gewinnen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- gewinnen
- Worttrennung
- ge·win·nen
- Präsens
- er/sie/es gewinnt
- Präteritum
- er/sie/es gewann
- Partizip II
- gewonnen
- Perfekt
- hat gewonnen
- Hilfsverb
- haben
- Infinitiv
- gewinnen
- Reflexiver Gebrauch
- nicht fest reflexiv
- Trennbarkeit
- untrennbar
- Gebrauch
- starkes Verb; mit und ohne Akkusativobjekt, je nach Bedeutung
- Ergänzungen
- etwas gewinnen; gegen jemanden gewinnen; jemanden für etwas gewinnen; an etwas gewinnen
Konjunktiv II: gewänne / gewönne; Imperativ: gewinn! / gewinne! / gewinnt!
Definition · kurz erklärt
Gewinnen heißt, einen Wettbewerb für sich zu entscheiden, einen Preis zu bekommen oder etwas zu erlangen. Das Verb beschreibt auch, dass jemand Zustimmung findet, eine Eigenschaft zunimmt oder ein Stoff aus einem Ausgangsmaterial gewonnen wird. Welches andere Wort passt, entscheidet der Zusammenhang.
Bedeutungen
Einen Wettbewerb entscheiden oder einen Preis erhalten
Wer ein Rennen gewinnt, schneidet nach den Regeln besser ab als die anderen. Das kann an Leistung, Taktik oder Glück liegen. Bei einer Verlosung bedeutet gewinnen dagegen, einen ausgelobten Preis zu bekommen. Dafür muss niemand schneller, geschickter oder überzeugender sein.
„Mila gewinnt das Schachturnier.“
„Mila gewinnt bei der Tombola einen Rucksack.“
Der erste Satz nennt einen Wettbewerbserfolg, der zweite einen Losgewinn. Gewinnen allein erklärt noch nicht, wie der Erfolg zustande kam. In einem Bericht helfen deshalb Angaben wie durch einen entscheidenden Zug oder mit dem gezogenen Los.
Steht auf einem Plakat „Jedes Los gewinnt“, ist eine weitere Verwendung gemeint: Jedes Los bringt einen Preis. Das Los selbst nimmt an keinem Wettkampf teil.
Vertrauen, Erkenntnisse oder Vorteile erlangen
Man kann etwas gewinnen, ohne dass jemand anderes verliert: etwa Vertrauen, neue Einsichten oder mehr Zeit. Gemeint ist ein erreichter Vorteil oder eine Veränderung. Eine Forscherin gewinnt Erkenntnisse aus einer Untersuchung; eine neue Mitschülerin gewinnt das Vertrauen der Klasse. Das Ergebnis ist hier kein Gegenstand, den man überreicht bekommt.
Auch den Eindruck gewinnen gehört hierher: „Beim Lesen gewinne ich den Eindruck, dass die Erzählerin etwas verschweigt.“ Das kennzeichnet eine Wahrnehmung oder Schlussfolgerung. Es beweist noch nicht, dass die Erzählerin tatsächlich lügt. Gerade in einer Textanalyse hilft diese Unterscheidung zwischen Beobachtung und gesicherter Aussage.
Zustimmung und Unterstützung finden
Wer einen Menschen für ein Vorhaben gewinnt, erreicht dessen Zustimmung oder Unterstützung. „Die Klasse gewinnt einen Buchhändler als Sponsor“ nennt zugleich die Rolle, die er übernimmt. Das Verb beschreibt die Bereitschaft einer Person, sich auf eine Idee, Aufgabe oder Zusammenarbeit einzulassen.
„Mina gewinnt ihre Nachbarin für das Gartenprojekt.“
Die Nachbarin findet das Vorhaben nun unterstützenswert. Soll der Satz ausdrücken, dass sie tatsächlich mitarbeitet, lässt sich das konkretisieren: „Nach dem Gespräch mit Mina bietet die Nachbarin an, beim Anlegen der Beete zu helfen.“
Zunahme und Verbesserung
An etwas gewinnen bedeutet, dass eine Eigenschaft stärker wird: „Nach mehreren Vorträgen gewinnt Ben an Sicherheit.“ Er trägt nun sicherer vor. Der Satz besagt weder, dass er einen Wettbewerb gewonnen hat, noch dass er schon vollkommen sicher ist.
