gemein

Gemein bedeutet bei Verhalten meist boshaft, niederträchtig oder verletzend; es kann aber auch gewöhnlich, allgemein oder gemeinsam bedeuten und umgangssprachlich etwas besonders Ärgerliches bewerten.

Was bedeutet gemein?

Wer eine Handlung gemein nennt, bewertet sie häufig als absichtlich verletzend oder moralisch schlecht. Eine gemeine Bemerkung kann jemanden bloßstellen, eine gemeine Lüge ihm gezielt schaden. Das Wort kann außerdem eine als roh oder unanständig empfundene Ausdrucksweise kennzeichnen. In jedem Fall handelt es sich in diesen Verwendungen um ein negatives Urteil, dessen Anlass genauer erläutert werden sollte.

Nicht jede Verwendung richtet sich gegen eine Person. Wenn jemand eine verpasste Gelegenheit als gemein bezeichnet, kann er damit einfach Ärger über einen als ungerecht empfundenen Verlauf ausdrücken. Umgangssprachlich veraltend kommt gemein außerdem als Verstärkung vor. Der Ausruf Es tut gemein weh meint dann sehr starken Schmerz und keinen schlechten Charakter.

In älteren und fachlichen Zusammenhängen ist besondere Vorsicht nötig. Der gemeine Soldat bezeichnet einen einfachen Soldaten, und Gemeine in einem Tier- oder Pflanzennamen ist kein moralischer Vorwurf. Auch etwas mit jemandem gemein haben bedeutet nur, eine Gemeinsamkeit zu besitzen. Diese Lesarten bewahren den Bezug auf das Allgemeine oder Gemeinsame.

Drei Beispiele für gemein

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Es war gemein von ihm, die vertrauliche Nachricht vor der ganzen Gruppe vorzulesen, nur um seine Schwester lächerlich zu machen.“

Die ausdrücklich genannte Absicht erklärt die negative Bewertung. Nicht allein die Weitergabe, sondern das gezielte Bloßstellen steht im Vordergrund.

„‚Wie gemein, dass ausgerechnet heute der Ausflug ausfällt!‘, rief das enttäuschte Kind.“

Hier wird ein unerfreulicher Umstand bewertet. Der Ausruf muss niemandem eine böse Absicht zuschreiben.

„Die beiden Schwestern hatten ihre Freude am Zeichnen gemein.“

Die feste Verbindung bedeutet, dass beide diese Vorliebe teilen. Eine negative Eigenschaft ist damit nicht gemeint.

Ähnliche Wörter unterscheiden

gehässig
Betont besonders boshafte Missgunst oder eine verletzende Spitze. Gemein ist als negatives Urteil breiter und hat zusätzliche nichtwertende Bedeutungen.
fies
Liegt in der umgangssprachlichen Bewertung einer unangenehmen oder boshaften Handlung nahe. Es ersetzt gemein nicht in der Wendung etwas gemein haben.
gewöhnlich
Kann die ältere oder fachliche Bedeutung ohne besondere Merkmale wiedergeben. Diese Lesart darf nicht mit der moralischen Abwertung vermischt werden.

Schreibung und Grammatik

Formen sind ein gemeiner Vorwurf, eine gemeine Bemerkung und gemeine Unterstellungen. Bei der negativen Bewertung wird gesteigert: gemeiner, am gemeinsten. In etwas mit jemandem gemein haben steht die Ergänzung nach mit im Dativ. Das Adjektiv bleibt dort unverändert. Fachliche Artnamen können eine Großschreibung enthalten, etwa die Gemeine Stubenfliege.

Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.

Herkunft und Wortbildung

Duden nennt mittelhochdeutsch gemein(e) und althochdeutsch gimeini mit einem ursprünglichen Bezug auf etwas, das mehreren zukommt. Den späteren abwertenden Nebensinn erklärt der Eintrag aus einer Geringschätzung des allgemein Verbreiteten. Die heute nebeneinander bestehenden Bedeutungen lassen sich deshalb nicht auf die Vorstellung von Bosheit reduzieren.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Beleg: Die Figur kennt die Angst ihres Bruders und täuscht absichtlich eine entsprechende Gefahr vor, um sich anschließend über ihn lustig zu machen. Das kann eine gemeine Handlung belegen. Beschreibt ein historischer Text dieselbe Figur dagegen als gemeinen Soldaten, muss zunächst die soziale oder militärische Stellung erklärt werden.

Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Gemein in der Übersicht der Charaktereigenschaften