Als Absolutismus, auch absolute Monarchie, wird eine Herrschaftsform in Monarchien bezeichnet. Die Monarchie meint eine Staatsform, bei der ein Adliger das Staatsoberhaupt ist und somit die Spitze der Ämterhierarchie innerhalb des Staates einnimmt und den Staat nach außen und innen repräsentiert. Dieses Amt hat der Adlige auf Lebzeiten – oder bis zu seiner Abdankung – inne, wobei es ihm entweder durch Geburt oder Wahl verliehen wird. Dabei gibt es verschiedene Formen der Monarchie, die die Machtbefugnisse des Staatsoberhauptes festlegen: in einer parlamentarischen Monarchie ist die Macht recht gering, da die wesentlichen Staatsgeschäfte vom Parlament geführt werden; in einer konstitutionellen Monarchie wird die Macht des Monarchen durch eine Verfassung beschränkt; in einer absoluten Monarchie werden sämtliche Angelegenheiten des Staates durch den Adligen geführt, weshalb seine Macht als vollkommen bezeichnet werden kann und nicht durch ständische oder demokratische Institutionen eingeschränkt wird. Im Absolutismus ist folglich eine einzige Person der Träger der Staatsgewalt, dessen Macht von keiner anderen Person kontrolliert wird. Der Absolutismus war zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) und der Französischen Revolution (1789) die verbreitetste Herrschaftsform in Europa.

Die Herrschaftsform kristallisierte sich demnach vor allem zwischen dem Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit heraus (vgl. Renaissance) und ist dann vor allem im Barock und in der Aufklärung die bestimmende Form der Herrschaft, wobei es mitunter schwierig ist, die Monarchien im Mittelalter vom folgenden Absolutismus abzugrenzen, da sich einzelne Elemente unterschiedlich ausprägten.

Der wesentliche Unterschied ist, dass das Spätmittelalter vom Feudalismus geprägt war. Im Feudalismus erhielt ein Grundherr von einem höhergestellten Adligen ein Stück Land (inklusive der Bewohner) und schuldete dem Adligen dafür Kriegsdienste: er wurde so zum Vasallen des Adligen. Der Grundherr erhielt dafür die wirtschaftlichen Nutzungsrechte, wobei ihm die Bewohner, welche das Land bewirtschaften „durften“, Arbeitsdienste schuldeten (Fron) und zur Naturalienabgabe verpflichtet waren (Zehnt).

Der Monarch stand in diesem feudalen System an der Spitze: er vergab Land an die Kronvasallen, die es dann an Untervasallen aufteilten, die es wiederum von unfreien Bauern bearbeiten ließen. Der König selbst war hierbei – dem Verständnis im Mittelalter folgend – selbst ein Vasall, da er Gott ungeordnet war und war somit das Oberhaupt aller anderen Vasallen, hatte aber keinen unmittelbaren Zugang zu seinen Untertanen, die von ihren Grundherren abhängig waren und diesem die Treue schworen.

Weiterhin kam es vor, dass das Land der Vasallen nicht mehr an den Lehnsherren zurückging, sondern von deren Nachfolgern verwaltet wurde, wodurch es faktisch zum erblichen Besitz der Vasallen wurde. Das bedeutet, dass das Feudalsystem schrittweise zum Verfall der könglichen Macht führte: war sich nämlich ein Kronvasall der Treue seiner Untervasallen sicher, konnte er unabhängig vom König über das Land verfügen. Somit verloren die Monarchen Macht an den Adel. Das änderte sich im Absolutismus.

Im Absolutismus beansprucht der Monarch sämtliche Macht für sich. Er ist dabei keiner Kontrollinstanz unterworfen und steht somit sogar über den Gesetzen, die er selbst erlässt, wobei – was im Feudalismus anders ist – keine Interessen des Adels berücksichtigt werden mussten. In der Folge konnte der Adel auch keinerlei Macht auf den König ausüben. Um ebendies zu gewährleisten, lebte der Adel selbst am Hof, wodurch er kontrolliert und jegliche adligen Machtansprüche neutralisiert werden konnten.

