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Kunde

Form & Grammatik

Substantiv
Stichwort
Kunde
Worttrennung
Kun·de
Artikel
der (Person); die (Nachricht, Wissen; österreichisch: Kundschaft)
Geschlecht
Maskulinum oder Femininum, je nach Bedeutung
Genitiv
des Kunden; der Kunde
Plural
die Kunden; bei Nachricht selten

Gebrauch: Schwaches Maskulinum bei Personen. Die feminine Nachricht-/Wissensbedeutung ist gehoben und veraltend; die feminine Bedeutung Kundschaft ist österreichisch.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Ein Kunde kauft bei einem Anbieter ein oder nutzt dessen Dienstleistungen. Die Kunde ist ein anderes, gleich geschriebenes Wort: Es bezeichnet gehoben eine Nachricht oder Wissen, in Österreich auch die Kundschaft. Artikel und Zusammenhang entscheiden deshalb über die Bedeutung.

Bedeutungen

Eine Person, die Waren oder Dienstleistungen nachfragt

Ein Kunde nimmt ein Angebot eines Geschäfts, Betriebs oder Dienstleisters in Anspruch. Gemeint sein kann jemand, der zum ersten Mal dort einkauft, ebenso wie jemand mit einer länger bestehenden Geschäftsbeziehung. Das Wort beschreibt die Beziehung zum Anbieter.

„Der Kunde lässt sein Fahrrad in der Werkstatt reparieren.“

Hier nutzt die Person eine Dienstleistung. Sie muss weder ein neues Fahrrad kaufen noch regelmäßig in diese Werkstatt kommen.

Umgangssprachlich: ein Kerl oder Bursche

Mit Kunde lässt sich umgangssprachlich auch ein Mann charakterisieren. Oft schwingt dabei eine abwertende oder misstrauische Haltung mit. Die Bewertung entsteht zusätzlich aus Wörtern wie seltsam oder frech und aus dem Ton.

„Was für ein seltsamer Kunde steht denn vor der Garage?“

Der Sprecher äußert seine Einschätzung einer Person; ein Einkauf oder Vertrag ist nicht gemeint. Diese Verwendung eignet sich nicht als neutrale Personenbeschreibung.

In der Gaunersprache: ein Landstreicher

In der Gaunersprache kann Kunde einen Landstreicher bezeichnen. Diese besondere Verwendung lässt sich nicht ohne Weiteres auf heutige Geschäfts- oder Alltagssituationen übertragen.

„In der Erzählung zieht der Kunde von Ort zu Ort und sucht unterwegs eine Unterkunft.“

Nur ein entsprechend gekennzeichneter Sprachgebrauch macht diese Lesart eindeutig. Der Satz allein könnte sonst auch von einem reisenden Käufer handeln.

Die Kunde: eine Nachricht oder Kenntnis

Das feminine die Kunde gehört in der Bedeutung Nachricht oder Wissen zu einem gehobenen, zunehmend altertümlich wirkenden Sprachgebrauch. Oft geht es darum, dass etwas bekannt wird oder jemand davon Kenntnis besitzt.

„Erst nach Wochen erreichte die Kunde von ihrer Rückkehr das Dorf.“

Es erreicht die Bewohner eine Nachricht, keine Käuferin. Der Ausdruck passt etwa zu einer erzählenden Darstellung; in einer sachlichen Mitteilung ist Nachricht meist unauffälliger.

Österreichisch: die Kundschaft

In Österreich kann die Kunde auch die Kundschaft eines Geschäfts bezeichnen. Das feminine Wort fasst hier die Kunden zusammen. Es bezeichnet nicht einfach die weibliche Form von der Kunde.

„Das Geschäft hat eine treue Kunde aus der Nachbarschaft.“

Gemeint ist die Gruppe der Menschen, die dort einkaufen. Für eine einzelne weibliche Person lautet die entsprechende Personenbezeichnung Kundin.

Synonyme: andere Wörter für Kunde

Beim Einkauf und beim Auftrag

Käufer · Abnehmer · Auftraggeber

Ein Käufer wird durch einen konkreten Kauf bezeichnet. Kunde ist weiter und passt auch zu Dienstleistungen. Auftraggeber betont, dass jemand eine Arbeit bestellt; Abnehmer hebt vor allem hervor, dass eine Ware übernommen wird.

„Der Kunde bezahlt das Fahrrad.“ – „Der Käufer bezahlt das Fahrrad.“

Bei diesem Kauf können beide Bezeichnungen dieselbe Person meinen. Käufer richtet den Blick auf den Kaufvorgang; Kunde beschreibt sie in ihrer Beziehung zum Anbieter. Bei einer bloßen Reparatur ohne Kauf wäre Käufer dagegen kein passender Ersatz.

Bei einer Mitteilung

Nachricht · Botschaft · Kenntnis

Nachricht ist der neutrale Ersatz, wenn etwas mitgeteilt wird. Kunde wirkt gehobener; Botschaft kann zusätzlich eine besondere Aussage oder einen Auftrag hervorheben. Kenntnis passt, wenn das Wissen um einen Sachverhalt gemeint ist.

