fies
Form & Grammatik
Adjektiv- Stichwort
- fies
- Worttrennung
- fies
- Komparativ
- fieser
- Superlativ
- am fiesesten
Umgangssprachlich und stark wertend. Ekelhafte Wahrnehmung und verletzendes Verhalten sind verschiedene Bezüge; die konkrete Handlung statt eines ganzen Menschen bewerten.
Fies bedeutet umgangssprachlich unangenehm oder widerwärtig; bei Menschen und Handlungen bewertet es eine gemeine, verletzende oder charakterlich abstoßende Art.
Was bedeutet fies?
Fies ist ein deutlich wertendes Alltagswort. Eine fiese Bemerkung verletzt oder demütigt, ein fieser Trick nutzt andere auf eine missbilligte Weise aus. Bei einem fiesen Menschen richtet sich das Urteil weiter auf den Charakter. Für eine sachliche Beschreibung ist es deshalb meist hilfreicher, zunächst die konkrete Handlung zu nennen, die den Vorwurf auslöst.
Nicht jeder Gebrauch unterstellt eine Absicht. Ein fieser Geruch oder ein fieses Gefühl kann einfach etwas sehr Unangenehmes bezeichnen. Auch eine fiese Überraschung wird so genannt, weil sie unerfreulich ist, ohne dass jemand sie bewusst herbeigeführt haben muss. Der Personenbezug und der Zusammenhang entscheiden darüber, ob eine moralische Bewertung vorliegt.
Zwischen Freunden kann fies scherzhaft oder übertreibend klingen. Derselbe Ausdruck kann in einem ernsthaften Streit jedoch als Beschimpfung wirken. Eine präzise Lektüre beachtet daher den Ton und die Reaktion des Gegenübers. „Das war fies“ bewertet außerdem eine einzelne Handlung enger als „Du bist fies“, das die Person insgesamt anspricht.
Drei Beispiele für fies
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Er machte einen fiesen Witz über den Versprecher, obwohl er wusste, wie sehr sich seine Mitschülerin vor dem Vortrag gefürchtet hatte.“
Das bekannte Unbehagen und die gezielte Bloßstellung erklären die Kritik. Ein bloßes Versehen oder gemeinsames Lachen über einen harmlosen Irrtum wäre anders zu beurteilen.
„Aus dem lange geschlossenen Behälter kam ein fieser Geruch.“
Das Wort beschreibt eine unangenehme Wahrnehmung. Es enthält hier keinen Vorwurf gegen eine handelnde Person.
„Als ihr Bruder das letzte Stück Kuchen nahm, nannte sie ihn lachend fies und schob ihm ihren leeren Teller hin.“
Das Lachen kennzeichnet einen spielerischen Vorwurf. Ohne diesen Zusammenhang könnte dieselbe Wortwahl deutlich verletzender wirken.
Synonyme für fies: passend zum Zusammenhang
Fies kann verletzendes Verhalten oder etwas sehr Unangenehmes bezeichnen. Das umgangssprachliche Wort ist deutlich wertend, kann zwischen Vertrauten aber auch scherzhaft verwendet werden. Eine Alternative muss daher Sinneseindruck, moralische Kritik und spielerischen Vorwurf auseinanderhalten, statt stets eine schwere bösartige Absicht zu unterstellen.
| Ersatzwort | Passt bei | Unterschied |
|---|---|---|
| gemein | verletzenden oder unfairen Handlungen | Nahe bei einem Vorwurf gegen das Verhalten. |
| gehässig | Äußerungen mit erkennbarer verletzender Absicht | Ist genauer und kann stärker sein. |
| unangenehm | Gerüchen, Gefühlen und belastenden Umständen | Wirkt sachlicher und meist schwächer. |
| widerlich | stark abgelehnten Eindrücken oder Verhaltensweisen | Betont heftigen Widerwillen. |
Wörter im Satz vergleichen
Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.
Ausgangssatz: „Sein Witz über den peinlichen Versprecher ist fies.“
Alternative: „Sein Witz über den peinlichen Versprecher ist gemein.“
Beide Fassungen kritisieren die Verletzung des Gegenübers. Ob der Witz absichtlich bloßstellt oder unbedacht war, sollte durch weitere Angaben erkennbar werden.