Entstehung des Absolutismus

In seiner vollen Ausprägung entstand der Absolutismus im Frankreich des 17. Jahrhunderts und löste hierbei das beschriebene Feudalsystem gänzlich ab. Die Macht wurde auf den Monarchen konzentriert, wohingegen der Einfluss des Adels stufenweise beschnitten und dann vollständig neutralisiert wurde. Diese Veränderungen erfolgten Schritt für Schritt und nicht schlagartig.

Als Beispiel für den absoluten Herrscher wird in der Regel Ludwig XIV. angeführt, dessen Minister und Vorgänger den Absolutismus in Frankreich vorbereiteten und der ihn selbst als Monarch umsetzte. Ludwig XIV. prägte das Bild des Absolutismus über 60 Jahre und zahlreiche europäische Herrscher eiferten ihm nach. Folglich entstanden nach dem französischen Vorbild entstanden im restlichen Europa absolute Monarchien, die aber allesamt nicht so umfassend wie der französische Absolutismus waren.

Ludwig XIV.: ein absoluter Herrscher

Ludwig XIV. wurde am 5. September 1638 geboren, wobei er schon im Jahr 1643, also als Vierjähriger, den Thron erbte, da sein Vater Ludwig XIII. verstarb. Allerdings stand er anfangs unter der Regentschaft seiner Mutter Anna von Österreich. Diese bestätigte jedoch umgehend Kardinal Jules Mazarin als Premierminister von Frankreich, der die Regierungsgeschäfte des Landes übernahm und den jungen Ludwig zielgerichtet auf die spätere Rolle als absolutistischer Herrscher vorbereitete. Wesentlich ist hierbei, dass Mazarin vor allem das Bestreben und die Politik seines Vorgängers, Kardinal Richelieu, fortsetzte: nämlich das Herausdrängen des Hochadels aus den hohen Gremien und Räten des Königreiches, um die Staatspolitik von den Interessen des Adels zu befreien.

Mazarin führte somit die Geschäfte des Königs und galt als großes Talent in der Politik. Aus diesem Grund unterwies er auch Ludwig in der Staatsführung und trieb darüber hinaus die Zentralisierung der Staatsgewalt voran. Dieser Zentralismus gilt als ein wesentliches Merkmal des Absolutismus. Prinzipiell geht es darum, dass die Macht auf den König konzentriert und dadurch der Personenverbandsstaat (Abhängigkeitsverhältnis zwischen Lehnsherren und Vasallen) abgeschafft wurde (vgl. L’état c’est moi).Kardinal Mazarin, Ludwig XIV., Anna von Österreich

Bild: Kardinal Jules Mazarin, Ludwig XIV. als Kind, Anna von Österreich (von links nach rechts)


Nach dem Tod Mazarins am 9. März 1661 übernahm nun Ludwig selbst die Geschäfte und setzt dessen Bestreben der Zentralisierung in absoluter Konsequenz um und vollendete dadurch das System des französischen Absolutismus. So verkündete er nämlich dem Staatsrat, dass er fortan keinen Leitenden Minister mehr bestimmen sowie die Staatsangelegenheiten fortan in die eigene Hand nehmen würde. Darüber hinaus entließ er zahlreiche Mitglieder des Staatrates, weshalb an den folgenden Sitzungen nur noch die wichtigsten der einstigen Minister teilnehmen durften.

Namentlich waren das Jean-Baptiste Colbert, dessen Sohn Jean-Baptiste Antoine Colbert und Michel Le Tellier sowie dessen Sohn François Michel Le Tellier. Diese Minister waren nun die engsten Berater Ludwigs. Die zentralen Aufgaben, denen sie sich stellten, waren die Förderung von Wissenschaft und Wirtschaft, ein enormer Ausbau der Flotte und Armee sowie der starke Umbau der französischen Bürokratie. Diese Vorhaben zielten vor allem darauf ab, die Macht des Monarchen Ludwigs zu festigen und die Aufgaben des Staatsapparats stärker zu zentralisieren (siehe: Säulen der Macht im Absolutismus).

