Als Klischee, auch cliché, wurde ursprünglich ein vorgefertigter Druckstock im Buchdruck bezeichnet. Zumeist meint der Begriff allerdings eine vorgeprägte, vorgefertigte Ansicht sowie eine eingefahrene Vorstellung eines Sachverhalts. Klischees sind häufig auf eine bestimmte Personengruppe bezogen (Bsp.: Deutsche sind pünktlich) und in Redewendungen verankert (Bsp.: Pünktlich wie die Maurer). Solche unbedachten, teils unreflektierten, Denkmuster werden oft in der Trivialliteratur verwendet.

Der Begriff leitet sich vom französischen cliché ab, welches auf das Verb clicher zurückgeht. Dieses lässt sich mit abklatschen (nachahmen) übersetzen. Das französische cliché lässt sich selbst mit Klischee übersetzen, kann jedoch auch für Floskel, Gemeinplatz oder Schablone stehen. Die Übersetzungen verweisen darauf, worum es geht: nämlich um eine nachgeahmte und eingefahrene Vorstellung eines Sachverhalts.

Dass das Wort aus dem Buchdruck stammt und hier einen vorgefertigten Druckstock meint, ist ein weiterer Hinweis auf seine Bedeutung. Solche Druckstöcke waren stempelartige Formen, die es erlaubten, ein Motiv oder bestimmte Schriftzüge zu reproduzieren und nach Belieben zu drucken. Das Klischee war wie eine Schablone (ausgeschnittenes Muster) und meinte im übertragenen Sinne schablonenhaftes Denken.


Die Deutschen sind pünktlich.

Das obige Beispiel ist ein Klischee und verdeutlicht so eine eingefahrene Vorstellung. Diese Aussage ist nicht rational begründet, basiert demnach nicht unmittelbar auf Beweisen, die direkt durch die Vernunft erschlossen wurden und muss außerdem nicht für die Gesamtheit der Deutschen gelten. Demzufolge repräsentiert sie ein Denkmuster, dessen Richtigkeit nicht unmittelbar überprüft werden kann: ein typisches Klischee.

Häufig sind solche Klischees negativ belegt, auch wenn dies nicht immer der Fall ist, wodurch sie sich dem Vorurteil annähern. Dieses meint die unreflektierte Meinung über eine Sache, welche sich in einer generellen Haltung äußern kann. Weiterhin sind klischeehaften Vorstellungen oft in Redewendungen gebettet, weshalb das Äußern eines Klischees nicht notwendigerweise die Ansichten des Sprechenden wiedergeben muss.


Pünktlich wie die Maurer.

Das obige Beispiel ist eine Redewendung, die ein Klischee beinhaltet. Die klischeehafte Vorstellung ist, dass Maurer immer pünktlich sind. Allerdings ist das Sprichwort negativ belegt, da es darauf verweist, dass Maurer darauf bedacht sind, pünktlich Feierabend oder Pause zu machen und die Kelle aus der Hand zu legen.

Das Klischee ist also ein Rede- oder Denkschema, das eine bestimmte Gruppe, Situation oder auch einen Sachverhalt mit Eigenschaften belegt, die in der Folge als typische für ebendiese gelten und unmittelbar mit diesen assoziiert werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass das Zeigen dieser Eigenschaften den Empfänger (Leser, Zuschauer, Hörer) an das jeweilige Objekt denken lässt. Ein weiteres Beispiel:


Frauen können nicht einparken.

Das Beispiel fußt auf der Ansicht, dass Frauen ein schlechteres räumliches Vorstellungsvermögen haben als Männer und weniger von technischen Dingen als diese verstehen. Ein solches Weltbild mutet heute archaisch an, stammt aber aus einer Zeit, als Frauen vornehmlich für den Haushalt und die Kindererziehung zuständig waren und Männer das Einkommen der Familie bestritten oder sich um handwerkliche Belange kümmerten.

Demzufolge ist das Klischee kein begründeter Sachverhalt, sondern vielmehr eine Allerweltsmeinung, die bestimmten Personengruppen zugeschrieben wurde und sich über die Jahre gehalten hat. So lässt sich die Ursache für ein Klischees zumeist benennen oder nachvollziehen, wobei diese in der Regel auf einer Meinung, die zahlreiche Menschen geschlossen über eine Gruppe haben, beruht.


Alle Bayern tragen Lederhosen.

