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Gewinn

Form & Grammatik

Substantiv
Stichwort
Gewinn
Worttrennung
Ge·winn
Artikel
der
Geschlecht
maskulin
Genitiv
des Gewinns / des Gewinnes
Plural
die Gewinne

Als persönliche Bereicherung gewöhnlich im Singular; mehrere Preise oder wirtschaftliche Ergebnisse: Gewinne.

Dativ Singular heute gewöhnlich: dem Gewinn; dem Gewinne ist eine ältere Form.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Gewinn bezeichnet je nach Zusammenhang einen finanziellen Überschuss, einen gewonnenen Geld- oder Sachpreis oder einen Nutzen, der jemanden bereichert. In Verbindungen wie der Gewinn des Turniers meint das Substantiv das erfolgreiche Gewinnen selbst.

Bedeutungen

1. Finanzieller Überschuss

Wer etwas verkauft, hat damit noch nicht automatisch Gewinn gemacht. Den Erlösen stehen Kosten gegenüber. Erst wenn nach Berücksichtigung dieser Kosten etwas übrig bleibt, entsteht in einer einfachen Rechnung ein Gewinn. Für genaue wirtschaftliche Berechnungen muss außerdem feststehen, welche Kosten und welcher Zeitraum gemeint sind.

„Unsere Klasse nimmt beim Kuchenverkauf 180 Euro ein. Die Zutaten kosten 65 Euro, weitere Kosten fallen nicht an. Der Gewinn beträgt 115 Euro.“

Das zeigt das Beispiel: 180 Euro sind die Einnahmen; 115 Euro bleiben nach Abzug der hier genannten Kosten. „Wir haben 180 Euro Gewinn gemacht“ wäre in dieser Rechnung falsch. Die Unterscheidung hilft auch bei Berichten über einen Flohmarkt oder eine Schulveranstaltung.

2. Preis bei einem Spiel

Bei einer Tombola kann ein Fahrrad, ein Gutschein oder ein Geldbetrag ein Gewinn sein. Das Wort bezeichnet hier den erhaltenen Preis. Ob die Person zuvor Geld für Lose ausgegeben hat, ändert zunächst nichts daran, dass dieser Preis ein Gewinn genannt wird. Eine persönliche finanzielle Bilanz wäre eine andere Frage.

„Lea holt ihren Gewinn am Stand ab: eine Zeichenmappe.“ Die Zeichenmappe ist ein Sachgewinn. Auf Losen kann Gewinn außerdem bedeuten, dass das betreffende Los gewinnt: „Unter den zehn Losen sind zwei Gewinne.“ Gemeint sind dann zwei gewinnende Lose, nicht zwei bereits abgeholte Gegenstände.

3. Nutzen oder Bereicherung

Ein Gespräch, eine Zusammenarbeit oder ein Buch kann einen Gewinn darstellen, ohne Geld einzubringen. Gemeint ist etwas, das Wissen, Möglichkeiten oder Erfahrungen erweitert. Diese Bedeutung wird gewöhnlich im Singular verwendet.

„Der Austausch mit der Parallelklasse war ein Gewinn für unsere Theatergruppe: Danach wussten wir, wie wir die schwierige Szene spielen konnten.“

Warum die Ergänzung wichtig ist: Sie macht den zunächst allgemeinen Nutzen sichtbar. Das Wort Gewinn allein verrät noch nicht, was die Beteiligten gelernt oder verbessert haben.

4. Erfolg im Wettbewerb

In der Gewinn der Meisterschaft bezeichnet Gewinn das Erringen des Erfolgs. „Nach dem Gewinn des Finales feierte die Mannschaft.“ Hier geht es um den Sieg im Finale. „Nach dem Gewinn des Pokals …“ richtet den Blick stärker auf die errungene Auszeichnung. Formen und weitere Bedeutungen des zugehörigen Verbs erklärt der Artikel gewinnen.

Synonyme: andere Wörter für Gewinn

Ein anderes Wort für Gewinn muss zur gemeinten Bedeutung passen. Überschuss, Preis, Bereicherung und Sieg sind untereinander keine beliebig austauschbaren Synonyme. Diese Übersicht hilft bei der Auswahl:

Geld nach Abzug der Kosten

Überschuss · Profit

Profit gehört in wirtschaftliche Zusammenhänge. Bei Überschuss sollte deutlich sein, welche Einnahmen und Kosten gegenübergestellt werden.

