Ora et labora ist ein lateinischer Ausspruch, der sich mit Bete und Arbeite! übersetzen lässt und seine Ursprünge im Spätmittelalter hat (vgl. Literaturepochen). Der Spruch kann als wesentlicher Grundsatz der Benediktiner gelten, einem Mönchsorden der römisch-katholischen Kirche. Grundsätzlich geht es hierbei darum, dass sich die Arbeit und das Gebet stets abwechseln, wobei angenommen wird, dass die Arbeit – wenn sie den Menschen fordert und dessen Begabungen zutage bringt – einen wichtigen Stellenwert im menschlichen Leben einnimmt und es darüber hinaus wesentlich ist, diesen äußeren Ertüchtigung im gleichen Maß den Rücken zuzukehren. Das Gebet ist hierbei jedoch nicht als Müßiggang zu werten, sondern eher als eine Form der inneren Arbeit.

Die Wortfolge ist Teil eines längeren lateinischen Satzes, der folgendermaßen lautet:„Ora et labora et lege, Deus adest sine mora“ und lässt sich mit Bete und arbeite und lies, Gott ist da ohne Verzug übersetzen. Dieses Ordensregel wird allerdings meist nur verkürzt wiedergegeben und in der Wortfolge ora et labora zusammengefasst. Dadurch geht aber ein Teil, der für das Verständnis notwendig ist, verloren.

Entscheidend ist nämlich, dem Ordensgründer Benedikt von Nursia (um 480-547) folgend, dass dieses Wechselspiel zwischen Arbeit und Gebet letzten Endes zu Gott führt und somit einen wesentlichen Glaubensgrundsatz umfasst. Wichtig ist, dass es nicht um einen Ausgleich zwischen Pflicht und dem Pflichtlosen geht, denn Benedikt hielt selbst fest, dass der Müßiggang […] der Feind der Seele [ist].

Viel eher geht es um ein Wechselspiel aus innerer und äußerlicher Arbeit, welches letzten Endes zur Begegnung mit Gott führt. Foglich bezeichnet der Sinnspruch Ora et labora den Glauben, dass der Weg zu Gott nur über das Gebet und die harte Arbeit führt. Eine ganz ähnliche Entprechung findet sich aber auch in der Bibel. So heißt es im 1. Buch Mose, also im ersten Buch der christlichen Bibel:


Im Schweiße Deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück (Gen 3,19 EU).


Im Jahr 529 verfasste der Ordensgründer Benedikt von Nursia ein Klosterregularium, das als Regula Benedicti (Benediktsregel) bezeichnet wird, und als Grundlage des Ordens der Benediktiner gilt. In dieser Schrift bündelte Benedikt zahlreiche Regeln, die den Alltag und das Leben im Orden klären sollten. Allerdings tauchte Ora et labora hierbei nicht auf. Allerdings beschreibt Benedikt im 48. Kapitel den regulären Tagesablauf der Mönche, wobei sich Handarbeit, Studium und gemeinschaftliches Gebet stets abwechseln und formuliert demzufolge indirekt den lateinischen Ausspruch Ora et labora.

In diesem Ausspruch – jedenfalls wenn er vollständig betrachtet wird – steckt allerdings auch noch die Forderung, sich mit Literatur oder zumindest mit dem geschriebenen Wort zu befassen. Benedikt brachte Büchern eine besondere Wertschätzung entgegen, wobei in der Folge sämtliche Mönche auch das Lesen und Schreiben erlernten und somit Zugang zur (Welt-)Literatur erlangten, wodurch sie Wissen in ganz unterschiedlichen Bereichen sammelten. Zahlreiche Mönchsorden widmeten sich daraufhin dem Abschreiben von Folianten und dem Aufbauen von Bibliotheken, wodurch sie das Wissen der Welt in Klosterbibliotheken und Scriptorien (in Klöstern befindlichen Schreibstube) konsertvierten.

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Ora et labora
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001