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Interpunktion

Als Interpunktion wird das Setzen von Satzzeichen oder Wortzeichen bezeichnet, um die syntaktische, inhaltliche sowie morphologische Struktur eines Textes deutlich zu machen. Ursprünglich wurden die Satzzeichen gesetzt, um Sprechpausen im Vortrag zu signalisieren oder ein schriftliches Erzeugnis zu gliedern. In lateinischer Literatur gab es tief-, mittel sowie hochgesetzte Punkte, die kurze, mittellange Pausen und das Satzende zeigten. Seit dem Mittelalter sind das Komma, Virgel und Semikolon belegt.

Der Begriff leitet sich aus dem Lateinischen ab (interpunctio) und lässt sich in etwa mit Trennung durch Punkte oder auch Zwischenpunkt übersetzen. Demzufolge verweist die Übersetzung recht eindeutig darauf, worum es bei der Interpunktion geht: nämlich um das Setzen von Punkten zur Trennung [und anderen Satzzeichen, um einen Satz zu syntaktisch gliedern]. Schauen wir zur Veranschaulichung auf ein Beispiel.


Walther sagte: Weiß ich nicht!“, und ging aus dem Zimmer.

Im obigen Beispiel finden sich fünf verschiedene Satzzeichen, die zum Zwecke der Interpunktion eingesetzt wurden. Im Satz gibt es den Doppelpunkt, die Anführungszeichen, das Komma und den Punkt am Ende des Satzes. Alle diese Zeichen folgen den Interpunktionsregeln des Deutschen.

Nach der Einleitung einer wörtlichen Rede steht immer, ohne Leerzeichen, ein Doppelpunkt. Darauf folgt stets ein Leerzeichen sowie die öffnenden Anführungszeichen, danach die wörtliche Rede selbst, die durch schließende Anführungszeichen beendet wird. Die Satzzeichen der wörtlichen Rede selbst bleiben dabei erhalten. Geht ein solcher Satz, wie im obigen Beispiel, anschließend weiter, muss ein Komma gesetzt werden, wobei der Satz mit dem Punkt endet. Die Interpunktionsregeln helfe uns beim Verständnis.


(1) Komm, wir essen, Oma!
(2) Komm wir essen Oma!

In diesem Beispiel dient die Interpunktion dazu, den Sinn zu klären. Werden die Kommata gesetzt (1), geht es lediglich um eine Aufforderung zum Essen, wohingegen im zweiten Satz auf die Kommata verzichtet wurde (2) und somit dazu aufgefordert wird, die eigene Oma zu verspeisen. Interpunktion kann also Leben retten.


(1) Frauen denken, Männer sind ohne sie nichts.
(2) Frauen, denken Männer, sind ohne sie nichts.

Hierbei verhält es sich ähnlich, wie auch im Beispiel zuvor. Die Satzzeichen verändern die grundsätzliche Aussage des Satzes und sind demzufolge unabdinglich, für ein korrektes Verständnis der eigentlichen Inhalts. Wird das Komma nach denken gesetzt (1), sagt der Satz aus, was Frauen denken, wird es nach Frauen und Männer gesetzt (2), beinhaltet er die Gedanken der Männerwelt. Die Interpunktion bestimmt also den Inhalt.

Interpunktion im Deutschen (Satzzeichen)

Fast jede Sprache hat unterschiedliche Regeln zur Interpunktion und teils eigentständige Satzzeichen. Dennoch gibt es eine große Schnittmenge dieser Zeichen, weshalb viele Zeichen, die es im Deutschen gibt, außerdem in anderen Sprachen Verwendung finden. Nachfolgend die Übersicht der Satzzeichen, die, mit einigen Ausnahmen, sowohl im Deutschen als auch in anderen Sprachen verwendet werden.

