WORTWUCHS | Literaturlexikon

Dossier

Als Dossier wird eine Sammlung verschiedener Schriftstücke zu einem bestimmten Thema bezeichnet. Diese gebündelten Dokumente werden zumeist durch eine feste Hülle zusammengehalten. Ein solches Dossier enthält unterschiedliche Informationen zu dem jeweiligen Thema, wobei nicht vorgegeben ist, welche Informationen vereint werden. Demzufolge können Wirtschaftsberichte, Berichterstattungen, Protokolle, Abrechnungen, Aufsätze und Ähnliches im Dossier enthalten sein. Dieser Begriff meint außerdem eine Art Zeitungsartikel (Zeitungsdossier). Diese bereiten Informationen aus Akten auf, wobei außerdem eine Bündelung mehrerer Zeitungsartikel, Berichte, Interviews, Porträts oder Ähnlichem zu einem Thema in Zeitschriften (oft als Sonderbeilage) als Dossier benannt wird.

Der Begriff geht auf das französische Nomen dossier zurück und lässt sich mit Akte, Aktenbündel oder auch Sammelmappe übersetzen. Folglich beschreibt bereits die Übersetzung des Wortes, worum es grundsätzlich geht: nämlich die Bündelung einzelner Dokumente [zu einem bestimmten Thema]. Ein solches Dossier kann beispielsweise für die Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung einer Sache oder zur Funktionsfähigkeit einer Einrichtung erstellt werden. Häufig werden die einzelnen Dokumente in einem Abschlussbericht zusammengefasst und unter Umständen nach gewissen Kriterien für den späteren Leser erläutert.


Bild-Beispiel eines Dossier

Hinweis: Beispiel-Dossier, Bild: Follain Kiwi 2010, via Wikimedia Commons, CC BY 3.0


Geheimdossier

Vor allem in militärischen und staatlichen Zusammenhängen werden darüber hinaus Geheimdossiers erstellt, die in der Regel der Geheimhaltung unterliegen. Diese können psychologische Gutachten zu Politikern, aber auch Berichte über die Entwicklung eines Landes und Ähnliches umfassen.

Als beispielhafter Bestandteil eines solchen Geheimdossiers kann dabei ein Dokument angeführt werden, das vom Office of Strategic Services (OSS) 1943 über den Diktator Adolf Hitler angelegt wurde. Der Leiter des OSS, Donovan, beauftrage den Psychoanalytiker Walter C. Langer, ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen.

Hierfür befragte Langer zahlreiche Menschen, die in dieser Zeit aus dem Deutschen Reich in die USA kamen. Unter anderem gehörten dazu Eduard Bloch (Arzt der Mutter Hitlers), Ernst Hanfstaengl und der ehemalige Auslandspressechef der Nationalsozialisten sowie William Patrick Hitler. Aus den Angaben in ebendiesen Befragungen und einigen eigenen Untersuchungen erstellte Langer ein Profil des Diktators, das das wahrscheinliche Verhalten in der Zukunft umfasste und außerdem Bestandteil eines Dossiers war.

Auszug aus dem Geheimdossier über Hitler (Klappt beim Klicken auf!)
  • 1. Hitler könnte eines natürlichen Todes sterben. Das ist nur eine ganz entfernte Möglichkeit, denn, soweit wir wissen, ist er ganz guter Gesundheit, außer bei seinen Magenbeschwerden, die wahrscheinlich psychosomatische Ursachen haben.
  • 2. Hitler könnte Asyl in einem neutralen Land suchen. Das ist extrem unwahrscheinlich im Hinblick auf seine großen Sorgen um seine Unsterblichkeit. Nichts würde den Mythos wirkungsvoller zerstören als ein Führer, der im kritischen Moment davonrennt.
  • 3. Hitler könnte in einer Schlacht getötet werden. Das ist eine reale Möglichkeit. Wenn er überzeugt ist, dass er nicht gewinnen kann, könnte er seine Truppen in die Schlacht führen und sich als furchtloser und fanatischer Führer stilisieren. Das wäre von unserem Standpunkt aus das am wenigsten Wünschenswerte, weil sein Tod als Beispiel für seine Nachfolger dienen würde, ebenfalls mit fanatischer, todesverachtender Entschlossenheit bis zum bitteren Ende zu kämpfen.
  • 4. Hitler könnte ermordet werden. Obwohl Hitler extrem gut geschützt wird, besteht die Möglichkeit, dass ihn jemand ermordet. Hitler fürchtet diese Möglichkeit […] Sie ist ebenfalls von unserem Blickwinkel aus nicht wünschenswert, weil sie einen Märtyrer aus ihm machen würde und die Legende stärkt.
  • 5. Hitler könnte krank werden. Hitler hat viele Charakteristika, die an der Grenze zur Schizophrenie sind. Es ist möglich, dass seine Psyche zusammenbricht, wenn er mit der Niederlage konfrontiert ist. Das wäre eventuell aus unserer Sicht wünschenswert, denn es würde viel dazu beitragen, die Hitler-Legende in den Köpfen des deutschen Volkes zu unterminieren.
  • 6. Das deutsche Militär könnte revoltieren und ihn entmachten. Das scheint mit Blick auf die einzigartige Stellung, die Hitler im Bewusstsein des deutschen Volkes hat, unwahrscheinlich … Das deutsche Militär könnte aber im Angesicht der Niederlage beschließen, dass es weiser wäre, Hitler zu entthronen und eine Marionettenregierung für Friedensverhandlungen einzusetzen. Das würde wahrscheinlich große interne Zwistigkeiten in Deutschland hervorrufen.
  • 7. Hitler könnte in unsere Hände fallen. Das ist die unwahrscheinlichste Variante überhaupt.
  • 8. Hitler könnte Selbstmord begehen. Das ist das plausibelste Resultat. Er hat mehrmals gedroht, sich umzubringen; nach allem, was wir über seine Psyche wissen, ist dies die wahrscheinlichste Möglichkeit …

