Als Aemulatio wird eine Form der literarischen Nacheiferung und Nachahmung in Kunst und Literatur bezeichnet, wobei es zumeist das Ziel ist, das jeweilige Vorbild zu überbieten. Die Aemulatio meint das Nacheifern im guten und im bösen Sinn. Hierbei kann es das Ziel sein, das Vorbild zu erreichen oder aber zu übertreffen, wobei sämtliche Formen als direkter oder indirekter Wettstreit aufgefasst werden können. In der Regel geht es aber um die Demonstration von Überlegenheit. Die Aemulatio ist demzufolge eine Form der imitatio veterum, was sich grundsätzlich als Nachahmen der Älteren, also als das Nachahmen vorhergegangener Dichter übersetzen lässt (vgl. Literaturepochen).

Der Begriff lässt sich vom lateinischen Nomen aemulatio ableiten, welches sich mit Eifersucht und Missgunst, Nacheiferung oder auch Wetteifer übersetzen lässt, wobei ersichtlich wird, dass das Wort eher negativ konnotiert ist, wenngleich es auch das simple Nachahmen oder Hervorheben meinen kann (vgl. Hommage).

Beispielhaft kann das Werk Wilhelm Meister, ein Roman von Johann Wolfgang von Goethe, angeführt werden. Hierbei versucht Goethe, den Typ des Bildungsromans mit seiner eigenen Variante zu erweitern, wobei sein Roman durchaus in eine Konkurrenz mit Wielands Geschichte des Agathon tritt und darüber hinaus versucht, diesen zu übertreffen. Dieses Übertreffen ist bis zur Postmoderne in der Literatur häufig auszumachen und in der Folge wenigter häufig, auch wenn es natürlich eine Form ist, die immerzu beobachtet werden kann.

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Aemulatio
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001