Säulen der Macht im Absolutismus

Ludwig XIV. hatte nun viele Dinge in die Wege geleitet, um den Einfluss des Adels zu reduzieren und die Macht auf sich selbst zu vereinen. Darüber hinaus bediente er sich ganz bestimmter Strukturen, die dieses Vorhaben unterstützten und die Macht des Königs festigten. Man spricht hierbei von Machtsäulen, die die Herrschaft des absoluten Monarchen untermauern.

Diese Machtsäulen sind das stehende Heer, die Justiz und Polizei, eine Verwaltung mit dem König an der Spitze, die Bindung des Adels an den Hof, die Staatskirche (Klerus) sowie der Merkantilismus, eine Wirtschaftspolitik, die charakteristisch für den Absolutismus und die streng auf das Wohl der Finanzen ausgerichtet ist. Für ebendieses Wohl waren beinahe alle Mittel und Wege recht.

1. Stehendes Heer

Eine der wichtigsten Säulen, um die Macht des Monarchen zu sichern, war das stehende Herr. Während des Dreißigjährigen Krieges machten viele Herrschende schlechte Erfahrungen mit Söldnern, die je nach Bedarf angeheuert wurden, um dann für den jeweiligen Landesherrn in den Krieg zu ziehen oder Schlachten zu führen. Problematisch war vor allem, dass Söldner von jeder Partei beschäftigt werden konnten und zumeist nur danach strebten, den besten Schnitt zu machen: sie waren also käuflich.

Ludwig brauchte allerdings ein stehendes Heer, also Soldaten, die dauernd unter Waffen standen und damit jederzeit einsatzbereit waren. Dieses war deshalb wesentlich, um Aufstände seiner Untertanen oder auflehnende Adlige umgehend in den Griff zu kriegen. Folglich brauchte Ludwig ein Heer, das auch in Zeiten des Friedens verfügbar sowie schlagfertig war und nicht erst mühsam gebildet werden musste.

Ludwig sah vor, dass Frankreich in militärischer Hinsicht zur Hegemonialmacht aufstieg und somit die militärische Vorherrschaft in Europa innehatte. Folglich wuchs das Heer rasant. So umfasste es etwa 1664 lediglich 45.000 Mann und wuchs bis 1703 auf rund 400.000 Soldaten, die ständig verfügbar waren. Neu war außerdem, dass die französischen Soldaten eine einheitliche Uniform trugen, wobei sie außerdem einem enormen Drill ausgesetzt waren. Dennoch: das alles hatte seinen Preis und das Heer fraß ein gewaltiges Loch in die französische Staatskasse, da der Unterhalt der Soldaten kostspielig war.

2. Justiz und Polizei

Ludwig konzentrierte sämtliche Macht in seiner Person. Folglich führte er alle Staatsgeschäfte, erließ außerdem die Gesetze, stand allerdings selbst über diesen, und war der oberste Richter in sämtlichen Angelegenheiten. Dennoch gab es einige Minister, die ihm zur Seite standen und auf deren Rat er teils zurückgriff. Im Laufe der Zeit wurden für diese Ämter vermehrt Bürgerliche eingesetzt, was ebenso ein Zeichen für die Verdrängung des Adels aus politischen Ämtern und Aufgabenbereichen ist.

Es ist wichtig zu wissen, dass der König im Absolutismus über dem Gesetz stand. Ferner konnte er die Entscheidungen der Gerichte und aller anderen Instanzen übergehen, wobei es ihm außerdem freistand, die Regierungsgeschäfte selbst in die Hand zu nehmen oder an einen seiner Minister abzugeben. Ludwig führte – stets dem Bestreben einer Zentralisierung folgend – sämtliche Geschäfte selbst.

