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anfassen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
anfassen
Worttrennung
an·fas·sen
Präsens
fasst an
Präteritum
fasste an
Partizip II
angefasst
Hilfsverb
haben
Reflexiver Gebrauch
auch gegenseitig: sich an den Händen anfassen
Trennbarkeit
trennbar
Ergänzungen
jemanden oder etwas anfassen (Akkusativ)

Formen und Verwendung im Detail

Anfassen bedeutet, jemanden oder etwas mit der Hand zu berühren beziehungsweise zu ergreifen. Übertragen kann es auch den Umgang mit einer Person oder das Angehen einer Aufgabe bezeichnen. Berührung, Festhalten und Behandlung sind deshalb im jeweiligen Satz zu unterscheiden.

Berühren, greifen und eine Aufgabe angehen

Wer einen Stoff anfasst, berührt ihn möglicherweise nur kurz, um seine Oberfläche zu prüfen. Wer eine schwere Kiste an den Griffen anfasst, greift dagegen zu, um sie zu bewegen. Die Wortwahl allein legt die Dauer und Stärke des Kontakts nicht fest.

„Fass mich nicht an“ bezieht sich unmittelbar auf eine körperliche Berührung. Eine solche Aussage ist eine Grenze; sie darf nicht ohne Anlass in eine bildliche Redensart umgedeutet werden. „Sie fasst ihn mit Samthandschuhen an“ beschreibt hingegen einen besonders vorsichtigen, schonenden Umgang.

Bei einer Aufgabe wird anfassen bildlich gebraucht: „Wir müssen das Problem anders anfassen.“ Gemeint ist das Vorgehen. Ein Problem anzufassen bedeutet noch nicht, es schon gelöst zu haben. Auch hier helfen Ergänzungen: Wo beginnt die Bearbeitung, welche Schwierigkeit wird zuerst betrachtet?

Passende Synonyme und ihre Grenzen

Wörter im Zusammenhang vergleichen
AlternativePassender GebrauchBedeutungsunterschied
berührenEin kurzer oder leichter körperlicher KontaktBraucht keine Hand und kein Festhalten; deshalb weiter als anfassen.
ergreifenMit der Hand zufassenBetont das Zugreifen stärker als ein bloßes Fühlen der Oberfläche.
behandelnMit einer Person auf bestimmte Weise umgehenPasst zur übertragenen Umgangslesart, nicht automatisch zum körperlichen Kontakt.
angehenEine Aufgabe bearbeiten oder in Angriff nehmenPasst zur Vorgehensweise; sagt wie anfassen noch nichts über den Erfolg.

Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.

Beispielpaar 1: Eine Oberfläche prüfen

Ausgangssatz: Die Besucherin fasst den rauen Stoff kurz an.

Alternative: Die Besucherin berührt den rauen Stoff kurz mit der Hand.

Die Umschreibung bewahrt den Handkontakt. „Sie ergreift den Stoff“ würde ein deutlicheres Zugreifen nahelegen, etwa um ihn hochzuheben.

Beispielpaar 2: Eine Aufgabe bearbeiten

Ausgangssatz: Das Team will das unübersichtliche Problem anders anfassen.

Alternative: Das Team will das unübersichtliche Problem anders angehen.

Beide Sätze betreffen die Methode der Bearbeitung. „Lösen“ wäre ein Ergebnis und damit stärker. Die angekündigte Änderung des Vorgehens garantiert dieses Ergebnis noch nicht.

Fasst an, fasste an, hat angefasst

Anfassen ist ein regelmäßiges, trennbares Verb. Das berührte Gegenüber steht gewöhnlich im Akkusativ: den Stoff, die Kiste, mich anfassen. Bei einer Stelle am Gegenstand ist eine zusätzliche Angabe möglich: die Kiste an den Griffen anfassen.

Konjugation von anfassen
anfassen: einfache Aktivformen im Hauptsatz
PersonPräsensPräteritumKonjunktiv IKonjunktiv II
ichfasse anfasste anfasse anfasste an
dufasst anfasstest anfassest anfasstest an
er/sie/esfasst anfasste anfasse anfasste an
wirfassen anfassten anfassen anfassten an
ihrfasst anfasstet anfasset anfasstet an
sie/Siefassen anfassten anfassen anfassten an

Das Perfekt lautet hat angefasst. „Die Kinder fassen sich an den Händen an“ kann ein gegenseitiges Handfassen ausdrücken; sich bezieht sich dann auf die Beteiligten untereinander. Für eine eindeutige Beschreibung genügt oft „Die Kinder halten einander an den Händen“.

Anfassen mit ss

Die Schreibung lautet anfassen, mit zwei s, auch in fasste und angefasst. Im Hauptsatz heißt es „Sie fasst den Griff an“, im Nebensatz „weil sie den Griff anfasst“. Der Infinitiv mit zu lautet anzufassen. Das substantivierte Anfassen wird großgeschrieben: „Das Anfassen ist hier erlaubt.“

Die konkrete Handlung zeigen

In Erzählungen macht eine genauere Beschreibung die Szene anschaulich: Berührt eine Figur vorsichtig eine Schulter, greift sie nach einem Arm oder hält sie eine Hand fest? Diese Vorgänge können unterschiedliche Wirkungen haben. Ein respektvoller Umgang berücksichtigt außerdem erkennbare Grenzen; eine freundlich gemeinte Berührung ist nicht automatisch erwünscht.

In Arbeitsanweisungen hilft die Angabe der richtigen Stelle. „Fassen Sie das Bauteil am Griff an“ ist genauer als ein bloßes „Anfassen“. Bildliche Formulierungen sollte man in solchen Anleitungen vermeiden, wenn sie mit einem tatsächlichen Handgriff verwechselt werden könnten. Weitere Formen zeigt das Wörterbuch der Verben.