„Nach Abzug aller Kosten bleibt ein Gewinn von 40 Euro.“ → „Nach Abzug aller Kosten bleibt ein Überschuss von 40 Euro.“

Mit geändertem Satzbau ist auch das Adjektiv profitabel möglich: „Der Verkauf ist profitabel.“ Die genaue Höhe des Gewinns nennt dieser Satz allerdings nicht.

Etwas bei einem Spiel gewinnen

Preis · Sachpreis · Geldpreis

Der Preis ist hier eine gewonnene Auszeichnung oder Sache. Weil das Wort auch einen Kaufbetrag bezeichnet, muss der Spielzusammenhang erkennbar bleiben. Sachpreis und Geldpreis benennen genauer, was gewonnen wurde.

„Bei der Tombola erhält Mina ihren Gewinn: ein Brettspiel.“ → „Bei der Tombola erhält Mina ihren Sachpreis: ein Brettspiel.“

Etwas bringt einen persönlichen Nutzen

Bereicherung · Nutzen · Vorteil

Bereicherung hebt wertvolle Erfahrungen oder neue Sichtweisen hervor. Vorteil betont dagegen eine günstigere Situation.

„Der Austausch war ein Gewinn für unsere Gruppe.“ → „Der Austausch war eine Bereicherung für unsere Gruppe.“

Die Aussage lässt sich auch mit dem Verb bereichern ausdrücken: „Der Austausch hat unsere Gruppe bereichert.“ Dafür wird der Satz umgebaut; das Verb ersetzt nicht einfach das Substantiv.

Ein Spiel oder einen Titel gewinnen

Sieg · Erringen des Titels · Erfolg

Sieg im Finale bezeichnet den Wettbewerbserfolg; Erringen des Titels nennt das erreichte Ziel. Erfolg ist allgemeiner und kann auch ein gelungenes Vorhaben ohne Wettbewerb meinen.

„Nach dem Gewinn des Finales feierte das Team.“ → „Nach dem Sieg im Finale feierte das Team.“

Beim Beschreiben des Teams passt das Adjektiv siegreich: „Das siegreiche Team feierte.“ Ob der Sieg knapp oder deutlich ausfiel, bleibt dabei offen.

Gewinn oder Erlös? „Der Bücherstand erzielte einen Erlös von 90 Euro“ sagt für sich genommen noch nicht, welcher Betrag nach Kosten übrig blieb. Erlös ist deshalb kein sicherer Ersatz für den finanziellen Gewinn. Ebenso ist Umsatz nicht gleich Gewinn.

Gewinn oder Erfolg? Erfolg ist weiter gefasst: Auch eine gut besuchte Veranstaltung kann ein Erfolg sein, obwohl sie keinen finanziellen Gewinn erzielt.

Passende Gegenwörter

Das passende Gegenwort hängt ebenfalls vom Zusammenhang ab:

  • Verlust steht dem finanziellen Gewinn gegenüber. Sind die berücksichtigten Kosten höher als die Erlöse, bleibt kein Überschuss, sondern ein Verlust. Bei genau ausgeglichenen Beträgen entsteht weder Gewinn noch Verlust.
  • Niederlage passt zum Gewinn eines Spiels. Eine Mannschaft, die nicht gewinnt, hat aber nicht unbedingt verloren: Ein Spiel kann auch unentschieden enden.
  • Nachteil oder Schaden können den Gegensatz zu einem Nutzen ausdrücken. „Die neue Regelung ist kein Gewinn für uns“ behauptet zunächst nur, dass sie keine Bereicherung ist. „Sie ist ein Nachteil“ geht weiter und bewertet ihre Wirkung ausdrücklich negativ.
  • Niete ist bei einer Verlosung das Gegenstück zum gewinnenden Los. Das Wort bezeichnet hier ein Los ohne Gewinn und sollte nicht mit einem finanziellen Verlust gleichgesetzt werden.

Verwendung im Satz

Oft klärt erst die Ergänzung, wie Gewinn zu verstehen ist. Die folgenden Satzmuster lassen sich gezielt unterscheiden:

  • ein Gewinn von …: „ein Gewinn von 115 Euro“ nennt einen Betrag.
  • ein Gewinn für …: „ein Gewinn für die Schulgemeinschaft“ nennt die Begünstigten.
  • ein Gewinn an …: „ein Gewinn an Sicherheit“ benennt die Verbesserung.
  • der Gewinn des …: „der Gewinn des Turniers“ nennt das Gewonnene. In „der Gewinn des Unternehmens“ bezeichnet der Genitiv dagegen die Zugehörigkeit.

