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Monophthong

Als Monophthong wird ein einfacher Vokal (a, e, i, o, u) benannt. Als Vokale werden Laute bezeichnet, bei deren Aussprache der Luftstrom des Sprechers nicht behindert wird, wie es bei den Konsonanten ist. Ein einfacher Vokal ist nun ein Laut, dessen Vokalqualität sich beim Sprechen nicht verändert. Die Formung des Sprechapparats bleibt beim Monophthong also gleich. Beim Dipthong ändert sie sich.

Begriff

Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab (μονόφθογγος ~ monóphthoggos). Das Wort wird aus mónos und phthóggos zusammengesetzt, die sich mit allein und Ton übersetzen lassen. Der Monophthong ist also ein Alleinton oder ein Laut, der allein tönt. Die Übersetzung verweist darauf, worum es prinzipiell geht: um einen Laut, der für sich allein steht [weshalb sich die Qualität des Vokals nicht ändert]. Ein Beispiel.


Monophthonge: a, e, i, o, u
Diphthonge: au, ei, ai, eu, äu, ui

Das Beispiel stellt Monophthonge sowie Diphthonge gegenüber. Sprechen wir die einzelnen Buchstaben und Buchstabenfolgen deutlich aus, könnte uns ein Unterschied im Mund auffallen. Werden diese einfachen Vokale gesprochen (a, e, i, o, u), bleibt die Formung des Sprechapparats gleich – die Lippen verändern sich bei der Artikulation nicht, der Kiefer bleibt gleich und im Mundraum gibt es keine Veränderung.

Werden allerdings die Diphthonge gesprochen, formen wir die einzelnen Laute. Da ein Dipthong aus zwei Vokalen besteht, werden diese Laute im Mund deutlich artikuliert. Wird beispielsweise ui gesprochen, ändert sich die Stellung der Lippen, der Mund öffnet sich während der Artikulation und der Sprechapparat bewegt sich. Die Vokalqualität verändert sich also, da der Laut an unterschiedlichen Orten artikuliert wird.

Vokaldreieck und Monophthonge

Eine Möglichkeit, die Vokalqualität der Monophthonge darzustellen, bietet das Vokaldreieck, das der deutsche Arzt Christoph Friedrich Hellwag 1781 im Zuge seiner Doktorarbeit vorschlug. Dieses Vokaldreieck gibt darüber Auskunft, wo die Vokale des Deutschen gesprochen werden.


Das Vokaldreieck zeigt, wo im Mund die einzelnen Vokale gesprochen werden und welche Stellung die Lippen einnehmen


Die obige Grafik zeigt eine mögliche Darstellung des Vokaldreiecks. Die Grundlage der Darstellung ist die Lage der Zunge. Beim a liegt die Zunge tief, bei den Spitzen, also i, u, ü ist sie höher und beim Sprechen von e, ö und o bewegt sie sich irgendwo dazwischen. Die Laute auf der linken Seite, werden vorn im Mundraum betont, die Laute rechts, im hinteren Bereich.

Die Grafik zeigt auch, wie weit der Mundraum geöffnet ist, wenn diese Vokale gesprochen werden. Beim a ist der Mundraum weit geöffnet, wohingegen er bei i, ü und u durch die Lippen beschränkt wird. Auch hierbei bewegen sich e, ö und o an einem Mittelwert der beiden Extrempunkte.

Diese unterschiedlichen Stellen im Sprechapparat und die Öffnung der Lippen bei der Artikulation wird nun als Vokalqualität bezeichnet. Es ist ersichtlich, dass ein u mit halbgeschlossenen Lippen gesprochen wird und außerdem sehr weit hinten. Diese Ausformung bleibt beim Sprechen identisch.

Sprechen wir nun aber einen Diphthong und verbinden beispielsweise die Laute a und u zu au, ändert sich die Vokalqualität insofern, als dass die Lippen aus der geöffneten Position in die halbgeschlossene wechseln. Die Vokalqualität wechselt demnach von einem offenen Laut zu einem geschlossenen Laut.

Monophthongierung

Einige der deutschen Monophthonge sind durch Monophthongierung aus Diphthongen entstanden. Im Laufe der Zeit hat sich also in Bezug auf einen Laut eine lautliche Veränderung. Eine solche Form des Lautwandels betrifft ausschließlich Vokale. Ihr gegenüber steht die Diphthongierung,

Im Deutschen lässt sich die Monophthongierung bereits seit dem 11. Jahrhundert nachzeichnen. Als Beispiele können die mittelhochdeutschen Wörter liep, guot oder süez betrachtet werden, die im Neuhochdeutschen lieb, gut und süß geschrieben werden. Wichtig ist nun, dass ie [ie], uo [uo] sowie üe [üe] als Diphthonge gesprochen wurden, also mit einer eindeutigen Änderung der Vokalqualität.

Im Zuge der frühneuhochdeutschen Monophthongierung ändert sich das aber. Die Laute bewirkten bei der Artikulation keinen Wechsel der Vokalqualität und wandelten sich zu ie [i:], u [u:] und ü [y:]

Übersicht: Das Wichtigste zum Monophthong im Überblick

  • Als Monophthong wird ein einfacher Vokal (a, e, i, o, u) bezeichnet, bei dessen Artikulation sich die Vokalqualität nicht verändert. Anders verhält es sich bei einem Diphthong. Hierbei ändert sich der Artikulationsort im Sprechapparat, wodurch die Qualität des Vokals wechselt.
  • Einiger dieser Laute waren ursprünglich Diphthonge, die sich im Zuge einer Monophthongierung zu Monophthongen wandelten (Merkworte: liebe guote brüeder zu liebe gute Brüder).