom Dativpronomen in sich etwas versagen.
„Die Bildhauerin versagt sich dem Wettbewerb: Sie reicht bewusst keinen Entwurf ein, obwohl eine Teilnahme möglich wäre.“
Sie stellt sich für die Teilnahme nicht zur Verfügung. Das ausdrücklich bewusste Nichtmitmachen ist hier keine Aussage über ihr gestalterisches Können.
Synonyme: andere Wörter für versagen
Bei Scheitern oder Funktionsausfall
scheitern · nicht leisten können · ausfallen · nicht funktionieren
Scheitern passt zu einer Aufgabe oder einem Versuch. Ausfallen kann bei einem Gerät nahe sein, aber auch das Nichtstattfinden einer Veranstaltung meinen. Diese Terminbedeutung gehört nicht automatisch zu versagen.
„Der Projektor versagt“ kann „Der Projektor funktioniert nicht mehr“ heißen. „Die Sitzung fällt aus“ ist dagegen nicht „Die Sitzung versagt“.
Gegenstand und erwartete Funktion bestimmen den Vergleich.
Beim Nichtgewähren oder Nein zur Mitwirkung
verweigern · nicht gewähren · verzichten · sich verschließen
Verweigern ist beim Nichtgewähren nahe und meist weniger gehoben. Verzichten passt zum eigenen bewussten Verzicht. Sich verschließen kann die fehlende Bereitschaft erläutern, muss aber zum konkreten Gegenstand passen.
„Sie versagt ihm die Auskunft“ heißt etwa „Sie verweigert ihm die Auskunft“. „Sie versagt bei der Auskunft“ würde dagegen ein Scheitern beschreiben.
Der Dativ ihm und das Akkusativobjekt Auskunft tragen den Sinn mit.
Beispiele und Verwendung
Leistung und Person unterscheiden
„Der Bericht beschreibt, woran das Verfahren versagt hat, statt alle Beteiligten pauschal als Versager zu bezeichnen.“
Eine konkrete Fehlleistung und eine abwertende Personenbezeichnung sind verschieden. Eine verständliche Kritik nennt den misslungenen Schritt.
Den Fall des Reflexivpronomens erkennen
„Ich versage mir eine Pause; ich versage mich dem Vorhaben.“
Mir ist im ersten Satz Dativ, mich im zweiten Akkusativ. Der erste betrifft den eigenen Verzicht, der zweite die nicht angebotene Mitwirkung.
Grammatik und Beugung
Das schwache Verb ist nicht trennbar: versagt – versagte – hat versagt. Der Infinitiv mit zu lautet zu versagen; im Partizip steht kein zusätzliches ge-.
Beim Scheitern oder Nichtfunktionieren kann das Verb ohne Akkusativobjekt stehen: die Anlage versagt. Beim Nichtgewähren heißt es jemandem etwas versagen mit Dativ und Akkusativ.
Die beiden reflexiven Verbindungen haben unterschiedliche Fälle: ich versage mir etwas mit Dativpronomen, aber ich versage mich einer Sache mit Akkusativpronomen und Dativobjekt. Die Tabellen zeigen die aktive Reihe ohne zusätzliches Reflexivpronomen.
Gegenwart und Vergangenheit
| Person | Präsens | Präteritum | Perfekt |
|---|---|---|---|
| ich | ich versage | ich versagte | ich habe versagt |
| du | du versagst | du versagtest | du hast versagt |
| er/sie/es | er/sie/es versagt | er/sie/es versagte | er/sie/es hat versagt |
| wir | wir versagen | wir versagten | wir haben versagt |
| ihr | ihr versagt | ihr versagtet | ihr habt versagt |
| sie | sie versagen | sie versagten | sie haben versagt |
Vorvergangenheit und Zukunft
| Person | Plusquamperfekt | Futur I | Futur II |
|---|---|---|---|
| ich | ich hatte versagt | ich werde versagen | ich werde versagt haben |
| du | du hattest versagt | du wirst versagen | du wirst versagt haben |
| er/sie/es | er/sie/es hatte versagt | er/sie/es wird versagen | er/sie/es wird versagt haben |
| wir | wir hatten versagt | wir werden versagen | wir werden versagt haben |
| ihr | ihr hattet versagt | ihr werdet versagen | ihr werdet versagt haben |
| sie | sie hatten versagt | sie werden versagen | sie werden versagt haben |
Konjunktiv und würde-Verbindung
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II | würde-Verbindung |
|---|---|---|---|
| ich | ich versage | ich versagte | ich würde versagen |
| du | du versagest | du versagtest | du würdest versagen |
| er/sie/es | er/sie/es versage | er/sie/es versagte | er/sie/es würde versagen |
| wir | wir versagen | wir versagten | wir würden versagen |
| ihr | ihr versaget | ihr versagtet | ihr würdet versagen |
| sie | sie versagen | sie versagten | sie würden versagen |
Aufforderungen
| Anrede | Imperativ |
|---|---|
| du | versag! / versage! |
| ihr | versagt! |
| Sie | versagen Sie! |
Schreibweise und Worttrennung
Die Worttrennung lautet ver·sa·gen. Großgeschriebenes das Versagen ist ein substantivierter Infinitiv. Das kleingeschriebene Verb wird in sie werden versagen nicht dadurch zu einem Nomen, dass dieselbe Buchstabenfolge vorkommt.
Redewendungen und feste Verbindungen
Den Dienst versagen
Bei einer Sache oder einem Körperteil kann die feste Verbindung bedeuten, die erwartete Funktion nicht mehr zu erfüllen. Bei einer Person kann dagegen eine absichtliche Dienstverweigerung gemeint sein.
„Nach mehreren gelungenen Seiten versagte der alte Drucker seinen Dienst und blieb beim nächsten Blatt stehen.“
Das Gerät wird bildlich wie ein Dienstleistender beschrieben. Eine bewusste Entscheidung des Druckers ist nicht gemeint.