  • Was auch passiert, wir dürfen relativ sicher sein, dass Hitler immer neurotischer werden wird, je mehr Niederlagen Deutschland einstecken muss. Jede Niederlage wird sein Selbstvertrauen erschüttern und seine Möglichkeiten begrenzen, sich seine eigene Größe zu beweisen.
  • Als Konsequenz wird er sich gegenüber Angriffen aus den Reihen seiner Verbündeten mehr und mehr verletzlich zeigen und seine Wutanfälle werden sich häufen. Er wird vermutlich versuchen, seine Angreifbarkeit mit zunehmender Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit zu kompensieren. Seine öffentlichen Auftritte werden immer seltener, weil er unfähig ist, eine kritische Zuhörerschaft zu ertragen …
  • In jedem Fall wird sich sein geistiger Zustand weiter verschlechtern. Er wird so lange kämpfen wie er kann, mit jeder nur erdenklichen Waffe oder Technik, die ihm geeignet erscheint, den drohenden Untergang aufzuhalten. Der Kurs, dem er folgt, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einer, der ihm den Weg in die Unsterblichkeit ebnet und zur selben Zeit die Welt in Flammen aufgehen lässt.

Quelle: Walter C. Langer: „OSS-Geheimbericht über Adolf Hitler“. Washington D.C. 1943, Supplement S.1. Zitiert nach: Wolfgang Zdral: Die Hitlers. Die unbekannte Familie des Führers. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-593-37457-4, S.94.

Zeitungsdossier

In Bezug auf Zeitungen meint der Begriff zweierlei: so werden einerseits Zeitungsartikel, Berichte, Interviews, Porträts oder Ähnliches häufigigebündelt und unter einem Oberthema als Sonderbeilage veröffentlicht, wobei andererseits aufbereitete Artikel aus Aktenmaterial als Dossier gekennzeichnet werden.

Weiterhin kennzeichnen zahlreiche Onlineausgaben der gängigen Printmedien die virtuelle Bereitstellung von Beiträgen, die ursprünglich frei verfügbar waren und nun kostenpflichtig zu erwerben sind, als Dossier. Solche Sammlungen gibt es beispielsweise auf der Webseite der Süddeutschen Zeitung.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Dossier im Überblick


  • Gemeinhin ist ein Dossier die Sammlung diverser Dokumente zu einem Thema. Häufig findet sich in Dossiers ein Abschlussbericht, welcher die gesammelten Dokumente bewertet oder in einen urteilenden Zusammenhang bringt.
  • Vor allem in staatlichen Zusammenhängen werden sogenannte Geheimdossiers angefertigt. Diese können Persönlichkeitsprofile und Dokumente zur wirtschaftlichen sowie militärischen Entwicklung eines Landes umfassen oder ähnliche beinhalten, unterliegen dabei allerdings zumeist einer strikten Geheimhaltung und demnach einer hohen Sicherheitsstufe.
  • Als journalistische Textsorte meint der Begriff vornehmlich Sonderbeilagen zu einem bestimmten Thema, die aus ganz unterschiedlichem Material bestehen können oder auch aufbereitetes Archivmaterial sowie einst kostenlose Onlineinhalte, die nun kostenpflichtig sind.

  • Hinweis: Synonym zum Dossier können in der Regel die Begriffe „Akte, Aktenbündel sowie Aktensammlung, Archivalien, Dokumente, Faszikel, Konvolut, Schriftstücke und Unterlagen“ gebraucht werden, wobei mitunter die Verwendung geprüft werden sollte.