abschreiben
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- abschreiben
- Worttrennung
- ab·schrei·ben
- Präsens
- schreibt ab
- Präteritum
- schrieb ab
- Partizip II
- abgeschrieben
- Perfekt
- hat abgeschrieben
- Hilfsverb
- haben
- Trennbarkeit
- trennbar
- Ergänzungen
- etwas abschreiben (Akkusativ); von/aus einer Vorlage abschreiben (Dativ)
Abschreiben ist stark und trennbar. Das Perfekt wird mit haben gebildet. Häufig steht ein Akkusativobjekt: den Satz abschreiben. Die Vorlage kann mit von oder aus ergänzt werden: von der Tafel, aus einem Heft.
Abschreiben bedeutet, einen vorhandenen Text oder andere Angaben schriftlich zu übernehmen. Übertragen heißt es, jemanden oder etwas aufzugeben beziehungsweise nicht mehr mit Erfolg zu rechnen. In der Buchhaltung bezeichnet es eine Wertminderung, die rechnerisch berücksichtigt wird.
Übertragen ist nicht immer täuschen
Wer eine Notiz aus einem alten Heft in ein neues überträgt, schreibt sie ab. Diese Verwendung ist zunächst neutral. Auch das sorgfältige Übertragen einer Adresse oder einer selbst verfassten Liste gehört dazu. Das Verb legt weder einen Täuschungsversuch noch einen Rechtsverstoß fest.
Im Zusammenhang mit einer Prüfung oder einer als eigenständig verlangten Aufgabe kann abschreiben dagegen bedeuten, fremde Lösungen unerlaubt zu übernehmen. Die Bewertung ergibt sich aus der Aufgabe und den geltenden Regeln. Ein korrekt gekennzeichnetes Zitat und eine heimlich als eigene Leistung ausgegebene Lösung sind deshalb nicht dasselbe.
Wer eine Person abschreibt, rechnet nicht mehr mit deren Erfolg, Beitrag oder Rückkehr. Die Formulierung kann hart wirken, weil sie Möglichkeiten vorschnell für beendet erklärt. Sie beschreibt aber zunächst die Einschätzung einer anderen Person und beweist nicht, dass tatsächlich keine Chance mehr besteht.
Bei Gegenständen, Forderungen oder Vermögenswerten kann abschreiben eine buchhalterische Bedeutung haben. Gemeint ist dann eine rechnerische Berücksichtigung von Wertverlusten. Eine abgeschriebene Maschine muss nicht sofort unbrauchbar sein oder aus dem Betrieb entfernt werden. Sprachlich sind der angesetzte Wert und die tatsächliche weitere Nutzung auseinanderzuhalten.
Synonyme und Austauschgrenzen
| Alternative | Passender Sinn | Unterschied |
|---|---|---|
| schriftlich übertragen | Vorhandene Angaben erneut notieren. | Ist neutral und erklärt den Vorgang ausdrücklich. |
| kopieren | Einen vorhandenen Inhalt übernehmen. | Kann auch ein rein technischer Vorgang ohne eigenes Schreiben sein. |
| plagiieren | Fremde geistige Leistung als eigene ausgeben. | Enthält einen konkreten Vorwurf, der nicht bei jeder Abschrift zutrifft. |
| aufgeben | Nicht mehr auf jemanden oder etwas setzen. | Ist weiter gefasst; auch eine Tätigkeit lässt sich aufgeben, ohne jemanden abzuschreiben. |
Zwei eigene Satzpaare mit Erklärung
Eine neutrale Abschrift
Ausgangssatz: „Lea schreibt ihre handschriftliche Einkaufsliste in das gemeinsame Heft ab.“
Alternative: „Lea überträgt ihre handschriftliche Einkaufsliste schriftlich in das gemeinsame Heft.“
Beide Fassungen beschreiben eine geänderte Ablage desselben Inhalts. Plagiieren wäre hier unpassend: Es geht weder um eine fremde Urheberschaft noch darum, eine Leistung vorzutäuschen. Die bloße Wortähnlichkeit von Übernehmen und Täuschen reicht für diesen Vorwurf nicht aus.
Eine Möglichkeit zu früh ausschließen
Ausgangssatz: „Nach zwei schwachen Spielen schreiben die Zuschauer die junge Mannschaft schon ab.“
Alternative: „Nach zwei schwachen Spielen trauen die Zuschauer der jungen Mannschaft keinen weiteren Erfolg mehr zu.“
Die Umschreibung macht die Erwartung sichtbar. Der Satz sagt nicht, dass die Mannschaft tatsächlich verlieren wird. In einem sachlichen Bericht sollten beobachtete Ergebnisse und fremde Prognosen getrennt bleiben.
Schrieb ab und hat abgeschrieben
Abschreiben ist stark und trennbar. Das Perfekt wird mit haben gebildet. Häufig steht ein Akkusativobjekt: den Satz abschreiben. Die Vorlage kann mit von oder aus ergänzt werden: von der Tafel, aus einem Heft.
Konjugation von abschreibenGeprüfte Wortformen
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | schreibe ab | schrieb ab | schreibe ab | schriebe ab |
| du | schreibst ab | schriebst ab | schreibest ab | schriebest ab |
| er/sie/es | schreibt ab | schrieb ab | schreibe ab | schriebe ab |
| wir | schreiben ab | schrieben ab | schreiben ab | schrieben ab |
| ihr | schreibt ab | schriebt ab | schreibet ab | schriebet ab |
| sie/Sie | schreiben ab | schrieben ab | schreiben ab | schrieben ab |
| Form | Beispiel |
|---|---|
| Präsens | ich schreibe ab · du schreibst ab · sie schreibt ab |
| Präteritum | sie schrieb ab |
| Perfekt | sie hat abgeschrieben |
| Infinitiv mit zu | abzuschreiben |
| Imperativ | Schreib ab! · Schreibt ab! |
Abschrift und Abschreibung
Im Infinitiv steht ei, im Präteritum und Partizip ie: abschreiben, schrieb ab, abgeschrieben. Die Abschrift ist typischerweise ein übertragener Text; die Abschreibung gehört häufig zur wirtschaftlichen Bedeutung.
Ohne genanntes Objekt ist die Bedeutung dennoch aus dem Zusammenhang verständlich: In dieser Aufgabe darf niemand abschreiben. Wer dagegen nur Das ist abgeschrieben sagt, lässt offen, ob eine Textübernahme oder ein buchhalterischer Vorgang gemeint ist. Ein genauer Bezug verhindert Missverständnisse.
