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befangen

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
befangen
Worttrennung
be·fan·gen
Komparativ
befangener; auch befangner
Superlativ
am befangensten

Gehemmtheit und mangelnde Unvoreingenommenheit sind unterschiedliche Lesarten. Neben befangener ist befangner möglich; die jeweilige Vergleichsbedeutung muss klar sein.

Formen und Verwendung im Detail

Befangen: Im Auftreten gehemmt oder verlegen; außerdem in seinem Urteil voreingenommen und nicht unbefangen.

Was bedeutet befangen?

Befangen hat mehrere Bedeutungen, die im Satz unterschieden werden müssen. In einer Begegnung kann eine Person befangen wirken, weil sie sich unsicher, verlegen oder nicht frei fühlt. Bei einem Urteil bedeutet befangen dagegen häufig voreingenommen oder parteiisch. Dieser zweite Gebrauch begegnet besonders in der Rechtssprache, ist aber auch allgemein verständlich. In einer Überzeugung befangen sein meint wiederum, dass diese Überzeugung das Denken stark bestimmt.

Befangen und schüchtern sind deshalb nicht immer austauschbar. Eine selbstsicher auftretende Person kann in einer Streitfrage befangen sein, wenn sie einer Seite eng verbunden ist. Umgekehrt kann jemand im Gespräch befangen wirken und dennoch sorgfältig und ausgewogen urteilen. Eine Worterklärung nennt die rechtssprachliche Verwendung nur als Sprachgebrauch; ob in einem konkreten Verfahren Befangenheit vorliegt, folgt nicht aus dem Adjektiv allein.

Drei Beispiele für befangen

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Beim ersten Treffen mit der Familie wirkte sie befangen und wusste zunächst nicht, wie vertraut sie sprechen durfte.“

Hier erklärt eine ungewohnte soziale Situation die Hemmung. Der Satz besagt nicht, dass ihre Einschätzung der anderen Personen parteiisch wäre.

„In der Auseinandersetzung um den Verein war er befangen, weil sein eigener Bruder betroffen war.“

Die persönliche Verbindung prägt hier das Urteil. Die Aussage betrifft die Perspektive auf einen bestimmten Konflikt und keine allgemeine Schüchternheit.

„Noch in der Vorstellung befangen, alles allein lösen zu müssen, lehnte die Figur Unterstützung ab.“

Die gehobene Wendung beschreibt ein Denken, das von einer festen Vorstellung bestimmt wird. Der nachfolgende Verzicht auf Hilfe macht deren Wirkung sichtbar.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Angespannt
Bezeichnet innere Spannung oder Belastung. Befangen kann eine besondere soziale Gehemmtheit benennen, hat aber zusätzlich den eigenständigen Sinn voreingenommen.
Unbefangen
Ist ein passendes Gegenwort, wenn jemand ungezwungen auftritt oder ohne Voreingenommenheit urteilt. Auch hier entscheidet der Zusammenhang, ob Auftreten oder Urteil gemeint ist.

Schreibung und Grammatik

Befangen wird mit einfachem f geschrieben. Formen sind ein befangener Gesprächspartner, eine befangene Antwort und ein befangenes Urteil. Das Substantiv lautet Befangenheit. Für den Grad der Gehemmtheit sind befangener und am befangensten möglich. Die Wendung in einer Vorstellung befangen verlangt den Dativ; bei einer genauen Beschreibung kann auch in seinem Urteil befangen stehen.

Weitere Beispiele zur Beugung und Verwendung stehen in der Übersicht der Adjektive.

Beugung von befangen

Die Tabellen passen zu einem befangenen Auftreten ebenso wie zu einer befangenen Beurteilung. Die erste Verbindung kann Gehemmtheit, die zweite mangelnde Unvoreingenommenheit meinen; die Form allein löst diese Unterscheidung nicht auf.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativbefangenerbefangenebefangenesbefangene
Genitivbefangenenbefangenerbefangenenbefangener
Dativbefangenembefangenerbefangenembefangenen
Akkusativbefangenenbefangenebefangenesbefangene
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativbefangenebefangenebefangenebefangenen
Genitivbefangenenbefangenenbefangenenbefangenen
Dativbefangenenbefangenenbefangenenbefangenen
Akkusativbefangenenbefangenebefangenebefangenen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativbefangenerbefangenebefangenesbefangenen
Genitivbefangenenbefangenenbefangenenbefangenen
Dativbefangenenbefangenenbefangenenbefangenen
Akkusativbefangenenbefangenebefangenesbefangenen

Herkunft und Wortbildung

Duden führt das Adjektiv auf das Partizip eines heute veralteten Verbs befangen zurück, das sinngemäß umfassen oder einengen bedeutete. Schon ältere deutsche Formen bezeichneten ein Verwickeltsein oder fehlende Freiheit. Die verschiedenen heutigen Lesarten lassen sich daher mit eingeschränkter Ungezwungenheit beziehungsweise eingeschränkter Unvoreingenommenheit verbinden.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Beim Familienbesuch wirkt die Figur befangen, weil sie ihre Anrede mehrfach abbricht und nach einer passenden Distanz sucht. Dies beschreibt das soziale Auftreten. Würde die Analyse stattdessen ihre Parteinahme im Vereinskonflikt behandeln, müsste sie die persönliche Bindung und das einseitige Urteil belegen. Beide Bedeutungen dürfen nicht vermischt werden.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören.

Wortquellen gelesen am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Befangen in der Übersicht der Charaktereigenschaften