Als Kauderwelsch wird eine unverständliche oder verworrene Sprechweise sowie Sprache bezeichnet. Unverständlich ist sie deshalb, weil sie aus verschiedenen femdsprachlichen Elementen oder einem Durcheinander verschiedener Fremdsprachen besteht, wobei diese teilweise durch falsche Formen von Genus, Kasus und Numerus gebraucht werden. Demzufolge kann auch eine unverständliche Aussprache als Kauderwelsch bezeichnet werden. Kauderwelsch ähnelt der Grammelot, einer Spielsprache des Theaters, die aus Phantasiewörtern und Lauten besteht (vgl. Nonsens).

Der Ursprung des Begriffs ist nicht ganz eindeutig geklärt. Die letzte Silbe des Wortes – Welsch – ist die alte, deutsche Bezeichnung für die romanischen Sprachen und kann außerdem mit ausländisch und fremdländisch übersetzt werden. Heutzutage erinnern vor allem die nachfolgenden Ortschaften und Regionen an diesen Ursprung: Wales (Vereinigtes Königreich), Wallonien (Belgien), Walachei (Rumänien).

Für den ersten Teil – Kauder – ist eine eindeutige Zuordnung des Ursprungs allerdings schwieriger. Einerseits könnte Kauder auf das oberdeutsche Verb kaudern zurückgehen, was sich mit wuchern übersetzen ließe. Andererseits ist es auch möglich, dass das Kauderwelsch auf Churwelsch zurückgeht, einer romanisch-germanischen Mischsprache des schweiz. Kantons Chur, wie es Martin Luther gebraucht.
Beispielhafter Satz, der aufgrund von Fremdwörtern für den Empfänger zum Kauderwelsch wird.

Das obige Beispiel verdeutlicht das Prinzip der Unverständlichkeit durch Fremdwörter. Grundsätzlich handelt es sich im Beispiel um einen deutschen Satz. Allerdings machen es die Fachbegriffe und schwierigen Wörter beinahe unmöglich, ihn zu verstehen. Denn eigentlich steht dort nur, dass das Werfen von Schneebällen auf dem Schulgelände verboten ist. Ähnlich verhält es sich häufig mit Beamten- und Juristendeutsch.

Im Eigentlichen bezieht sich der Begriff allerdings auf den unverständlichen Gebrauch von Fremdsprachen. Demnach kann auch der häufige Gebrauch fremdprachiger Begriffe im Deutschen oder die Zersetzung des Deutschen durch fremdsprachige Begriffe als Kauderwelsch gelten. Jedoch kann auch der unverständliche Gebrauch einer Fremdsprache bei den jeweiligen Landsleuten auf taube Ohren stoßen. Ein Beispiel:

Das obige Video-Beispiel zeigt Redebeiträge von Günther Oettinger und Rainer Brüderle. Im ersten Beispiel spricht Oettinger Englisch und liefert durch seine Aussprache sowie die uneindeutige Betonung sprachlichen Kauderwelsch ab, so dass es für den Zuhörer beinahe unmöglich wird, das Gemeinte zu entschlüsseln. Im zweiten Teil ist es Brüderle, der die Sprache verdreht, obwohl er eigentlich Deutsch spricht.

Die Politik liefert uns auch ein abschließendes Beispiel, wenn wir einmal auf die gesammelten Reden vom ehemaligen Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber schauen. Hier geht es weniger um die übermäßige Nutzung von Fremdwörtern oder fremdsprachiger Begrifflichkeiten als um eine durch und durch verworrene Art und Weise zu sprechen. Diese kann auch als Kauderwelsch bezeichnet werden, wenn sie unverständlich ist.

Hinweis: Die obigen Beispiele sollen die jeweiligen Personen nicht verunglimpfen oder lächerlich machen, auch wenn die ausgewählten Beiträge satirische Züge haben. Viel eher lässt sich an den vorgestellten Beispielen ablesen, dass Kauderwelsch durchaus komisch wirken kann.

Jargon und Kauderwelsch

Als Jargon, auch Slang, wird ein Wortschatz bezeichnet, der nicht standardisiert ist. Das heißt, dass es sich hier um die Abwandlung einer Sprache handelt, die nur von einer kleinen Gruppe, die beruflich, kulturell oder gesellschaftlich abgegrenzt ist, gesprochen wird. Er kann für eine Subkultur oder ein soziales Milieu charakteristisch sein und kann für Außenstehende nach Kauderwelsch klingen.

Der Ursprung des Begriff findet sich im Frankreich des 15. Jahrhunderts. Dort agierte eine kriminelle Bande, die sich Muschelbrüder nannte. Um sich zu erkennen, trugen die Mitglieder der Bande eine Muschel um den Hals. Außerdem verwendeten sie eine Geheimsprache, die sie als Jargon bezeichneten.

Als Jargon kann beispielsweise das Argot bezeichnet werden, das eine Geheimsprache der Bettler und Gauner des mittelalterlichen Frankreichs beschreibt. Hier wurden bewusst grammatische Regeln gebrochen oder mit sprachlichen Mustern gespielt. So entstanden kryptische Wortneuschöpfungen, die für Gruppen, die nicht eingeweiht waren, schwierig zu verstehen waren.

So entstand durch eine Art der Verschlüsselung das Wort Zonzon, wenn Prison und somit das Gefängnis gemeint war, auch wurden Akronyme genutzt, um einen Inhalt zu verschlüsseln (TDC für tombé du camion ~ gestohlen) oder Entlehnungen aus Fremdsprachen verwendet (Mabul [arabisch] für mahbûl ~ verrückt).

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

  • Als Kauderwelsch wird eine unverständliche Sprechweise oder Sprache bezeichnet. Das kann an der Aussprache des Sprechers liegen, aber auch am häufigen Gebrauch von Fachbegriffen, Fremdwörtern sowie Teilen aus anderen Sprachen. Aber auch das bewusste Brechen von sprachlichen Regeln, das zur Unverständlichkeit führt, kann so bezeichnet werden.
  • In Bezug auf Theater oder Literatur kann das Unverständliche aber durchaus einen komischen Effekt haben und ist ein Stilmittel der Satire und der Parodie, kann allerdings auch zu unfrewilliger Komik führen, wie es die obigen Video-Beispiele verdeutlichen.
  • Eine Ähnlichkeit hat der Begriff zum Jargon oder zum Soziolekt, da diese für Personen, die nicht der Gruppierung angehören, teils verworren sowie unverständlich klingen und demnach wie Kauderwelsch auf den Außenstehenden wirken.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Kauderwelsch
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001