WORTWUCHS | Literaturlexikon

pittoresk

Bedeutung

Das Adjektiv pittoresk bedeutet malerisch und umschreibt so, dass eine Sache, zumeist Landschaften, Aussichten oder ganz allgemein Umgebungen, so traumhaft schön ist, als wäre sie von einem Maler gemalt worden. Auch das Gesamtbild selbst kann als pittoresk beschrieben werden. Das Wort ist Teil der gehobenen Sprache und in der Umgangssprache selten.

Häufig wird das Wort gebraucht, um hervozuheben, wie schön sich die gesamte Erscheinung einer Sache darstellt. Sie wirkt dann so, als wäre sie von einem Künstler gemalt worden oder eignete sich, in einem Kunstwerk festgehalten zu werden.

Zumeist werden größere Ansichten mit dem Wort beschrieben, die viele Details aufweisen, die scheinbar perfekt aufeinander abgestimmt sind und in der Erscheinung künstlerisch wertvoll wirken, weshalb oft von pittoresken Orten und Architekturen gesprochen wird, aber eher selten von pittoresken Lebewesen oder Gebrauchsgegenständen, wenn sie sich nicht wie gemalt in ein Gesamtbild einordnen und so das pittoreske Bild prägen.

Umgangssprachlich wird das Fremdwort teils fälschlicherweise synonym zu niedlich gebraucht. Gemeint ist hierbei allerdings dennoch, dass eine Sache so spielerisch platziert erscheint, als dass sie künstlerisch wertvoll, wie von einem Maler erschaffen, in der Welt platziert wurde und dann auch pittoresk wirkt.

Das Adjektiv leitet sich vom französischen pittoresque ab, das sich gleichbedeutend mit malerisch übersetzen lässt, jedoch auch originell bedeuten kann. Dieses geht wiederum auf das italienische pittoresco zurück, das sich vom Nomen pittore für Maler ableitet und auf das lateinische pictor zurückgeht.

Populär wird das Wort vor allem im 18. Jahrhundert, also in der Romantik, als es teils sogar synonym zu romantisch gebraucht wurde, um Landschaften oder auch Ansichten zu beschreiben. Zweiteres erhielt in der Folge aber eine viel tiefere Bedeutung und bezog sich dann vor allem auf das Wechselspiel zwischen Landschaft und betrachtendem Individuum.

Zeitgleich, um 1782, wurde der Begriff picturesque von William Gilpin in die englische Kulturdebatte eingeführt. Gilpin meint hiermit ein ästhetisches Ideal, das letztlich beschreibt, dass der Ausschnitt einer Landschaft dazu geeignet sei, in ein Bild eingefügt zu werden. Er hielt dazu an, die "Landschaft nach den Regeln der malerischen Schönheit zu untersuchen".

Kurzum: das Wort erfuhr ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert nicht nur in der allgemeinen Sprache eine weitere Beachtung, sondern erhielt darüber hinaus auch künstlerisch eine erhöhte Relevanz, so dass die Verbreitung auf vielen Ebenen zunahm.

Gleichermaßen prägte die zunehmende Verwendung das Wort in der Alltagssprache. So gelten viele Dinge als pittoresk, wenn sie scheinbar "geeignet" sind, in ein Bild eingefügt zu werden oder insgesamt wie ein solches wirken.

Demnach ist die Verwendung des Wortes vielfältig und meint letzten Endes doch immer nur, dass eine Sache malerisch erscheint, was dann synonym zu bildschön zu verstehen ist, was aber eben auch immer eine subjektive Beurteilung des Betrachters darstellt und nur selten objektiv gelten kann.

1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München 1997
2. Quelle: Ngram Viewer

Beispiele

Wie sich die gepflasterten Gassen durch die alte Ortschaft schlängelten, wie die kleinen Fenster und Türen in die schiefen, aber bunten Häuser eingelassen waren, und wie zauberhaft gedrungen sie dort standen. All das war pittoresk.
Und auch die hölzerne Brücke, die pittoresk über das kleine Gewässer führte, hatten die Täter heftig demoliert. Sie lag im Wasser. Die [...] Gartenlandschaft ein [...] Trümmerfeld.
Christiane Bracht, "Giftanschlag auf Gartenteich"
Die pittoreske Altstadt Venedigs bezaubert seit Jahrhunderten die Menschen auf der ganzen Welt und alljährlich strömen Tausende in die Stadt und werden in ihren Bann gezogen.
Die Landschaft war einfach pittoresk. All die kleinen Orte, die an den Hängen der Berge lagen wirkten so, als hätte sie ein Maler bedächtig dort platziert.
Seit den Fünfzigerjahren strickten Schlager mit am Mythos von blauem Meer, pittoresken Städtchen und mondänem Leben. Achtung, Ohrwurmgefahr!
spiegel.de, "Komm ein bisschen mit ..."

Grammatik

Starke Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativpittoreskerpittoreskespittoreskepittoreske
Genitivpittoreskenpittoreskenpittoreskerpittoresker
Dativpittoreskempittoreskempittoreskerpittoresken
Akkusativpittoreskenpittoreskespittoreskepittoreske
Schwache Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativder
pittoreske
das
pittoreske
die
pittoreske
die
pittoresken
Genitivdes
pittoresken
des
pittoresken
der
pittoresken
der
pittoresken
Dativdem
pittoresken
dem
pittoresken
der
pittoresken
den
pittoresken
Akkusativden
pittoresken
das
pittoreske
die
pittoreske
die
pittoresken
Gemischte Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativein
pittoresker
ein
pittoreskes
eine
pittoreske
keine
pittoresken
Genitiveines
pittoresken
eines
pittoresken
einer
pittoresken
keiner
pittoresken
Dativeinem
pittoresken
einem
pittoresken
einer
pittoresken
keinen
pittoresken
Akkusativeinen
pittoresken
ein
pittoreskes
eine
pittoreske
keine
pittoresken

Synonyme

  • arkadisch
  • beschaulich
  • bildschön
  • bukolisch
  • elysisch
  • friedlich
  • friedvoll
  • hübsch
  • idyllisch
  • lauschig
  • malerisch
  • märchenhaft
  • paradiesisch
  • romantisch
  • schön
  • traumhaft
  • traumhaft schön
  • verträumt
  • wie gemalt
  • wunderschön