angucken
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- angucken
- Worttrennung
- an·gu·cken
- Präsens
- guckt an
- Präteritum
- guckte an
- Partizip II
- angeguckt
- Hilfsverb
- haben
- Reflexiver Gebrauch
- zusätzliches Dativpronomen möglich: sich etwas angucken
- Trennbarkeit
- trennbar
- Ergänzungen
- jemanden oder etwas angucken (Akkusativ)
Umgangssprachlich. Das Perfekt lautet hat angeguckt. In ich gucke mir das Bild an ist mir Dativ, das Bild Akkusativ.
Angucken bedeutet umgangssprachlich ansehen: Man richtet den Blick auf jemanden oder etwas oder beschäftigt sich betrachtend damit. Man kann ein Foto angucken, jemanden fragend angucken oder sich eine Wohnung angucken. Das Wort ist im Gespräch geläufig, wirkt aber weniger förmlich als ansehen.
Blickrichtung und genaueres Betrachten
„Sie guckt ihn an“ beschreibt zunächst die Blickrichtung. Ein Zusatz wie erstaunt, prüfend oder freundlich erklärt, wie dieser Blick wirkt. Er beweist nicht, was die Person wirklich denkt. Eine genaue Beobachtung kann daher besser sein als eine weitreichende Deutung.
Mit einer Sache als Objekt kann angucken länger dauerndes Betrachten meinen. Wer sich eine Ausstellung anguckt, schaut nicht notwendig nur einen Augenblick hin. Auch ein Film kann angeguckt werden. Das Verb legt die Dauer und Gründlichkeit der Beschäftigung nicht allein fest.
„Ich gucke mir den Entwurf an“ kann außerdem ankündigen, ihn zu prüfen. Angucken ist jedoch noch kein Versprechen einer vollständigen Prüfung. Soll eine bestimmte Kontrolle erfolgen, ist ein genaueres Verb wie durchsehen oder überprüfen oft hilfreicher.
Passende Synonyme und ihre Grenzen
| Alternative | Passender Gebrauch | Bedeutungsunterschied |
|---|---|---|
| ansehen | Den Blick auf eine Person oder Sache richten | Neutrale Alternative für die meisten alltäglichen Verwendungen. |
| betrachten | Sich etwas mit dem Blick zuwenden | Kann bewusster oder länger wirken; passt weniger locker als angucken. |
| anschauen | Eine Person, einen Gegenstand oder einen Film ansehen | Im Alltag gut austauschbar; regionale und persönliche Sprachgewohnheiten spielen mit. |
| besichtigen | Eine Wohnung oder einen Ort gezielt ansehen | Setzt eine entsprechend geplante Betrachtung voraus, nicht bloß einen Blick. |
Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.
Beispielpaar 1: Eine Blickbewegung
Ausgangssatz: Mira guckt ihren Bruder fragend an.
Alternative: Mira sieht ihren Bruder fragend an.
Der Inhalt bleibt weitgehend erhalten. Ansehen wirkt neutraler. Aus dem fragenden Blick allein lässt sich nicht sicher ableiten, welche konkrete Frage Mira stellen möchte.
Beispielpaar 2: Ein geplanter Besuch
Ausgangssatz: Am Freitag gucken wir uns die neue Wohnung an.
Alternative: Am Freitag besichtigen wir die neue Wohnung.
Besichtigen macht den geplanten Zweck deutlicher. Die Alternative passt, wenn die Räume gezielt angesehen werden. Für einen flüchtigen Blick auf ein Wohnungsfoto wäre sie zu weitgehend.
Guckt an, guckte an, hat angeguckt
Angucken ist ein schwaches, trennbares Verb. Die angesehene Person oder Sache steht im Akkusativ: den Nachbarn oder das Bild angucken. Die umgangssprachliche Wortwahl verändert diesen Fall nicht.
Konjugation von angucken
Umgangssprachlich. Das Perfekt lautet hat angeguckt. In ich gucke mir das Bild an ist mir Dativ, das Bild Akkusativ.
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | gucke an | guckte an | gucke an | guckte an |
| du | guckst an | gucktest an | guckest an | gucktest an |
| er/sie/es | guckt an | guckte an | gucke an | guckte an |
| wir | gucken an | guckten an | gucken an | guckten an |
| ihr | guckt an | gucktet an | gucket an | gucktet an |
| sie/Sie | gucken an | guckten an | gucken an | guckten an |
Das Perfekt lautet hat angeguckt. In „Ich gucke mir das Bild an“ steht mir im Dativ, während das Bild Akkusativobjekt bleibt. Entsprechend heißt es „Du guckst dir das Bild an“. Nicht jede Verwendung braucht dieses zusätzliche Pronomen.
Angucken und anzugucken
Im Hauptsatz trennt sich an ab: „Wir gucken den Film an.“ Im Nebensatz steht „weil wir den Film angucken“. Der Infinitiv mit zu lautet anzugucken; das Partizip angeguckt. Die Buchstaben ck bleiben in allen Formen erhalten.
Passt das Wort zum Text?
In einem persönlichen Gespräch oder einer bewusst lockeren Erzählung ist angucken passend. In einer formellen Nachricht kann „Bitte sehen Sie sich die Unterlagen an“ stimmiger wirken. Es gibt aber keinen Grund, eine natürliche Figurenrede grundsätzlich förmlicher zu machen.
Wer aufmerksam hinsieht, bemerkt möglicherweise Einzelheiten; das bloße Angucken garantiert dies nicht. In einer Analyse sollten Wahrnehmung, Verstehen und Zustimmung deshalb getrennt bleiben. Weitere Verben stehen im Verbenwörterbuch.
