anvertrauen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- anvertrauen
- Worttrennung
- an·ver·trau·en
- Präsens
- vertraut an
- Präteritum
- vertraute an
- Partizip II
- anvertraut
- Hilfsverb
- haben
Anvertrauen bedeutet jemandem etwas im Vertrauen mitteilen oder in dessen Obhut geben. Man kann eine Sorge, einen Gegenstand oder die Betreuung eines Menschen anvertrauen. Wer sich jemandem anvertraut, öffnet sich ihm oder begibt sich vertrauensvoll in seine Fürsorge.
Mitteilung und Verantwortung
Bei einer persönlichen Mitteilung geht anvertrauen über das bloße Sagen hinaus. Die sprechende Person erwartet einen behutsamen Umgang. Eine Sorge muss dabei kein Geheimnis im strengen Sinn sein; entscheidend ist, dass die Mitteilung als persönlich und schutzbedürftig behandelt wird.
Bei einem Gegenstand steht die zuverlässige Aufbewahrung oder Verwendung im Vordergrund. Wer einer Nachbarin einen Schlüssel anvertraut, macht sie dadurch nicht zur Eigentümerin. Auch bei einer übertragenen Aufgabe bezeichnet das Wort das entgegengebrachte Vertrauen, nicht automatisch eine unbegrenzte Entscheidungsbefugnis.
Reflexiv kann eine Person sich jemandem anvertrauen. Das kann ein offenes Gespräch oder das vertrauensvolle Annehmen von Betreuung meinen. Anvertrauen beschreibt eine Haltung der gebenden Person. Ob das Vertrauen gerechtfertigt ist, bleibt eine eigene Frage.
Passende Synonyme und ihre Grenzen
| Alternative | Passender Gebrauch | Bedeutungsunterschied |
|---|---|---|
| im Vertrauen mitteilen | Eine persönliche Sorge anvertrauen | Macht die erwartete Zurückhaltung ausdrücklich; nicht für das Aufbewahren eines Gegenstands. |
| in Obhut geben | Einen Menschen oder Gegenstand anvertrauen | Betont Schutz und Verantwortung stärker als das persönliche Gespräch. |
| überlassen | Jemandem eine Aufgabe oder Sache anvertrauen | Weiterer Begriff; kann auch ohne besondere Vertrauensbeziehung geschehen. |
| sich öffnen | Sich einem Menschen anvertrauen | Passt zur persönlichen Mitteilung, nicht zwingend zur Betreuung oder Aufbewahrung. |
Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.
Beispielpaar 1: Eine Sorge aussprechen
Ausgangssatz: Mira vertraut ihrer Schwester die Sorge vor dem Umzug an.
Alternative: Mira teilt ihrer Schwester die Sorge vor dem Umzug im Vertrauen mit.
Die Umschreibung erhält die persönliche Offenheit. Mit „Mira verkündet die Sorge“ würden Öffentlichkeit und ein anderer Ton hinzukommen. Eine bestimmte Lösung der Sorge wird nicht behauptet.
Beispielpaar 2: Einen Gegenstand übergeben
Ausgangssatz: Für die Reise vertraut Ben seinem Nachbarn den Wohnungsschlüssel an.
Alternative: Für die Reise gibt Ben den Wohnungsschlüssel in die Obhut seines Nachbarn.
Die zweite Fassung betont die Verantwortung für den Schlüssel. Beide Sätze bedeuten weder Verkauf noch Schenkung. Welche Verwendung erlaubt ist, muss aus weiteren Absprachen hervorgehen.
Vertraut an, vertraute an, hat anvertraut
Anvertrauen ist ein schwaches, trennbares Verb. Es verbindet regelmäßig eine empfangende Person im Dativ mit einem anvertrauten Inhalt oder Gegenstand im Akkusativ.
Konjugation von anvertrauen
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | vertraue an | vertraute an | vertraue an | vertraute an |
| du | vertraust an | vertrautest an | vertrauest an | vertrautest an |
| er/sie/es | vertraut an | vertraute an | vertraue an | vertraute an |
| wir | vertrauen an | vertrauten an | vertrauen an | vertrauten an |
| ihr | vertraut an | vertrautet an | vertrauet an | vertrautet an |
| sie/Sie | vertrauen an | vertrauten an | vertrauen an | vertrauten an |
Das Perfekt lautet hat anvertraut, ohne zusätzliches ge. Es heißt jemandem etwas anvertrauen. Reflexiv steht das eigene Pronomen im Akkusativ: „Ich vertraue mich dir an.“ Mich bezeichnet die sich öffnende Person, dir den Empfänger im Dativ.
Anzuvertrauen ohne ge im Partizip
Im Hauptsatz steht „Sie vertraut ihm etwas an“, im Nebensatz „weil sie ihm etwas anvertraut“. Der zu-Infinitiv lautet anzuvertrauen. Die Form „angevertraut“ ist falsch: Das zugrunde liegende vertrauen bildet sein Partizip bereits ohne ge.
Vertrauen und Vertraulichkeit unterscheiden
Eine Person kann vertrauenswürdig wirken, ohne dass ihre Zuverlässigkeit schon belegt ist. In einer Erzählanalyse sollte deshalb zwischen Eindruck, Entscheidung und späterem Verhalten unterschieden werden.
Für eine Information erklärt vertraulich den begrenzten Empfängerkreis genauer. Wer praktische Absprachen trifft, sollte sagen, welche Weitergabe gewünscht ist. Anvertrauen allein benennt nicht jedes Detail. Weitere Verbindungen findest du bei den Verben.