Ausgangssatz: „Aus dem geschlossenen Behälter kommt ein fieser Geruch.“
Alternative: „Aus dem geschlossenen Behälter kommt ein unangenehmer Geruch.“
Unangenehm gibt die Sinnesbewertung nüchterner und schwächer wieder. In keinem der beiden Sätze wird dem Behälter oder dem Geruch eine böse Absicht zugeschrieben.
Hier passt der Austausch nicht: Bösartig ist kein allgemeiner Ersatz für fies. Ein lachender Vorwurf wegen des letzten Stücks Kuchen kann spielerisch gemeint sein. Bösartig würde daraus eine erheblich schwerere Bewertung machen.
„Das war fies“ begrenzt den Vorwurf auf eine Handlung; „Du bist fies“ greift die Person insgesamt an. Eine genaue Charakterisierung beschreibt deshalb die Handlung und ihren Zusammenhang, etwa das bewusste Wiederholen eines Versprechers trotz bekannter Unsicherheit. Der Ton und die Reaktion des Gegenübers helfen außerdem zu unterscheiden, ob ein Ausdruck scherzhaft oder verletzend wirkt.
Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
- Gemein
- Ist bei unfairen oder verletzenden Handlungen ein nahes Synonym. Fies wirkt besonders umgangssprachlich und kann außerdem körperliches Unbehagen beschreiben.
- Bösartig
- Bezeichnet eine besonders verletzende oder heimtückische Art und klingt häufig schwerwiegender. Nicht jeder scherzhafte Vorwurf mit fies trägt diese starke Bedeutung.
- Unangenehm
- Ist weiter und neutraler. Es kann eine Wirkung benennen, ohne wie fies starke Abneigung oder eine moralische Missbilligung auszudrücken.
Schreibung und Grammatik
Fies wird mit ie geschrieben. Formen sind ein fieser Kommentar, eine fiese Falle und fieses Wetter. Die Steigerung lautet fieser, am fiesesten. In „Das war fies von dir“ bezeichnet von dir die Person, deren Handlung kritisiert wird. Der Ausdruck Fiesling ist eine abwertende Personenbezeichnung aus derselben Wortfamilie.
Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.
Beugung von fies
Ein fieser Streich wird negativ beurteilt. Fieser kann vor einem männlichen Nomen die Grundstufe sein; erst ein Vergleich wie noch fieser bezeichnet eine Abstufung.
Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.
Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | fieser | fiese | fieses | fiese |
| Genitiv | fiesen | fieser | fiesen | fieser |
| Dativ | fiesem | fieser | fiesem | fiesen |
| Akkusativ | fiesen | fiese | fieses | fiese |
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | fiese | fiese | fiese | fiesen |
| Genitiv | fiesen | fiesen | fiesen | fiesen |
| Dativ | fiesen | fiesen | fiesen | fiesen |
| Akkusativ | fiesen | fiese | fiese | fiesen |
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | fieser | fiese | fieses | fiesen |
| Genitiv | fiesen | fiesen | fiesen | fiesen |
| Dativ | fiesen | fiesen | fiesen | fiesen |
| Akkusativ | fiesen | fiese | fieses | fiesen |
Herkunft und Wortbildung
Fies kam aus dem Niederdeutschen; als ältere Form ist mittelniederdeutsch vīs überliefert. Heute reicht das negative Urteil vom unangenehmen Geschmack bis zum verletzenden Verhalten. Welche Art von Abneigung gemeint ist, muss der Satz zeigen.
Verwendung in einer Charakterisierung
Ein eigener Beleg: „Die Figur wiederholt den peinlichen Versprecher vor allen anderen, obwohl sie die Angst der Mitschülerin kennt; ihre Bemerkung ist fies.“ Für die Analyse lässt sich dies als absichtliche Bloßstellung präzisieren. Der konkrete Vorgang ist aussagekräftiger als eine Reihe allgemein abwertender Etiketten.
Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.
