Der Schwank ist ein derbkomische Bühnenstück, das der Posse ähnelt. Schwänke sind oft volksnahe Erzählungen oder Theaterstücke, die von einer komischen Situation aus dem Volksleben berichten. In Schwänken begegnen sich meist zwei Figuren, wobei die eine der anderen tatsächlich oder auch nur scheinbar überlegen ist. Solche Paarungen ergeben sich beispielsweise zwischen schlauem Student und einfältigem Bauer oder Meister und Knecht. Der Schwank ist in der Regel in Prosa verfasst.

Der Begriff leitet sich vom mittelhochdeutschen Nomen swanc ab, was sich mit Schlag, Hieb oder auch schwingender Bewegung und lustiger Einfall übersetzen lässt. Die letztgenannte Bedeutung weist außerdem darauf hin, worum es grundsätzlich dabei geht: um einen lustigen Einfall [gezeigt in einer komischen Situation].

Hinweis: Im Folgenden möchten wir auf die wesentlichen Merkmale des Schwanks eingehen, wobei auch gezeigt wird, inwiefern sich das Ganze von anderen Formen abgrenzen lässt. Anschließend werden die Ursprünge und die Entwicklung erläutert, wobei ausgewählte Beispiele und Vertreter benannt werden.

Die wesentlichen Merkmale des Schwanks

  • Der Schwank ist meist eine kurze Erzählung, die von einer lustigen Situation oder Begegnung berichtet. Entweder wird er aufgeführt oder gelesen. Wird er aufgeführt, ähnelt er der Posse.
  • Schwänke sind in der Regel so angelegt, dass sie kurzweilig sind. Das bedeutet, dass das überraschende, witzige und pointenreiche Ende schnell und ohne Umwege erreicht wird.
  • Der Schwank zeichnet sich durch eine derbe Sprache aus und ist oft durch Umgangssprache gekennzeichnet. Häufig fallen dabei derbe Witze oder obszöne Ausdrücke. Dennoch fällt der Schwank nicht so vulgär und derb aus wie beispielsweise die Zote.
  • Schwänke leben von Charakter- und Situationskomik. Dies wird oftmals durch eine untypische Begegnung unterstrichen, wobei oftmals zwei Figuren aufeinander treffen, von denen die eine der anderen überlegen ist. Vollkommen gleich, ob aufgrund eines Machtverhältnisses, der finanziellen Situation oder anderen Maßstäben des Vergleichs.
  • Im Urtypus des Schwanks verhält es sich oftmals so, dass eine Figur (die unterlegene) von einer anderen (die überlegene) betrogen wird. Dabei wird beispielsweise ein Einfältiger übers Ohr gehauen. Später gab es allerdings auch Schwänke, wo sich das Schema änderte; plötzlich überlistet der zuerst Betrogene nämlich anschließend selbst den Betrüger.
  • Die Komik des Schwanks hatte selten einen intellektuellen Hintergrund. Oftmals begegnet uns hierbei Situationskomik. Anders verhält es sich beispielsweise bei der Anekdote, auch wenn diese dem Schwank ähnelt. Diese zeichnet sich nicht vor allem durch Situationskomik aus.
  • Der Schwank erlebte seine Hochzeit im Spätmittelalter und war außerdem im Barock beliebt. Im Barock bildete er eine Art Gegenpol zum Spiritualen oder der Sehnsucht nach dem Jenseits, was kennzeichnend für diese Epoche war (vgl. Literaturepochen).
  • Hinweis: Schwänke wurden sehr selten einzeln veröffentlicht, sondern in Schwanksammlungen. Beispiele sind Till Eulenspiegel, das Lalenbuch (Schildbürger), der Zyklus vom Pfaffen Amis.
  • Autoren sowie Schwanksammlungen und Schwankromane
    • Der Stricker (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts)
      • Der Pfaffe Amis (um 1240)
    • Hans Grüninger (1455 – 1532)
      • als Herausgeber: Ein kurtzweilig Lesen von Dyl Ulenspiegel, geboren uß dem Land zu Brunßwick, wie er sein leben volbracht hat (~ Till Eulenspiegel, um 1500)
    • Hans Sachs (1494 – 1576)
      • Schlaraffenland (1530)
      • St. Peter mit der Geiß (1555)
    • Johann Friedrich von Schönberg
      • vermutlich: Das Lalenbuch. Wunderseltsame, abenteuerliche, unerhörte und bisher unbeschriebene Geschichten und Taten der Lalen zu Laleburg (~ Die Schildbürger, 1597)

Form und Aufbau des Schwanks

Die Hochzeit des Schwanks war im Mittelalter. Hier finden sich die meisten und vielfältigsten Beispiele der Textsorte. Anfänglich wurden Schwänke allerdings noch nicht in Prosa erzählt, sondern bedienten sich eines Aufbaus in Versform. Die Form des Schwanks soll nachfolgend erläutert werden.