Ohne eine ausdrücklich genannte Eigenschaft kann das Verb auch eine Verbesserung meinen: „Der Lesesaal hat durch die neuen Fenster gewonnen.“ Der Raum wirkt nun beispielsweise heller oder einladender; der Zusammenhang zeigt, worin der Vorteil besteht.
Stoffe und Energie gewinnen
Bei Stoffen und Energie beschreibt gewinnen ihre Bereitstellung aus einem Ausgangsmaterial oder einer Quelle: „In der Saline wird Salz aus Sole gewonnen.“ Das meint ein Verfahren. Nicht jede Herstellung ist eine Gewinnung; ein zusammengesetztes Möbelstück wird beispielsweise hergestellt, gewöhnlich aber nicht aus Holz gewonnen.
Auch das Abbauen oder Fördern von Bodenschätzen heißt gewinnen, etwa bei Kohle.
Ein räumliches Ziel erreichen
In gehobener oder literarischer Sprache kann gewinnen bedeuten, an einen Ort zu gelangen, oft unter Mühe: „Nach langem Schwimmen gewann die erschöpfte Wanderin das Ufer.“ Sie erreicht das Land; von einem Sieg ist keine Rede. Davon zu unterscheiden ist Höhe gewinnen: „Das Flugzeug gewinnt an Höhe“ beschreibt normalsprachlich den Aufstieg.
Synonyme: andere Wörter für gewinnen
Ein einziges Synonym deckt nicht alle Bedeutungen von gewinnen ab. Wähle zuerst die gemeinte Aussage und passe anschließend den Satzbau an.
Wettbewerb
siegen · einen Sieg erringen · als Erster ins Ziel kommen
Siegen nennt den Erfolg im Wettbewerb. Einen Sieg erringen hebt die Anstrengung stärker hervor; als Erster ins Ziel kommen schildert das sichtbare Ergebnis eines Rennens.
„Die Läuferin gewinnt das Rennen.“ → „Die Läuferin kommt als Erste ins Ziel.“
Preis oder Auszeichnung
einen Preis erhalten · einen Preis bekommen
Beide Alternativen sind weiter gefasst: Sie verraten nicht, ob ein Wettbewerb, eine Verlosung oder eine Ehrung dahintersteht. Soll genau das erkennbar bleiben, ergänze den Anlass.
„Lea gewinnt einen Rucksack.“ → „Lea bekommt bei der Tombola einen Rucksack als Preis.“
Vertrauen
Vertrauen erwerben · sich Vertrauen verdienen
Erwerben klingt etwas förmlicher. Sich Vertrauen verdienen hebt hervor, dass das eigene Verhalten dieses Vertrauen rechtfertigt; das sagt gewinnen allein noch nicht.
„Durch verlässliche Absprachen gewinnt sie Vertrauen.“ → „Durch verlässliche Absprachen erwirbt sie sich Vertrauen.“
Unterstützung
jemanden von einer Idee überzeugen · jemanden zur Mitarbeit bewegen
Welche Alternative passt, hängt vom Ergebnis ab. Jemand kann eine Idee überzeugend finden, ohne mitzuarbeiten. Zur Mitarbeit bewegen benennt dagegen die erreichte Bereitschaft zur Beteiligung.
„Mina gewinnt die Nachbarin für den Gartenplan.“ → „Mina überzeugt die Nachbarin vom Gartenplan.“ Ob sie auch mithilft, bleibt offen.
Zunehmende Sicherheit
sicherer werden · zunehmend sicher auftreten
Die kürzere Formulierung sicherer werden eignet sich oft für einen leicht verständlichen Text. Sicher auftreten passt zum sichtbaren Verhalten, beispielsweise bei einem Vortrag; es bezeichnet nicht automatisch die innere Überzeugung.
„Ben gewinnt beim Vortragen an Sicherheit.“ → „Ben wird beim Vortragen sicherer.“
Stoffe und Rohstoffe
fördern · herauslösen · abscheiden
Fördern passt beispielsweise zu Kohle aus einem Bergwerk. Bei Salz können herauslösen oder abscheiden passen; entscheidend ist das tatsächliche Verfahren. Das allgemeinere herstellen nennt einen Herstellungsprozess, beschreibt aber nicht unbedingt eine Gewinnung aus einem Ausgangsmaterial.