Ein Satz kann Begünstigte und Grund verbinden: „Das Projekt war ein Gewinn für die Klasse, weil auch zurückhaltende Kinder eigene Ideen vorstellten.“

Grammatik und Beugung

Gewinn ist ein männliches Substantiv: der Gewinn. Der Genitiv lautet des Gewinns oder des Gewinnes; beide Formen sind korrekt. Die Mehrzahl Gewinne passt etwa zu mehreren Tombolapreisen oder wirtschaftlichen Ergebnissen. Ein allgemeiner persönlicher Nutzen wird dagegen gewöhnlich nicht in einzelne „Gewinne“ aufgeteilt.

Gewinn deklinieren: die vier Fälle
FallSingularPlural
Nominativ: wer oder was?der Gewinndie Gewinne
Genitiv: wessen?des Gewinns / des Gewinnesder Gewinne
Dativ: wem?dem Gewinnden Gewinnen
Akkusativ: wen oder was?den Gewinndie Gewinne

Die gelben Markierungen zeigen die Beugungsendungen. Die ältere Dativform dem Gewinne ist möglich, wirkt heute aber altertümlich. Für gewöhnliche heutige Texte passt dem Gewinn. Die Worttrennung lautet Ge·winn, im Plural Ge·win·ne.

Der Gewinn oder das Gewinnen?

Das Gewinnen ist der substantivierte Infinitiv von gewinnen und hat den Artikel das: „Das Gewinnen ist ihm wichtiger als der Spaß.“ Hier steht die Tätigkeit im Mittelpunkt. „Der Gewinn liegt im Umschlag“ bezeichnet dagegen etwas Gewonnenes. Die beiden Substantive haben also unterschiedliche Artikel und sind nicht in jedem Satz austauschbar.

Schreibweise und Aussprache

Das Substantiv wird groß und mit zwei n geschrieben: der Gewinn, ein Gewinn, ohne Gewinn. Der Artikel kann also fehlen, ohne dass das Wort kleingeschrieben wird. Beim Sprechen liegt die Betonung auf der zweiten Silbe; das i klingt kurz. Die Kleinschreibung gewinn! gehört dagegen zum Verb: Sie ist eine mögliche Aufforderungsform von gewinnen.

Feste Verbindungen und Wendungen

Bei den folgenden Ausdrücken handelt es sich überwiegend um gebräuchliche Wortverbindungen. Sie müssen nicht bildhaft sein, um beim Verstehen und Schreiben hilfreich zu sein.

Gewinn erzielen

Bedeutung: einen finanziellen Überschuss erwirtschaften. „Mit dem Verkauf selbst gebastelter Karten erzielte die Klasse einen kleinen Gewinn.“ Die Verbindung mit dem Verb erzielen passt zu sachlichen Berichten. Umgangssprachlicher ist Gewinn machen. Bei einer Zahlenangabe sollte erkennbar sein, welche Ausgaben berücksichtigt wurden.

Etwas mit Gewinn lesen

Bedeutung: aus der Lektüre Erkenntnisse oder Anregungen gewinnen. „Ich habe das Gespräch mit der Autorin mit Gewinn gelesen: Jetzt verstehe ich die widersprüchliche Hauptfigur besser.“ Die Wendung klingt eher schriftsprachlich. Sie bewertet den Nutzen der Lektüre; sie behauptet keinen finanziellen Ertrag.

Ein Gewinn für jemanden sein

Bedeutung: eine wertvolle Bereicherung sein. „Unsere neue Torhüterin ist ein Gewinn für die Mannschaft, weil sie Ruhe ins Spiel bringt.“ Die Formulierung kann sich auf Menschen, Angebote oder Veränderungen beziehen.

„Haushoher Gewinn“ oder „haushoch gewonnen“? Wer einen sehr deutlichen Sieg beschreibt, kann sagen: „Die Mannschaft hat haushoch gewonnen.“ Die geläufige Verbindung mit dem Verb erläutert haushoch: Bedeutung und Verwendung. Ein „hoher Gewinn“ bezeichnet dagegen häufig einen großen Geldbetrag.

Herkunft und Wortfamilie

Die älteren Wortformen lauten althochdeutsch giwin und mittelhochdeutsch gewin. Das Substantiv gehört zu gewinnen; es bezeichnete Erlangtes oder einen Vorteil. Die heutige Bedeutung ist weiterhin breiter als „Geld verdienen“: Auch Wissen, Erfahrungen oder ein Titel können gewonnen werden. Zusammensetzungen wie Geldgewinn und Erkenntnisgewinn machen diese unterschiedlichen Zusammenhänge ausdrücklich. Ob etwas Geld oder einen anderen Nutzen bringt, beschreibt auch das Adjektiv gewinnbringend.