Im Spätmittelalter (~1250 – 1500) bediente sich der Schwank zumeist noch der Versform. Charakteristisch waren dafür vor allem viertaktige Verse. Ein Verstakt besteht aus einer Hebung und einer oder auch zwei Senkungen (vgl. Versmaß). Doch ob als Vers oder in Prosa, der Aufbau ist in vielen Fällen der folgende:

  • Typischer Aufbau eines Schwanks
    • Promythion (Einleitung)
    • Erzählung (tatsächliche Handlung)
    • Epimythion (Nachwort; oft lehrreich, moralisierend)

  • Hinweis: In einigen Schwanksammlungen findet sich ein Promythion, das für alle nachfolgenden Texte gilt, wobei diese oftmals selbst eigene Promythien haben. Das Epimythion ist allerdings immer dem Ende des Werkes vorbehalten. Im Aufbau ähnelt der Schwank somit grundsätzlich der Fabel.

Figuren in Schwänken

Im Schwank gibt es keine feste Figurenkonstellation. Allerdings gibt es bestimmte Kombinationen und Figurentypen, die uns in vielen Schwänken begegnen und so gewissermaßen zum Figurenrepertoire gehören. Es geht aber stets um das Gegeneinander zweier oder mehrerer Personen (-gruppen).

Zahlreiche Schwänke sind inhaltlich in den Bereichen Ehe und Sexualität angesiedelt. Dabei ergeben sich drei Möglichkeiten des Settings: Ehestreit, Ehebruch oder das Werben einer Frau durch außenstehende Figuren. Die typischen Charaktere wären hierbei Ehemann, Ehefrau, Liebhaber und Schürzenjäger. Dennoch sind allerhand Themen in Schwänken behandelt worden, weshalb die Figurenkonstellation nicht festgelegt ist.

Wesentlich ist, dass es in der Regel um zwei Personen oder Personengruppen geht, die stark gegensätzlich angelegt sind, wobei der / die eine dem / der anderen überlegen scheint und diesen sprichwörtlich übers Ohr haut. Denkbare Kombinationen sind hierbei Kleriker und Laie, Lehrer und Schüler, Herr und Knecht, kluger Student und einfältiger Bauer, Verführer und Naive.

Weiterhin ist nicht festgelegt, welcher Charakter schlussendlich als Sieger aus der Begegnung treten wird. Es gibt durchaus Beispiele, die zeigen, dass die unsozial oder auch negativ gezeichnete Figur am Ende als Sieger dasteht. Der entscheidende Punkt ist eher, dass der Sieger seinen Sieg durch eine besonders ausgeklügelte und kluge List errungen hat.

Beispiele für den Schwank

Nachfolgend möchten wir Ihnen ausgewählte Beispiele präsentieren, an denen sich die wesentlichen Merkmale und der Aufbau der Textsorte exemplarisch nachvollziehen lässt. Die Beispiele sind beide um Till Eulenspiegel angesiedelt und der bekannten Schwanksammlung um ihn entnommen.


Beispiel aus Till Eulenspiegel (Klappt beim Klicken auf!)

Die 29. Historie sagt, wie Eulenspiegel in Erfurt einen Esel in einem alten Psalter lesen lehrte.

Eulenspiegel hatte große Eile, nach Erfurt zu kommen, nachdem er in Prag die Schalkheit getan hatte, denn er befürchtete, daß sie ihm nacheilten.

Als er nach Erfurt kam, wo ebenfalls eine recht große und berühmte Universität ist, schlug Eulenspiegel auch dort seine Zettel an. Und die Lehrpersonen der Universität hatten von seinen Listen viel gehört. Sie beratschlagten, was sie ihm aufgeben könnten, damit es ihnen nicht so erginge, wie es denen zu Prag mit ihm ergangen war, und damit sie nicht mit Schande bestanden. Und sie beschlossen, daß sie Eulenspiegel einen Esel in die Lehre geben wollten, denn es gibt viele Esel in Erfurt, alte und junge. Sie schickten nach Eulenspiegel und sprachen zu ihm: »Magister, Ihr habt gelehrte Schreiben angeschlagen, daß Ihr eine jegliche Kreatur in kurzer Zeit Lesen und Schreiben lehren wollt. Darum sind die Herren von der Universität hier und wollen Euch einen jungen Esel in die Lehre geben. Traut Ihr es Euch zu, auch ihn zu lehren?« Eulenspiegel sagte ja, aber er müsse Zeit dazu haben, weil es eine des Redens unfähige und unvernünftige Kreatur sei. Darüber wurden sie mit ihm einig auf zwanzig Jahre.