„Das Bergwerk gewinnt Kohle.“ → „Das Bergwerk fördert Kohle.“
Räumliches Ziel
das Ufer erreichen · ans Ufer gelangen
Das Ufer gewinnen wirkt gehoben und kann Mühe mit ausdrücken. Die Alternativen sind neutraler; Anstrengung lässt sich bei Bedarf ausdrücklich ergänzen.
„Die Wanderin gewinnt das Ufer.“ → „Die Wanderin erreicht das Ufer.“
„Unsere Mannschaft gewinnt das Endspiel.“
„Unsere Mannschaft siegt im Endspiel.“
Beide Sätze können dasselbe Ergebnis beschreiben. Bei gewinnen steht hier ein Akkusativobjekt; bei siegen wird der Wettbewerb mit im angeschlossen. „Die Mannschaft siegt das Endspiel“ ist deshalb kein passender Ersatz.
Stilhilfe: Nicht jede Wiederholung muss verschwinden. In einem Ergebnisbericht darf gewinnen mehrfach stehen. Eine scheinbar abwechslungsreiche Alternative ist nur besser, wenn sie die Aussage erhält. Dominieren etwa beschreibt Überlegenheit im Spielverlauf; eine dominierende Mannschaft kann trotzdem verlieren.
Passende Gegenwörter
Im Wettbewerb lautet das Gegenwort verlieren: ein Spiel gewinnen oder verlieren. Vertrauen kann man verlieren oder einbüßen; wer es noch nicht gewonnen hat, muss es aber nicht bereits verloren haben. Zu an Sicherheit gewinnen passt an Sicherheit verlieren oder unsicherer werden. Bei Salz gewinnen oder das Ufer gewinnen gibt es dagegen kein einzelnes Gegenwort, das die jeweilige Aussage einfach umkehrt. Eine gescheiterte Gewinnung oder das Nichterreichen des Ufers muss genauer beschrieben werden.
Grammatik und Konjugation
Gewinnen ist ein starkes, untrennbares Verb. Die Stammformen lauten gewinnen – gewann – gewonnen, das Perfekt hat gewonnen. Der Stammvokal wechselt: i – a – o. Der Infinitiv mit zu heißt zu gewinnen. Die Worttrennung lautet ge·win·nen. Betont wird die Silbe win; das i klingt kurz. Die Aussprache lautet [ɡəˈvɪnən].
Gewann oder gewonnen? Gewann steht als gebeugte Vergangenheitsform allein: „Sie gewann gestern.“ Gewonnen ist das Partizip II und steht beispielsweise mit hat: „Sie hat gestern gewonnen.“ Die Verbindung „sie hat gewann“ ist nicht korrekt. In gewinnen, gewann und gewonnen bleibt das doppelte n erhalten.
Das Verb braucht kein festes Reflexivpronomen: Wir gewinnen ist ein vollständiger Satz. Je nach Bedeutung kommen unterschiedliche Ergänzungen hinzu.
| Muster | Beispiel |
|---|---|
| etwas gewinnen · Akkusativ | Wir gewinnen den Wettbewerb. |
| gegen jemanden gewinnen · gegen + Akkusativ | Sie gewinnt gegen den Favoriten. |
| jemanden für etwas gewinnen · für + Akkusativ | Wir gewinnen ihn für das Projekt. |
| an etwas gewinnen · an + Dativ | Der Vortrag gewinnt an Klarheit. |
| etwas aus etwas gewinnen · aus + Dativ | Die Anlage gewinnt Salz aus der Sole. |
Indikativ: die sechs Zeitformen
Die Markierungen zeigen Flexionsendungen. Ein veränderter Stammvokal gehört zum Stamm und wird nicht als Endung hervorgehoben. Bei zusammengesetzten Zeiten wird das Hilfsverb gebeugt.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | gewinne | gewann |
| du | gewinnst | gewannst |
| er/sie/es | gewinnt | gewann |
| wir | gewinnen | gewannen |
| ihr | gewinnt | gewannt |
| sie/Sie | gewinnen | gewannen |
| Person | Perfekt | Plusquamperfekt |
|---|---|---|
| ich | habe gewonnen | hatte gewonnen |
| du | hast gewonnen | hattest gewonnen |
| er/sie/es | hat gewonnen | hatte gewonnen |
| wir | haben gewonnen | hatten gewonnen |
| ihr | habt gewonnen | hattet gewonnen |
| sie/Sie | haben gewonnen | hatten gewonnen |
| Person | Futur I | Futur II |
|---|---|---|
| ich | werde gewinnen | werde gewonnen haben |
| du | wirst gewinnen | wirst gewonnen haben |
| er/sie/es | wird gewinnen | wird gewonnen haben |
| wir | werden gewinnen | werden gewonnen haben |
| ihr | werdet gewinnen | werdet gewonnen haben |
| sie/Sie | werden gewinnen | werden gewonnen haben |
Konjunktiv: gewinne, gewänne oder gewönne?