„Die Nachricht kam am Abend.“ – „Die Kunde erreichte uns am Abend.“

Der Inhalt kann gleich bleiben, doch die zweite Formulierung klingt erzählerischer. Die Wörter sind deshalb stilistisch nicht gleichwertig.

Bei mehreren Kunden

Kundschaft · Kundenkreis

Kundschaft bezeichnet die Kunden zusammen. Kundenkreis richtet den Blick stärker auf die Gruppe, die ein Anbieter erreicht. Das österreichische feminine Kunde kann Kundschaft ersetzen, ist aber nicht überall gleich vertraut.

„Der Laden hat eine treue Kundschaft.“ – „Der Laden hat einen treuen Kunden.“

Im ersten Satz geht es um die Gruppe, im zweiten um eine einzelne Person. Der Wechsel verändert hier die Zahl der gemeinten Menschen.

Beispiele und Verwendung

Ein Kunde ohne Warenkauf

„Der Kunde vereinbart einen Termin beim Friseur.“

Auch eine bezahlte Dienstleistung begründet die Kundenrolle. Kaufen ist daher eine nützliche Erklärung, aber keine vollständige Umschreibung aller Verwendungen.

Der Artikel unterscheidet die Wörter

„Die Kunde von dem neuen Laden verbreitete sich schnell; der erste Kunde kam am nächsten Morgen.“

Das erste Wort meint eine Nachricht, das zweite eine Person. Die gleiche Schreibung macht daraus weder dieselbe Bedeutung noch dasselbe grammatische Geschlecht.

Grammatik und Beugung

Bei der Personenbezeichnung ist Kunde ein schwaches Maskulinum: Nur der Nominativ Singular lautet Kunde, die übrigen Singularformen enden auf -n. Das feminine Wort behält im Singular in allen Fällen die Form Kunde. Beide bilden den Plural Kunden; bei der Bedeutung Nachricht ist er selten. Die österreichische Bedeutung Kundschaft hat ebenfalls den Plural Kunden. Die jeweilige Bedeutung muss aus dem Satz hervorgehen.

Der Kunde: Personenbezeichnung
FallSingularPlural
Nominativder Kundedie Kunden
Genitivdes Kundender Kunden
Dativdem Kundenden Kunden
Akkusativden Kundendie Kunden
Die Kunde: Nachricht, Wissen oder österreichisch Kundschaft
FallSingularPlural
Nominativdie Kundedie Kunden
Genitivder Kundeder Kunden
Dativder Kundeden Kunden
Akkusativdie Kundedie Kunden

Der Plural ist bei der Bedeutung Nachricht selten. Bei abstraktem Wissen ist die Verwendung im Singular besonders naheliegend; die Tabelle verpflichtet nicht dazu, jede Bedeutung in jedem Numerus zu verwenden.

Kundin: feminine Gegenbezeichnung

Beim Einkauf oder bei einer Dienstleistung heißt die feminine Gegenbezeichnung Kundin. Sie ist ein eigenes Nomen: die Kundin, der Kundin, die Kundinnen. Das feminine Wort die Kunde im Sinn von Nachricht oder Wissen bezeichnet etwas anderes. Auch die saloppen Personenverwendungen von Kunde lassen sich nicht allein aufgrund der Wortbildung auf Kundin übertragen.

„Die Kundin lässt ihr Fahrrad in der Werkstatt reparieren.“

Der Satz bezeichnet die Frau als Nutzerin einer Dienstleistung. Er besagt nicht, dass sie ein neues Fahrrad kauft.

Kundin: eigene feminine Gegenbezeichnung
FallSingularPlural
Nominativdie Kundindie Kundinnen
Genitivder Kundinder Kundinnen
Dativder Kundinden Kundinnen
Akkusativdie Kundindie Kundinnen

Diese Tabelle gehört zum eigenständigen Gegenlemma Kundin. Die Formen werden getrennt vom Hauptlemma geführt.

Schreibweise und Worttrennung

Die Worttrennung lautet Kun·de, im Plural Kun·den. Als Nomen wird Kunde großgeschrieben. Des Kunden gehört zur maskulinen Personenbezeichnung, der Kunde kann unter anderem der Genitiv des femininen Wortes sein. Die Gegenbezeichnung wird Kun·din getrennt, der Plural Kun·din·nen. Die belegte Wortform enthält keinen Umlaut.

Redewendungen und feste Verbindungen

Der Kunde ist König

Die Wendung fordert, die Wünsche eines Kunden besonders ernst zu nehmen und guten Service zu bieten.

„‚Bei uns ist der Kunde König‘, sagt die Inhaberin und sucht eine passende Lösung.“

Das ist eine bildhafte Serviceformel. Sie beschreibt keine tatsächliche Herrschaft und bedeutet nicht, dass jeder Wunsch erfüllt werden muss.

Wortfamilie und verwandte Wörter

Zum Einkauf gehören Kundin, Kundschaft und Stammkunde. Die Wissensbedeutung lässt sich mit kundig und erkunden verbinden. Eine Kundin ist eine eigene Personenbezeichnung; sie gehört nicht als Kasusform in die Tabelle von Kunde.