Eulenspiegel dachte: Unser sind drei; stirbt der Rektor, so bin ich frei; sterbe ich, wer will mich mahnen? Stirbt mein Schüler, so bin ich ebenfalls ledig. Er nahm das also an und forderte fünfhundert alte Schock dafür. Und sie gaben ihm etliches Geld im voraus.

Eulenspiegel nahm den Esel und zog mit ihm in die Herberge »Zum Turm«, wo zu der Zeit ein seltsamer Wirt war. Er bestellte einen Stall allein für seinen Schüler, besorgte sich einen alten Psalter und legte den in die Futterkrippe. Und zwischen jedes Blatt legte er Hafer. Dessen wurde der Esel inne und warf um des Hafers willen die Blätter mit dem Maul herum. Wenn er dann keinen Hafer mehr zwischen den Blättern fand, rief er: »I – A, I – A!« Als Eulenspiegel das bei dem Esel bemerkte, ging er zu dem Rektor und sprach: »Herr Rektor, wann wollt Ihr einmal sehen, was mein Schüler macht?« Der Rektor sagte: »Lieber Magister, will er die Lehre denn annehmen?« Eulenspiegel sprach: »Er ist von unmäßig grober Art, und es wird mir sehr schwer, ihn zu lehren. jedoch habe ich es mit großem Fleiß und vieler Arbeit erreicht, daß er einige Buchstaben und besonders etliche Vokale kennt und nennen kann. Wenn Ihr wollt, so geht mit mir, Ihr sollt es dann hören und sehen.«

Der gute Schüler hatte aber den ganzen Tag gefastet bis gegen drei Uhr nachmittags. Als nun Eulenspiegel mit dem Rektor und einigen Magistern kam, da legte er seinem Schüler ein neues Buch vor. Sobald dieser es in der Krippe bemerkte, warf er die Blätter hin und her und suchte den Hafer. Als er nichts fand, begann er mit lauter Stimme zu schreien: »I – A, I – A!« Da sprach Eulenspiegel: »Seht, lieber Herr, die beiden Vokale I und A, die kann er jetzt schon; ich hoffe, er wird noch gut werden.«

Bald danach starb der Rektor. Da verließ Eulenspiegel seinen Schüler und ließ ihn als Esel gehen, wie ihm von Natur bestimmt war. Eulenspiegel zog mit dem erhaltenen Geld hinweg und dachte: solltest du alle Esel zu Erfurt klug machen, das würde viel Zeit brauchen. Er mochte es auch nicht gerne tun und ließ es also bleiben.

Beispiel aus Till Eulenspiegel

Die 46. Historie sagt, wie Eulenspiegel sich bei einem Schneider verdingte und unter einer Bütte nähte.

Eulenspiegel kam nach Berlin und verdingte sich als Schneidergeselle. Als er in der Werkstatt saß, sagte der Meister zu ihm: »Geselle, wenn du nähst, so nähe gut und nähe so, daß man es nicht sieht.« Eulenspiegel sagte ja, stand auf, nahm Nadel und Gewand und kroch damit unter eine Bütte. Er steppte eine Naht übers Knie und begann, darüber zu nähen. Der Schneider stand, sah das an und sprach zu ihm: »Was willst du tun? Das ist ein seltsames Nähwerk.« Eulenspiegel sprach: »Meister, Ihr sagtet, ich sollte nähen, daß man es nicht sieht; so sieht es niemand.« Der Schneider sprach: »Nein, mein lieber Geselle, höre auf und nähe nicht mehr also! Beginne so zu nähen, daß man es sehen kann!«

Das währte etwa drei Tage. Da geschah es am späten Abend, daß der Schneider müde wurde und zu Bett gehen wollte. Ein grauer Bauernrock lag noch halb ungenäht da. Den warf er Eulenspiegel zu und sagte: »Sieh her, mach den Wolf fertig und geh danach auch zu Bett.« Eulenspiegel sprach: »Ja, geht nur, ich will es schon recht tun.« Der Meister ging zu Bett und dachte an nichts Böses. Eulenspiegel nahm den grauen Rock, schnitt ihn auf und machte daraus einen Kopf wie von einem Wolf, dazu Leib und Beine und spreizte alles mit Stecken auseinander, daß es wie ein Wolf aussah. Dann ging er zu Bett.