Der Konjunktiv I begegnet etwa in indirekter Rede: „Die Trainerin sagt, ihr Team gewinne häufig durch gute Zusammenarbeit.“ Der Konjunktiv II kann eine Vorstellung oder Bedingung ausdrücken: „Wenn unser Team gewänne, käme es ins Finale.“ Gewänne und gewönne sind beide richtig. Auch würde gewinnen ist eine gebräuchliche Formulierung.
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | gewinne | gewänne / gewönne |
| du | gewinnest | gewännest / gewännst / gewönnest / gewönnst |
| er/sie/es | gewinne | gewänne / gewönne |
| wir | gewinnen | gewännen / gewönnen |
| ihr | gewinnet | gewännet / gewännt / gewönnet / gewönnt |
| sie/Sie | gewinnen | gewännen / gewönnen |
| Person | Konjunktiv I · Perfekt | Konjunktiv II · Vergangenheit |
|---|---|---|
| ich | habe gewonnen | hätte gewonnen |
| du | habest gewonnen | hättest gewonnen |
| er/sie/es | habe gewonnen | hätte gewonnen |
| wir | haben gewonnen | hätten gewonnen |
| ihr | habet gewonnen | hättet gewonnen |
| sie/Sie | haben gewonnen | hätten gewonnen |
| Person | Konjunktiv I · Futur I | Konjunktiv II · würde-Form |
|---|---|---|
| ich | werde gewinnen | würde gewinnen |
| du | werdest gewinnen | würdest gewinnen |
| er/sie/es | werde gewinnen | würde gewinnen |
| wir | werden gewinnen | würden gewinnen |
| ihr | werdet gewinnen | würdet gewinnen |
| sie/Sie | werden gewinnen | würden gewinnen |
| Person | Konjunktiv I · Futur II | Konjunktiv II · würde + gewonnen haben |
|---|---|---|
| ich | werde gewonnen haben | würde gewonnen haben |
| du | werdest gewonnen haben | würdest gewonnen haben |
| er/sie/es | werde gewonnen haben | würde gewonnen haben |
| wir | werden gewonnen haben | würden gewonnen haben |
| ihr | werdet gewonnen haben | würdet gewonnen haben |
| sie/Sie | werden gewonnen haben | würden gewonnen haben |
Die letzten beiden Tabellen zeigen auch seltenere zusammengesetzte Formen. Welche Zeit gemeint ist, ergibt sich mit aus dem Satz: „Sie sagt, ihr Team werde bis dahin gewonnen haben“ stellt einen bis zu einem späteren Zeitpunkt abgeschlossenen Erfolg dar. „Ihr Team würde gewonnen haben, wenn …“ entwirft dagegen einen nicht eingetretenen Verlauf.
Imperativ, Infinitiv und Partizipien
| Form | Wortlaut |
|---|---|
| Imperativ · du | gewinn! / gewinne! |
| Imperativ · ihr | gewinnt! |
| Höfliche Aufforderung · Sie | Gewinnen Sie! |
| Infinitiv | gewinnen |
| Infinitiv mit zu | zu gewinnen |
| Partizip I | gewinnend |
| Partizip II | gewonnen |
Infinitiv und Partizipien heißen auch infinite Formen: Sie legen selbst keine grammatische Person fest. Gewinnend kann außerdem als Adjektiv eine sympathische, einnehmende Wirkung beschreiben, etwa in ein gewinnendes Lächeln. Diese Bedeutung ist von einem gerade errungenen Sieg zu unterscheiden.
