WORTWUCHS | Literaturlexikon

Enallage

Die Enallage ist eine Sonderform der Hypallage und ein sprachliches Stilmittel, das eine Verschiebung der Wortbeziehungen innerhalb eines Satzes meint. Das bedeutet, dass sich ein Wort innerhalb eines Satzes nicht auf das logische Beziehungswort bezieht, sondern auf ein anderes. Sehr häufig werden dabei Adjektive grammatisch einem Wort oder Wortbestandteil zugeordnet, zu denen sie inhaltlich nicht gehören. Die Enallage dient demnach zumeist der Ausschmückung der Sprache.

Der Begriff leiten sich aus dem Griechischen ab (ἐναλλαγή) und lässt sich in etwa mit Vertauschung. Demnach verweist bereits diese Übersetzung darauf, worum es hierbei grundsätzlich geht: nämlich um das Vertauschen (bzw. Verschieben) der Wortbeziehungen innerhalb eines Satzes. Schauen wir auf einige Beispiele:


Ich liebe das blaue Lachen ihrer Augen.

Im obigen Beispiel bezieht sich das Eigenschaftswort (Adjektiv) blau auf das regierende Substantiv Lachen. Logischerweise müsste es sich aber auf die Augen beziehen, die ganz verschiedene Farben haben könnten (blau, braun, grün usw.). Demzufolge wurde die logische Ordnung der Wortbeziehungen gebrochen, wobei das Adjektiv einem Wort zugeordnet wurde, zu dem es inhaltlich nicht gehört. Noch ein Beispiel:


In baldiger Erwartung ihrer Antwort.

Dieser Beispielsatz ähnelt dem vorherigen und könnte aus einer gedankenlosen Umgangssprache stammen. Es wird das Adjektiv baldig, das in etwa in kurzer Zeit erfolgend bedeutet, dem Nomen Erwartung zugeordnet. Allerdings kann nur die Antwort in kurzer Zeit erfolgen, wohingegen das Wort nicht zur Erwartung passt. Auch hierbei wurde die logische Wortbeziehung aufgebrochen. Ein abschließendes Beispiel:


Ich habe das Haus gekauft und
bin jetzt dreistöckiger Hausbesitzer.

In diesem Beispiel wird ebenso ein Adjektiv auf ein Substantiv bezogen, das inhaltlich nicht zu diesem passt. Logischerweise und dem Inhalt folgend, müsste sich das Eigenschaftswort auf das Haus selbst und nicht auf den Besitzer beziehen. Diese könnte beim besten Willen nicht vier Stockwerke haben. Da dieser Bruch der Wortbeziehungen allerdings vollzogen wird, spricht man auch in diesem Fall von einer Enallage.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zur Stilfigur im Überblick


  • Die Enallage ist ein Stilmittel der Rhetorik. Die meint den Umstand, dass sich innerhalb eines Satzes oder in benachbarten Sätzen mit einem inhaltlichen Bezug einzelne Wörter, meist Adjektive, nicht auf ihr Beziehungswort, sondern auf ein anderes Substantiv beziehen.
  • Die Enallage ist eine Form der Hypallage. Sie meint (1) die Veränderung der Wortbeziehungen (revolutionärer Geist statt Geist der Revolution), (2) eine Metonymie oder (3) tatsächlich eine Enallage. Die Begriffe werden selbst in einschlägigen Lexika mitunter vermengt.

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