BezeichnungSatzzeichenFunktion
Anführungszeichen » « « »Steht vor und nach der wörtlichen Rede, kann Zitate kenntlich machen sowie einen Begriff einschränkend darstellen.
ApostrophIst ein Auslassungszeichen. Wird also dann gebraucht, wenn ein Buchstabe oder eine Buchstabenfolge in einem Wort ausgelassen wird.
AufzählungszeichenSteht jeweils am Beginn eines Eintrages der Aufzählung. Eine solche Aufzählung wird in der Regel als Textblock formatiert.
AuslassungspunkteZeigen an, das etwas ausgelassen wurde. Eine solche Auslassung wird in der Linguistik auch als Ellipse bezeichnet (vgl. Stilmittel).
Ausrufezeichen!Satzzeichen, das nach Ausrufe-, Wunsch- sowie Aufforderungssätzen, Ausrufewörtern und bedingten indirekten Fragen steht.
BindestrichDient zur Gliederung von einzelnen Wörtern oder der Verbindung von Wörtern. Wird teilweise eingesetzt, um zu lange Wörter aufzutrennen und so lesbarer zu machen (Bsp.:Dampfschiff-Fahrt).
DoppelbindestrichIst, wie auch der Bindestrich, ein Trennungszeichen. Wird zumeist für das Verbinden von Wörtern gebraucht, wenn der einfache Bindestrich als Trennzeichen genutzt wird.
Doppelpunkt:Wird einem Zitat, einer Aufzählung oder der wörtlichen Rede vorangestellt. Bei mathematischen Gleichungen gilt er als Geteiltzeichen.
Fragezeichen?Steht am Ende eines Fragesatzes. Wird ohne Leerzeichen an das letzte Wort des Fragesatzes geschrieben.
GedankenstrichWird dort gesetzt, wo in der gesprochenen Sprache eindeutige, längere Pausen entstehen. Wird für Einschübe gebraucht (vgl. Parenthese).
Hochpunkt·Hat im Griechischen die Funktion, die im Deutschen das Semikolon hat. Verbindet somit gleichrangige Sätze und trennt stärker als das Komma.
InterrobangVerbindung aus Ausrufezeichen und Fragezeichen. In der heutigen Zeit nicht gebräuchlich, allerdings in den 70ern populär.
Klammern () [] {} ⟨⟩Sondern einzelne Teile eines Satzes ab. Sie werden stets in Paaren verwendet, die öffnende Klammer zuerst, dann der Inhalt, dann die schließende Klammer. Dienen somit der Gliederung.
Komma,Dient zur Strukturierung eines Satzes. Trennt Haupt- von Nebensätzen und die Elemente einer Aufzählung. Weiterhin werden Appositionen und Nachstellungen durch das Komma vom Satz getrennt.
Leerzeichen Dient zur Abgrenzung der einzelnen Wörter sowie anderen Inhalten innerhalb eines Fließtextes.
Mittelpunkt·Hatt früher im Lateinischen die gleiche Funktion wie das heutige Leerzeichen, trennte also die Wörter voneiander. Auch in der Runenschrift war ein solcher Worttrenner gebräuchlich.
Punkt.Der Punkt markiert das Ende eines Aussagesatzes. Folgen drei Punkte aufeinander, wird das als Auslassungszeichen bezeichnet.
Schrägstrich/Zum Zwecke der Interpunktion wurden die Schrägstriche vornehmlich im Mittelalter verwendet und hatte eine ähnliche Funktion, wie das Komma heutzutage. (Im Beitrag zum Alexandriner findet sich ein Text, der Schrägstriche zur Strukturierung verwendet.)
Semikolon;Trennt gleichrangige Sätze voneinander. Bewirkt eine stärkere Trennung als das Komma, jedoch eine schwächere als der Punkt.
Übersicht: Das Wichtigste zur Interpunktion im Überblick

  • Interpunktion, auch Zeichensetzung genannt, meint das Setzen von Zeichen, um einen Text zu strukturieren. Die Interpunktion kann so die syntaktische, inhaltliche und morphologische Struktur des Textes deutlich machen.
  • Es gibt verschiedene Satzzeichen, die diese Funktion erfüllen können. Zu den gebräuchlichsten gehören wohl Punkt, Komma, Fragezeichen, Anführungszeichen, Leerzeichen, Doppelpunkt, Semikolon und der Apostroph. Seltener kommen Bindestrich, Gedankenstrich, Hochpunkt, Schrägstrich, Klammern sowie die Auslassungspunkte verwendet.

  • Hinweis: In der obigen Übersicht wurde das Interrobang angeführt. Dieses wird im Deutschen nicht benutzt und findet sich auch sonst kaum in Texten. Dennoch ist es ein Satzzeichen.

Stichwortverzeichnis