Passiv je nach Bedeutung: „Das Endspiel wurde gewonnen“ ist ein Vorgangspassiv. In „Die Mannschaft hat gewonnen“ steht dagegen das Aktiv im Perfekt. Bei an Sicherheit gewinnen ist eine entsprechende Passivbildung nicht möglich.
Merke: Gewann erzählt von Vergangenem, hat gewonnen bildet das Perfekt, gewänne/gewönne den Konjunktiv II. Ein passendes Synonym wählst du nach der Bedeutung – und prüfst anschließend den Satzbau.
Redewendungen und feste Verbindungen
Haushoch gewinnen
„Die Mannschaft gewinnt haushoch“ bedeutet, dass sie deutlich überlegen siegt. Haushoch verstärkt den Abstand, nennt aber keinen festgelegten Punktestand. „Im Schulturnier gewinnt die Klasse 8b mit 8:0 haushoch“ macht die Bewertung durch das Ergebnis nachvollziehbar. Die Verbindung ist anschaulich und passt zu Sportberichten oder Gesprächen; ein sachliches Protokoll kann schlicht den Spielstand nennen. Mehr zu Bedeutung und Gegensätzen erklärt haushoch.
Zeit gewinnen
Wer Zeit gewinnt, verschafft sich zusätzlichen zeitlichen Spielraum: „Mit einer Rückfrage gewinnt Jona Zeit, um seine Antwort zu ordnen.“ Die Frage hält den Gesprächsverlauf kurz auf. Das kann sinnvoll sein oder absichtlich verzögern; die Wendung allein bewertet die Absicht nicht.
Die Oberhand gewinnen
Die Oberhand gewinnen heißt, stärker oder bestimmend zu werden. „Nach der Pause gewinnt die Heimmannschaft die Oberhand“ beschreibt ihre zunehmende Überlegenheit. Ein endgültiger Sieg steht damit noch nicht fest. Übertragen können auch Gefühle die Oberhand gewinnen: „Ihre Neugier gewinnt die Oberhand, und sie öffnet den Brief.“ Hier überwiegt die Neugier andere Beweggründe.
Jemanden für sich gewinnen
„Mit ihrer offenen Art gewinnt die neue Trainerin die Gruppe für sich.“ Die Gruppe begegnet ihr nun mit Sympathie oder unterstützt sie. Der Ausdruck kann auch persönliche Zuneigung meinen. Für sich gehört zu dieser Verbindung; daraus folgt nicht, dass gewinnen generell ein reflexives Verb wäre.
Wie gewonnen, so zerronnen
Die Redewendung kommentiert einen rasch erlangten und bald wieder verlorenen Vorteil: „Erst gewinnt Leo beim Spiel fünf Marken, dann verliert er sie im nächsten Zug: wie gewonnen, so zerronnen.“ Sie kann bedauernd oder mit einem Schulterzucken gebraucht werden. Sie ist keine Regel, nach der jeder schnelle Erfolg zwangsläufig vergeht.
Wortfamilie und Großschreibung
Wir gewinnen enthält ein Verb. In das Gewinnen macht Freude ist der Infinitiv substantiviert und wird großgeschrieben. Er bezeichnet den Vorgang. Das verwandte Substantiv der Gewinn kann einen Ertrag, einen Preis oder eine Bereicherung meinen. Es gehört zur Wortfamilie, ist aber nicht einfach eine andere Schreibweise des Verbs.
Vergleiche: „Beim Gewinnen jubelt die Mannschaft“ richtet den Blick auf das Geschehen. „Der Gewinn des Turniers macht sie stolz“ bezeichnet hier den erreichten Erfolg. In „Der Gewinn beträgt zweihundert Euro“ steht dagegen ein Geldbetrag im Mittelpunkt.
Bei „Wir hoffen, zu gewinnen“ bleibt das Verb klein; zu gewinnen schreibt man getrennt. In „Das ständige Gewinnen langweilt sie“ zeigt das Adjektiv ständige zusätzlich die substantivische Verwendung an. Auch das Fragewort hilft: Was langweilt sie? – das Gewinnen.
Herkunft
Das Wort geht auf althochdeutsch giwinnan zurück und ist im Mittelhochdeutschen als gewinnen belegt. Zur älteren Bedeutungsentwicklung gehören Anstrengung und Erlangen. Heute umfasst die Wortfamilie unter anderem Gewinn, Gewinner, Gewinnerin und Gewinnung.