3. Verwaltung

Darüber hinaus wurde der absolutistische französische Staat von rund 4000 Beamten verwaltet. Diese wurden aus der Staatskasse bezahlt, was insofern erforderlich war, als dass dadurch sichergestellt wurde, dass sich diese dem Monarchen verpflichteten und auf diesen eingeschworen waren, da sie in einem finanziellen Abhängigkeitsverhältnis standen. So entstanden hohe Kosten für den Staatshaushalt.

Alllerdings konnte der Monarch nur so den enormen Verwaltungsaufwand bewältigen. Ein Großteil der Beamten, die für den König arbeiteten, waren sogenannte Intendanten. Diese waren dafür zuständig, die Steuern im Namen der französischen Krone einzutreiben. In den folgenden Jahren sollte dies aber noch problematisch werden, da es nicht unüblich war, dass sich die Intendantendabei selbst bereicherten.

4. Hofleben und Adel

Das politische und kulturelle Zentrum des französischen Absolutismus war der Königshof. Ludwig schuf in Schloss Versailles, das ab dem Jahr 1661 umgebaut und in der Folge zu seiner Hauptresidenz wurde, ein prunkvolles Hofleben. Dieses Leben, das nach außen vor allem prächtig erschien, zielte aber auch darauf ab, den Einfluss des Adels zu kontrollieren und in großen Teilen zu neutralisieren.

Das prächtige Leben am königlichen Hof lockte den (Hoch-)Adel an und war äußerst kostspielig. Zahlreiche Adlige verschuldeten sich hierbei und waren dadurch an die Gunst des Königs gebunden, um das prunkvolle, standesgemäße Leben weiterhin führen zu können. Der König nutzte diesen Umstand aus, indem er denen, die sich in seiner Nähe aufhielten, finanzielle Zuwendungen zukommen ließ. Das bedeutete, dass es den Adel an den Hof zog, um in der Gunst des Königs zu steigen, er sich dadurch verausgabte, in eine finanzielle Abhängigkeit geriet und somit Machteinbußen hinnehmen musste.

Allgemein ging es als am absolutistischen Hof vor allem um die Gunst des Königs. Diejenigen, die Ludwig bevorzugte, konnten in einem gewissen Rahmen ein prächtiges Leben führen, die, die er mied, hatten mit Einbußen und finanziellen Sorgen zu rechnen. Diese Huld, die den Adligen entgegengebracht wurde, war somit ein politisches Mittel: es spornte an, in der Gunst des Königs zu steigen und es war gleichermaßen eine Bestrafung – in vielerlei Hinsicht – nicht vom absoluten Monarchen wahrgenommen zu werden. Der Herzog von Saint-Simon, der am Hof lebte, hielt das Folgende in seinen Memoiren fest:


Der König benutzte die zahlreichen Feste, Spaziergänge und Ausflüge als Mittel der Belohnung und Strafe, je nachdem er dazu einlud oder nicht. Da er einsah, dass er nicht genug Gnaden zu spenden hatte, um fortwährend Eindruck zu machen, ersetzte er die reelen Belohnungen durch eingebildete, durch Erregung von Eifersucht, durch kleine alltägliche Begünstigungen, durch seine Gunst. Niemand war in dieser Hinsicht erfinderischer als er. Eine solche Gunst erwies er jeden Abend einem der Herren vom Hofe, wenn er ihm erlaubte, den Leuchter mit der brennenden Kerze bei seinem „Coucher“ (zu Bett gehen) zu halten. Eine andere Erfindung war das Rockprivilegium: Ein besonderer Rock – blau mit roten Aufschlägen, roter Weste, prachtvoller Gold- und Silberstickerei – durfte nur von wenigen getragen werden, und deren Zahl war fest bestimmt.