Des Morgens stand der Meister auf, weckte Eulenspiegel und fand den Wolf im Zimmer stehen. Der Schneider war bestürzt, doch sah er wohl, daß es ein nachgemachter Wolf war. Unterdessen kam Eulenspiegel dazu. Da sprach der Schneider: »Was, zum Teufel, hast du daraus gemacht?« Er sagte: »Einen Wolf, wie Ihr mich geheißen habt.« Der Schneider sprach: »Solchen Wolf meinte ich nicht. Ich nannte nur den grauen Bauernrock einen Wolf.« Eulenspiegel sagte: »Lieber Meister, das wußte ich nicht. Hätte ich aber gewußt, daß so Eure Meinung war, ich hätte lieber den Rock gemacht als den Wolf.« Der Schneider gab sich damit zufrieden, denn es war einmal geschehen.

Nun ergab es sich nach vier Tagen, daß der Meister wieder abends müde war und gerne zeitig geschlafen hätte. Ihm dünkte jedoch, es sei noch zu früh, daß auch der Geselle zu Bett ging. Und es lag da ein Rock, der war fertig bis auf die Ärmel. Der Schneider nahm den Rock und die losen Ärmel, warf sie Eulenspiegel zu und sagte: »Wirf noch die Ärmel an den Rock und geh danach zu Bett.« Eulenspiegel sagte ja. Der Meister ging zu Bett, und Eulenspiegel hing den Rock an den Haken. Dann zündete er zwei Lichter an, auf jeder Seite des Rockes ein Licht, nahm einen Ärmel und warf ihn an den Rock, ging dann auf die andere Seite und warf den zweiten auch daran. Und wenn zwei Lichter heruntergebrannt waren, so zündete er zwei andere an und warf die Ärmel an den Rock die ganze Nacht bis an den Morgen.

Da stand sein Meister auf und kam in das Zimmer, aber Eulenspiegel kümmerte sich nicht um den Meister und warf weiter mit den Ärmeln nach dem Rock. Der Schneider stand, sah das an und sprach: »Was, zum Teufel, machst du jetzt für ein Gaukelspiel?« Eulenspiegel sagte ganz ernst: »Das ist für mich kein Gaukelspiel, ich habe diese ganze Nacht gestanden und die widerspenstigen Ärmel an diesen Rock geworfen, aber sie wollen daran nicht kleben. Es wäre wohl besser gewesen, daß Ihr mich hättet schlafen gehen heißen, als daß Ihr mich hießet, sie anzuwerfen. Ihr wußtet doch, daß es verlorene Arbeit war.« Der Schneider sprach: »Ist das nun meine Schuld? Wußte ich, daß du das so verstehen wurdest? Ich meinte das nicht so, ich meinte, du solltest die Ärmel an den Rock nähen.« Da sagte Eulenspiegel: »Das soll Euch der Teufel lohnen! Pflegt Ihr ein Ding anders zu nennen, als Ihr es meint, wie könnt Ihr das zusammenreimen? Hätte ich Eure Meinung gewußt, so wollte ich die Ärmel gut angenäht haben und hätte auch noch ein paar Stunden geschlafen. So mögt Ihr nun den Tag sitzen und nähen, ich will gehen und mich hinlegen und schlafen.« Der Meister sprach: »Nein, nicht also, ich will dich nicht als einen Schläfer unterhalten.«

So zankten sie miteinander. Und der Schneider sprach im Streit Eulenspiegel wegen der Lichter an: er solle ihm die Lichter bezahlen, die er ihm verbrannt hätte. Da raffte Eulenspiegel seine Sachen zusammen und wanderte davon.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Schwank im Überblick

  • Der Schwank ist eine epische Textsorte und begegnet uns als kurze, pointierte Erzählung oder als Bühnenstück, das vornehmlich auf Situations- und Charakterkomik basiert. Verwandt ist er mit der Posse, der Zote, der französischen Fabel, der Farce oder auch der Burleske.
  • Er dient nicht in erster Linie der Verspottung wie die Komödie, zielt nicht so sehr auf Heiterkeit wie das Lustspiel ab, hat nicht den derben Humor einer Posse, sondern bietet eher leichten Humor und ist somit eine Form der harmlosen Heiterkeit und unbeschwerter Fröhlichkeit.
  • Die Hochzeit des Schwanks war das Mittelalter. Hier finden sich außerdem Formen, die noch nicht in Prosa geschrieben sind, sondern aus Versen bestehen. Ein solcher Schwank konnte durchaus über 1000 Verszeilen umfassen.
  • Im 13. Jahrhundert wird die Gattung dann zur selbständigen epischen Kleinform, wobei sie vermehrt den lehrhaften Charakter ablegt und immer stärker zu einem Ausdruck des neuen bürgerlichen Selbstbewusstseins avanciert.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Schwank
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001