WORTWUCHS | Literaturlexikon

sukzessiv

Bedeutung

Das Adjektiv sukzessiv bedeutet allmählich und schrittweise, wobei es beschreibt, dass sich eine Sache Schritt für Schritt entwickelt, wenn auch in einem langsamen, fortschreitenden Tempo. Das Wort beschreibt Prozesse und Entwicklungen.

Folglich könnte etwa das Heranwachsen einer Tomatenpflanze als sukzessiver Prozess bezeichnet werden und in diesem Sinn haben wir es auch mit einem sukzessiven Rückbau deutscher Atomkraftwerke zu tun. Diese Beispiele zeichnen sich dadurch aus, dass der Vorgang oder eben die biologische Entwicklung allmählich und stückweise - kontinuierlich - voranschreitet.

Wichtig ist, dass es darüber hinaus das Adverb sukzessive gibt. Dieses ist grundsätzlich gleichbedeutend, ist allerdings in Bezug auf die Rechtschreibung eine Betrachtung wert.

Wird das Wort als Adjektiv gebraucht, bezieht es sich oft auf ein Nomen, selten auf ein Pronomen, und passt sich dann an den Kasus, Genus und Numerus des Nomens an (ein sukzessiver Prozess, die sukzessiven Prozesse ..., s. Tabelle).

Wird das Wort als Adverb gebraucht, ist es unveränderlich. Das bedeutet, es bleibt immer als sukzessive erhalten und bezieht sich dann auf ein Verb und beschreibt es näher (das Geschäft verbessert sich sukzessive, die Geschäfte verbessern sich sukzessive ...). Es passt sich also nicht an Kasus, Numerus sowie Genus eines Nomens im Satz an (vgl. Wortarten).

Wenn die Wortarten in einem Satz bestimmt werden sollen, muss allerdings nicht nur die Wortendung geprft werden, sondern stets der Umstand, worauf sich das Wort bezieht. Beispielsweise heißt es:"eine sukzessive Entwicklung", aber natürlich wird das Wort hier nicht als Adverb gebraucht, sondern bezieht sich als Adjektiv eindeutig auf das Wort Entwicklung, wohingegen es sich im Satz:"Die Entwicklung verläuft sukzessive." auf das Verb verlaufen bezieht.

    Nomen     Adjektiv     Adverb

Die
Grafik
zeigt
einen
sukzessiven
Prozess.

Der
Prozess
verläuft
sukzessive

Die
Grafik
zeigt
einen
sukzessive
verlaufenden
Prozess.

Diese Darstellung verdeutlicht den unterschiedlichen Gebrauch des Adjektivs sukzessiv und des Adverbs sukzessive. Im ersten Beispielsatz wird das Wort als Adjektiv gebraucht und passt sich deshalb an das Nomen Prozess an.

Im zweiten Beispiel bezieht sich sukzessive auf das Verb verlaufen und wird demnach als Adverb gebraucht und folglich auch nicht an eine andere Wortart angepasst. Die unveränderliche Grundform des Adverbs ist hierbei sukzessive.

Im dritten Beispiel wird dann vor allem der Unterschied zwischen Adjektiv und Adverb deutlich. Das Verb verlaufen wird hier als Adjektiv gebraucht, dass sich an das Nomen anpassen muss, wohingegen sukzessive als Adverb feststehend ist und sich somit nicht anpasst. Auch nicht, wenn sich das Nomen ändert (Bsp.: Die Grafik zeigt zwei sukzessive verlaufende Prozesse.).


Das Wort ist vor allem seit dem 18. Jahrhundert im Deutschen gebräuchlich, wohingegen es zuvor Seltenheitswert hatte. Es wurde bis ins 17. Jahrhundert bisweilen noch sukzessivisch geschrieben, wobei das Adverb sukzessive früher gebräuchlich war. Vermutlich seit dem Ende des 15. Jahrhunderts.

Dieses leitet sich vom lateinischen Adjektiv successive ab, das sich mit später in der Folge oder nachfolgend übersetzen lässt und vom lateinischen succedere für nachfolgen ableitet.

Eine stark erhöhte Verbreitung erfuhr das Fremdwort dann im auslaufenden 19. Jahrhundert in deutschen Texten, wurde in der Folge seltener verwendet und ist vor allem seit den 1960er Jahren häufiger in deutschsprachigen Quellen zu finden.

In jedem Fall ist allersdings festzuhalten, dass die Verwendung des Wortes als Adverb um ein Vielfaches üblicher ist.

1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München 1997
2. Quelle: Ngram Viewer

Beispiele

Das Heranwachsen eines Baumes ist ein sukzessiver Prozess, der Zeit braucht, aber bei den richtigen Bedingungen unaufhaltsam und kontinuierlich voranschreitet.
Kreutzer inszeniert diese sukzessive Verunsicherung nicht als Kontrast zum tristen Bild europäischer Wirtschaftsroutine.
Frédéric Jaeger, "Ausgetrickst"
Ein sukzessiver Friedensprozess ist keine gute Lösung. Dort leben immer noch Menschen in Not und Terror und deshalb ist eine schleichende Lösung wohl nicht der effektivste Ansatz.
Der DAX folgt seit einigen Monaten einem sukzessiven Abwärtstrend und Anleger sollten überlegen, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen und ihre Anlagen umzuschichten.
Solange die Ursachen von Armut und sozialem Abstieg auf die Figur des Ausländers projiziert werden können, gelingt es einer kleinen Elite, sukzessive Regulierungen abzubauen und sich zu bereichern.
Dominik Piétron, Anne Löscher, "Von wegen Alternative"

Grammatik

Starke Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativsukzessiversukzessivessukzessivesukzessive
Genitivsukzessivensukzessivensukzessiversukzessiver
Dativsukzessivemsukzessivemsukzessiversukzessiven
Akkusativsukzessivensukzessivessukzessivesukzessive
Schwache Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativder
sukzessive
das
sukzessive
die
sukzessive
die
sukzessiven
Genitivdes
sukzessiven
des
sukzessiven
der
sukzessiven
der
sukzessiven
Dativdem
sukzessiven
dem
sukzessiven
der
sukzessiven
den
sukzessiven
Akkusativden
sukzessiven
das
sukzessive
die
sukzessive
die
sukzessiven
Gemischte Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativein
sukzessiver
ein
sukzessives
eine
sukzessive
keine
sukzessiven
Genitiveines
sukzessiven
eines
sukzessiven
einer
sukzessiven
keiner
sukzessiven
Dativeinem
sukzessiven
einem
sukzessiven
einer
sukzessiven
keinen
sukzessiven
Akkusativeinen
sukzessiven
ein
sukzessives
eine
sukzessive
keine
sukzessiven

Synonyme

  • allmählich
  • aufeinander folgend
  • im Lauf der Zeit
  • in Etappen
  • in kleinen Schritten
  • kleinweise
  • langsam
  • mit der Zeit
  • nach und nach
  • peu à peu
  • sachte
  • scheibchenweise
  • schleichend
  • Schritt für Schritt
  • schrittweise
  • sequentiell
  • stufenweise
  • Stück für Stück