Die vornehmsten Herren des Hofes hielten es für eine große Gunst, wenn sie die Bewilligung erhielten, den blauen Rock zu tragen. Der Staatssekretär, der zugleich Minister des königlichen Hauses war, fertigte darüber eine Urkunde aus. Nur wer die Erlaubnis hatte, dem König auf seinen Ausflügen von Saint-Germain nach Versailles ohne besondere Einladung zu folgen, hatte Anspruch darauf […] Ich habe nie gesehen, dass der Dauphin (Kronprinz) oder der Herzog von Orléans solche Röcke trugen; sehr oft aber sah ich ihn an den drei Söhnen des Dauphins und den anderen Prinzen. Bis zum Tode des Königs gab es jedesmal, wenn ein Platz frei wurde, einen Wettstreit unter den Vornehmsten des Hofes, wer der Nachfolger würde.

Der König achtete aber nicht nur darauf, dass der hohe Adel sich an seinem Hof einfand, er verlangte es auch von dem niederen. Bei seinem Lever (Aufstehen) und seinem Coucher, bei seinen Mahlzeiten, in seinen Gärten in Versailles, immer sah er sich um und bemerkte jedermann. Den Vornehmen nahm er es übel, wenn sie ihren ständigen Aufenthalt nicht bei Hof nahmen, den anderen, wenn sie nur selten kamen, und seine volle Ungnade traf jene, die sich nie oder nur selten zeigten. Wenn einer von diesen ein Anliegen hatte, sagte der König nur „Ich kenne ihn nicht“, und dieses Urteil war unwiderruflich.


Das obige Beispiel macht deutlich, welche Rolle das sogenannte Zeremoniell am königlichen Hof hatte. Es gab verschiedene Gruppen am Hof, die unterschiedliche Privilegien hatten. Das Beiwohnen am Alltag des Königs wurde als Belohnung empfunden, wobei die verschiedenen Bereiche einen unterschiedlichen Prestigewert hatten. Ludwig band den Adel also an seinen Hof, indem er ihn finanziell abhängig machte und schuf darüber hinaus ein System am Hof, das die Adligen untereinander konkurrieren ließ.Unter dem absoluten Monarchen Ludwig XIV. entwickelte sich Schloss Versailles zum kulturellen und politischen Zentrum.

Bild: Schloss Versailles und der Grundriss des Schlosses im Absolutismus unter Ludwig XIV.


Davon ausgehend, dass Versailles zum kulturellen und politischen Zentrum des absoluten Herrschers wurde und es das Ansinnen Ludwigs war, den Adel an den Hof zu binden, ist es nur folgerichtig, dass die Unterhaltung des Hofes enorme Kosten verschlang, die vor allem dadurch gesteigert wurden, dass das Schloss ständig ausgebaut wurde. Zeitweilig arbeiteten über 20.000 Männer am Ausbau der Anglage, die über 10.000 Menschen beherbergen konnte. Versailles glich somit nahezu einer kleinen Stadt, die darauf ausgerichtet war, die Macht des Königs zu repräsentieren und ihn zu verherrlichen. Darüber hinaus wurden zahlreiche Adlige finanziell an den Hof gebunden und verloren so ihre Unabhängigkeit.

Hinweis: Ist der Adel auf den Hof konzentriert, spricht man vom sogenannten „höfischen Absolutismus“. Eine andere Form ist der „aufgeklärte Absolutismus“. hierbei sieht sich der Monarch als „erster Diener des Staates“ und versucht, die Effizienz des Staates zu erhöhen, indem er die Kosten am Hof eher gering hält. Dennoch hatte der Adel auch im „aufgeklärten Absolutismus“ kaum Einfluss auf die Staatsangelegenheiten.

