Die Hühnersprache ist eine Geheim- oder auch Spielsprache. Spielsprachen sind Abwandlungen einer vorhandenen Sprache, lassen sich folglich sehr leicht erlernen, sind aber zumeist unverständlich bei einem geübten Sprecher und klingen für Außenstehende oft nach Kauderwelsch. Die Hühnersprache basiert auf dem Austauschen der Vokale (a, e, i, o, u) eines Wortes durch ein festgelegtes Kürzel, die Konsonanten bleiben hierbei unangetastet. Die Sprache ähnelt demzufolge der Löffelsprache.

Es ist nicht geklärt, woher der Begriff stammt. Denkbar ist, dass das Wort aus einer abwertende Bezeichnung für Geplapper entstanden ist. Huhn und Hahn sind hierbei als scherzhafte Bezeichnungen für Frau und Mann zu werten, wobei die Spielsprache dann als Sprache ebendieser Hühner, also Frauen, zu verstehen ist. Die Vermutung ist aber in höchstem Maße spekulativ und somit nicht gesichert. Schauen wir auf ein Beispiel:


Die Hühnersprache anhand eines Beispiels - hierbei werden die Vokale ersetzt

Das obige Schaubild verdeutlich das Prinzip der Spielsprache. Dabei wurden die Vokale des Satzes Das ist spannend durch bestimmte Kürzel ersetzt. Hierbei gilt, dass nach einem Vokal der Buchstabe h eingefügt wird, dannn erneut der Vokal folgt, dann die Silbe def eingesetzt wird und abschließend erneut der Vokal gebraucht wird. Ein a wird demnach zu a – h – a – def – a, ein e zu e – h – e – def – e usw.

Alphabet der Hühnersprache

Wie beschrieben, werden die Vokale, auch Selbstlaute, in einem Satz umgeformt. Aus dern vorherigen Hinweisen ergibt sich folglich ein Alphabet, das ebenso zum Lernen der Sprache geeignet ist, wenn das Umformen im Kopf zu umständlich erscheint. Daraus ergibt sich das nachfolgende Muster.

BuchstabeHühnerspracheBuchstabeHühnersprache
aahadefaoohodefo
eehedefeuuhudefu
iihidefiAndere Buchstaben werden nicht ersetzt!
Hinweis: Mitunter existieren regionale Besonderheiten der Spielsprache. Teilweise wird sie außerdem mit der Löffelsprache oder der Räubersprache aus Kalle Blomquist, einem Kinderbuch von Astrid Lindgren, vermengt.

Anleitung: Hühnersprache lernen

Grundsätzlich ist es nicht schwierig, die Spielsprache zu lernen. Allerdings ist sie erst bei Sprechern, die sie fließend beherrschen, wirklich unverständlich. Es ist teils auch für Eingeweihte schwierig, die flüssige Sprechweise zu verstehen, da mitunter die einzelnen Wortgrenzen aufgehoben werden.

Grundsätzlich basiert die Sprache auf dem Austauschen von Vokalen. Das Schema lautet [Vokal] + h + [Vokal] + def + [Vokal]. Dieses Prinzip greift außerdem bei Umlauten (ä, ö, ü), wohingegen Diphthonge unterschiedlich behandelt werden. Entweder werden sie aufgetrennt, aus au wird also a + u oder sie werden anstatt der Vokale ins obige Muster übertragen. Auto wäre dann Au-h-au-def-au-o-h-o-def-o.

Gesprochen wird die Hühnersprache Silbe für Silbe. Dies erleichtert auch das gedankliche Umformen der einzelnen Elemente. Geübte Sprecher können die einzelnen Silben aber natürlich rasant verbinden, wobei in fraglichen Fällen das eigene Sprachgefühl entscheidend ist. Beispielsweise wird das Auto, welches in der Hühnersprache Auhaudefauohodefo heißt, so ausgesprochen: Au | hau | de | fau | o | ho | de | fo.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zur Spielsprache im Überblick

  • Die Hünersprache ist eine Spiel- oder Geheimsprache, welche sich vor allem bei Kindern großer Beliebtheit erfreut. Sie fußt auf dem Ersetzen von Vokalen, Umlauten sowie Diphthongen durch ein festgelegtes Buchstabenkürzel und klingt für Außenstehende meist unverständlich.
  • Da solche Spielsprachen vor allem auf dem Schulhof geprägt werden und keine kontrollierten Standardsprachen sind, unterliegen sie keinen eindeutigen Regeln. Somit gibt es Variationen oder auch Vermischungen mit anderen Spielsprachen, die ein ähnliches Konzept verfolgen.

  • Hinweis: Neben der Hühnersprache sind auch noch andere Spielsprachen verbreitet. Bekannt sind beispielsweise die Löffelsprache oder die Räubersprache aus dem Kinderbuch “Kalle Blomquist” der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren (1907 -2002).
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Hühnersprache
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001