objektiv
Objektiv: Bei einer Beurteilung an überprüfbaren Sachverhalten orientiert und möglichst unabhängig von persönlichen Vorlieben oder Vorurteilen. Daneben bezeichnet das Wort etwas, das unabhängig vom erkennenden Subjekt besteht.
Was bedeutet objektiv?
Objektiv beschreibt im Alltag eine Beurteilung, die nicht allein von Sympathie, Eigeninteresse oder einer vorgefassten Meinung bestimmt wird. Wer objektiv urteilen möchte, berücksichtigt passende Informationen und legt vergleichbare Maßstäbe an. Die Behauptung, objektiv zu sein, ersetzt diesen Nachweis nicht.
Objektivität betrifft deshalb das Vorgehen ebenso wie das Urteil. Eine Figur kann trotz einer persönlichen Vorliebe die Leistung eines Konkurrenten anerkennen. Sie kann aber auch ruhig und sachlich sprechen, während sie entscheidende Gegenbelege unterschlägt. Ein unemotionaler Ton allein garantiert keine Objektivität.
In philosophischen Zusammenhängen kann objektiv außerdem bedeuten, dass etwas unabhängig vom Bewusstsein eines Subjekts besteht. Diese Frage nach dem Bestehen einer Sache ist vom alltagssprachlichen Urteil über eine unparteiische Person zu unterscheiden.
Beispiele und Verwendung
Obwohl sie mit dem Bewerber befreundet war, bewertete sie alle Arbeiten nach denselben veröffentlichten Kriterien und bemühte sich um ein objektives Urteil.
So ist es gemeint: Das Vorgehen begrenzt den Einfluss persönlicher Nähe; völlige Unfehlbarkeit wird nicht behauptet.
Der Bericht wirkte sachlich, war wegen ausgelassener Gegenbelege aber nicht objektiv.
So ist es gemeint: Darstellungsstil und Auswahl der Informationen müssen getrennt geprüft werden.
Die Untersuchung fragt nach den objektiven Bedingungen des Konflikts.
So ist es gemeint: Gemeint sind vorhandene Gegebenheiten, nicht nur die Wahrnehmung der Beteiligten.
Typische Verbindungen: objektiv urteilen, eine objektive Beurteilung, objektive Kriterien, möglichst objektiv berichten.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- sachlich
- Bezieht sich auf eine gegenstandsbezogene Darstellung. Auch ein sachlicher Text kann Informationen einseitig auswählen.
- fair
- Betont eine angemessene und gerechte Behandlung. Objektive Kriterien können dazu beitragen, reichen aber bei ungerechten Regeln nicht immer aus.
- befangen
- Bezeichnet eine eingeschränkte Unvoreingenommenheit, etwa durch persönliche Nähe. Ein solcher Umstand sollte bei einer Beurteilung berücksichtigt werden.
Subjektiv bezieht sich auf die persönliche Perspektive oder das Erleben. Das ist nicht automatisch falsch oder wertlos; für Erfahrungsberichte kann gerade diese Perspektive entscheidend sein.
Objektiv in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Wettbewerbsrunde soll Mira zwei Entwürfe beurteilen. Einer stammt von ihrer Freundin. Mira notiert zuerst die vereinbarten Kriterien und benennt anschließend auch die Schwächen dieses Entwurfs. Den Entwurf der weniger vertrauten Teilnehmerin bewertet sie aufgrund der besseren Umsetzung höher.
- Beobachtung: Mira wendet zuvor vereinbarte Kriterien an und lässt die persönliche Freundschaft nicht als ausschlaggebenden Vorteil gelten.
- Deutung: Ihr Vorgehen spricht für das Bemühen um eine objektive Beurteilung.
- Grenze der Aussage: Die Szene beweist nicht, dass die Kriterien selbst vollständig oder unangreifbar sind. Sie zeigt einen nachvollziehbaren Umgang mit einem möglichen Interessenkonflikt.
Musterformulierung
Mira bemüht sich um eine objektive Beurteilung, indem sie beide Entwürfe anhand derselben Kriterien prüft und die Schwächen der Arbeit ihrer Freundin ausdrücklich benennt. Ihre Entscheidung folgt damit erkennbar der gezeigten Leistung. Ob die gewählten Kriterien alle wichtigen Aspekte erfassen, bleibt eine zusätzliche Frage.
Die Musterformulierung begründet Objektivität am Verfahren und vermeidet die überzogene Behauptung einer vollkommen vorurteilsfreien Persönlichkeit.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- ob·jek·tiv
- Verwandtes Nomen
- die Objektivität
Objektiv wird mit k und v geschrieben. Das großgeschriebene Objektiv kann auch eine optische Vorrichtung bezeichnen. Als Adjektiv heißt es eine objektive Darstellung; Steigerungen vergleichen im Alltag den Grad der Unvoreingenommenheit.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | objektiver | objektive | objektives | objektive |
| Genitiv | objektiven | objektiver | objektiven | objektiver |
| Dativ | objektivem | objektiver | objektivem | objektiven |
| Akkusativ | objektiven | objektive | objektives | objektive |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der objektive | die objektive | das objektive | die objektiven |
| Genitiv | des objektiven | der objektiven | des objektiven | der objektiven |
| Dativ | dem objektiven | der objektiven | dem objektiven | den objektiven |
| Akkusativ | den objektiven | die objektive | das objektive | die objektiven |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein objektiver | eine objektive | ein objektives | keine objektiven |
| Genitiv | eines objektiven | einer objektiven | eines objektiven | keiner objektiven |
| Dativ | einem objektiven | einer objektiven | einem objektiven | keinen objektiven |
| Akkusativ | einen objektiven | eine objektive | ein objektives | keine objektiven |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Das Adjektiv gehört zur Wortfamilie von Objekt und Objektivität. Für die Bedeutung ist der Bezug auf die Sache beziehungsweise auf ein vom Subjekt unabhängiges Bestehen entscheidend. Die verschiedenen fachlichen Verwendungen müssen aus ihrem Zusammenhang erklärt werden.