5. Staatskirche

Ludwig erklärte den Katholizismus zur französischen Staatsreligion und sicherte auch durch diesen Zug seine absolutistische Herrschaft. So räumte er zwar den Katholiken Privilegien ein und ließ sie in seinen Kirchen predigen, wohingegen diese allerdings von der Kanzel predigten, dass Ludwig XIV. seine Macht von Gottes Gnaden ausübte. Laut dem absolutistischen Herrschaftsverständnis war ein Herrscher, der aufgrund der Gnade Gottes regierte, nicht absetzbar oder in der Ausübung seiner Herrschaft zu hindern.

Diese Stellung brachte allerhand Vorteile. Beispielsweise wurden einzelne Entscheidungen des Regenten, welche unter Umständen das Leben der Menschen negativ beeinflussten, in der Bevölkerung nicht als Handlung Ludwigs XIV. wahrgenommen, sondern eher als ein Übel oder ein Hindernis, das Gott dem Menschen auferlegt hatte, um ihn vor eine irdische Herausforderung zu stellen.

Die Entscheidung Ludwigs, den Katholizismus in Frankreich als einzige Religion zu dulden und dadurch selbst in seiner Herrschaft legitimiert zu werden, hatte aber auch Folgen für die Anhänger anderer Konfessionen, wie etwa Protestanten. Das bedeutet, dass der absolute Monarch keinerlei andere Konfession duldete und deren Anhänger brutal verfolgte und Frankreich somit zangskatholisierte.

6. Merkantilismus (Wirtschaft)

Die beschriebenen Machtsäulen des Absolutismus sind allesamt recht kostspielig und beanspruchten den Haushalt Frankreichs enorm. Um diese hohen Kosten zu decken und die wichtigsten Punkte der Machterhaltung zu wahren, gab es im französischen Absolutismus ein besonderes Wirtschaftssystem: den Merkantilismus, der den allgemeinen Wohlstand des Landes zum höchsten Ziel erklärte.

Hierbei geht es darum, auf wachsende und sichere Einnahmen blicken zu können, um die hohen Kosten für das stehende Heer, den wachsenden Beamtenapparat und die repräsentativen Bauten sowie die finanzielle Versorgung der höfischen Adligen zu sichern. Dies wurde vor allem dadurch möglich, dass alles darauf abzielte, vom Außenhandel zu profitieren, indem hohe Zölle für importierte Güter erhoben wurden. Darüber hinaus wurden die innerländischen Betriebe unterstützt, um möglichst viele Waren exportieren zu können. Der Staat förderte also aktiv Exporte und hemmte Importe durch Zölle.

Der Merkantilismus zeichnete sich im absolutistischen Frankreich vor allem durch 5 Punkte aus: 1) Es wurde versucht, so wenig, wie nur möglich, aus anderen Ländern zu importieren, aber im Gegenzug viel zu exportieren. Diese Bestrebungen zielten vor allem darauf ab, unabhängig von anderen Staaten zu werden, wobei die Einfuhr von Gütern außerdem mit hohen Zöllen belegt wurde, um die Staatskasse zu füllen. 2) Um die Effizienz des Transport von Rohstoffen sowie Gütern innerhalb des Landes zu gewährleisten und somit die Transportzeiten und -kosten zu reduzieren, entstanden vermehrt Straßen, Brücken und Kanäle, wodurch der Ausbau des Verkehrsnetzes vorangetrieben wurde.

3) Darüber hinaus wurden zahlreiche Kolonien gegründet, wie etwa in Indien, Kanada und auf dem afrikanischen Kontinent. Diese voranschreitende Kolonialisierung diente vor allem der Förderung von Rohstoffen, die ausschließlich nach Frankreich geliefert wurden, um sich so unabhängig von anderen Staaten zu machen. 4) Ferner wurden die geförderten Gewerbebetriebe im Landesinneren vermehrt Qualitätskontrollen unterzogen, um eine gewisse Qualität bei den produzierten Gütern zu gewährleisten und diese noch effizienter in andere Länder exportieren zu können. 5) Weiterhin wurde die Handels- und Kriegsflotte ausgebaut, um den Rohstoffimport und Handel gleichermaßen zu fördern und zu sichern.

Der französische Merkantilismus erreichte seinen Höhepunkt unter Jean-Baptiste Colbert, der von 1661 bis 1683 Finanzminister unter Ludwig XIV. war, weshalb diese Ausprägung mitunter auch Colbertismus genannt wird. Wesentlich ist hierfür, dass Colbert vor allem den Import von Fertigwaren untersagte oder durch hohe Zölle enorm limitierte, aber den Export enorm förderte, wobei zahlreiche Manufakturen entstanden. In einer Manufaktur wird die anfallende Arbeit auf spezialisierte Arbeiter aufgeteilt. Das bedeutet, dass die wesentliche Arbeit in zahlreichen Einzelschritten erfolgte, dafür aber effizienter gestaltet war. Solche Manufakturen können als Vorläufer der modernen Fließbandarbeit gelten.Schematische Darstellung des Merkantilismus im Absolutismus

Zusammenfassung: Merkmale des Absolutismus

  • Der Absolutismus bezeichnet eine Herrschaftsform und dabei eine besondere Form der Monarchie, weshalb der Absolutismus auch absolute Monarchie genannt wird. Hierbei steht das Staatsoberhaupt über allem und wird von keiner Person kontrolliert. Diese Herrschaftsform ist vor allem im 17. und 18. Jahrhundert in Europa verbreitet.
  • Als Begründer des Absolutismus – aber nicht als dessen Erfinder – gilt Ludwig XIV., ein französischer König. In der Folge entstanden zahlreiche absolute Monarchien in Europa, die sich am französischen Vorbild orientierten, aber insgesamt niemals so umfassend und konsequent waren, wie der französische Absolutismus.
  • Um die zentrale Rolle, die dem Herrschenden im Absolutismus zukam, zu erfüllen, musste Ludwig XIV. allerhand strukturelle Veränderungen in Frankreich vornehmen. Einer der wichtigsten Punkte war hierbei der Adel, dessen Einfluss vor allem im Spätmittelalter enorm groß geworden war. Hierfür verdrängte Ludwig den Adel aus zahlreichen Machtpositionen und band ihn darüber hinaus – vor allem finanziell – an den königlichen Hof (Schloss Versailles), wodurch der Adel entmachtet und neutralisiert wurde (höfischer Absolutismus).
  • Nun galt es, diese zentrale Machtposition zu erhalten. Dafür stützte sich der Absolutismus vor allem auf sechs Machtsäulen. Diese sind: das stehende Heer, die Justiz und Polizei, eine Verwaltung mit dem König an der Spitze, die Bindung des Adels an den Hof, die Staatskirche (Klerus) sowie der Merkantilismus, eine Wirtschaftspolitik, die charakteristisch für den Absolutismus und die streng auf das Wohl der Finanzen ausgerichtet ist.
  • Einer der wichtigsten Punkte ist der Merkantilismus, der überhaupt erst gewährleisten konnte, dass die hohen Staatsausgaben, die die anderen Machtsäulen einforderten, gesichert waren. Grundsätzlich geht es hierbei darum, dass Rohstoffe günstig importiert, aber nicht exportiert werden, wobei Fertigwaren in hohem Maße ins Ausland verkauft, aber eben nicht eingekauft werden. Somit blieb das Geld im Land und es wird nach großen Überschüssen im Außenhandel zur wirtschaftlichen Entwicklung des Staates gestrebt.

Hinweis: Auch heutzutage gibt es noch absolute Monarchien, wie etwa in Saudi-Arabien, Swasiland, Brunei, Oman oder auch Katar. Darüber hinaus gilt der Papst, der das Oberhaupt der katholischen Kirche ist, als letzter absoluter Herrscher in Europa, da er den Staat Vatikanstadt absolutistisch führt.

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Absolutismus
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001