Seit Jahrhunderten wird Leder, da es strapazierfähig ist, als Material für Arbeiterhosen verwendet. So auch im Alpenraum. Die Formen solcher Hosen passten sich den Modeerscheinungen der Zeit an, wodurch im 18. Jahrhundert die verbreitete bäuerliche Pumphose durch einen französischen Schnitt abgelöst wurde: die Culotte, eine Kniebundhose und das gängige Beinkleid für Männer des späten 17. und 18. Jahrhunderts.

Im Alpenraum wurde das Muster insofern erweitert, als dass die Culotte aus Leder hergestellt wurde, um belastbarer zu sein. Während sich nach der Französischen Revolution in breiten Schichten der Bevölkerung lange Hosen durchsetzten, hielten die Arbeiter des Alpenraums an der Culotte fest, da sie eine praktische Arbeiterhose war. Dennoch setzte sich im Laufe der Zeit ein Wollstoff als Hauptmaterial von Hosen durch.

Zu dieser Zeit beklagte Josef Vogl, ein Lehrer, das Verschwinden der praktischen Lederhose und gründete daraufhin einen Trachtenverein, der das Tragen der kurzen Lederhose propagierte. Deren Mitglieder wurden aufgrund der knappen Beinkleider allerdings von großen Teilen der Bevölkerung verspottet und sogar von kirchlichen Prozessionen ausgeschlossen, da die Kniehose als sittenwidrig erklärt wurde.

Josef Vogl wandte sich daraufhin an Ludwig II., den König von Bayern, der die Idee der bayrischen Tracht begrüßte und verordnete, dass Bezirksämter Vereine zur Erhaltung der Tracht gründen sollten. Der Euphorie, die sich alsbald auch durch die Bevölerung zog, beugte sich letzten Endes auch die Kirche und die bayrische Tracht ward geboren. Das Klischee hat somit eine unmittelbare Ursache in der Geschichte, woraus ein Klischee entstanden ist, welches den Bayern mit der Lederhose in assoziativ Verbindung bringt.


Kaiser Franz Joseph I. bei der Jagd in Lederhose

Klischee: Kaiserliche Jagd in Lederhose, Joseph Kriehuber, Bearbeitung: Wortwuchs, via Wikimedia Commons

Unterschied: Klischee, Stereotyp und Vorurteil

In vielen Fällen werden die Begriffe Klischee, Stereotyp und Vorurteil synonym zueinander verwendet, weshalb sie gleichbedeutend erscheinen. Jedoch lassen sich einige Merkmale herausstellen, die sie voneinander unterscheiden, auch wenn es zahlreiche Ähnlichkeiten gibt.

  • Stereotyp: Sind Beschreibungen von Gruppen oder Person, bei denen diese auf bestimmte Merkmale reduziert werden. Durch die bloße Nennung dieser Merkmale entsteht hierbei ein Bild beim Zuhörer (Beispiele: Baguette und Wein für Franzosen, Bier, Lederhose und Kuckucksuhr für Deutsche etc.)

  • Vorurteil: Sind Urteile, die meist verfestigt sind und nicht reflektiert sind. Vorurteile sind zumeist die Ursache für motivgesteuertes Handeln und ist zumeist negativ (Beispiele: Menschen sichern in Polen verstärkt ihre Habseligkeiten, weil die Polen angeblich klauen; Ausländer sind krimineller als Deutsche).

  • Klischee: Ist eine Vorstellung darüber, wie etwas ist und die Reduktion auf die angeblich typischen Merkmale. Stereotype können ein Klischee bildlich greifbar machen, wobei es nicht auf Personen beschränkt ist, sondern auch Stimmungen oder Situationen betreffen kann.

Das Klischee in Film und Literatur

Filme sowie literarische Schriften bedienen sich sehr häufig solcher Klischees, wobei sie im Regelfall als Stilmittel dienen und so das Werk berechenbar sowie nicht-überraschend erscheinen lassen. Ein Klischee bedient nämlich oftmals die Erwartungshaltung des Konsumenten (Leser, Zuschauer).

Somit wird in zahlreichen Filmen immer wieder zu gleichen Mitteln gegriffen, um eine Situation einzuführen, wobei dies auch für die Trivialliteratur charakteristisch ist, weshalb sich Verliebte in Paris treffen, Männer entweder Machos oder sanfte Helden sind und Trauer durch Regen begleitet wird. Außerdem tragen Computernerds Karohemden und Scharfschützen treffen den Protagonisten nie beim ersten Mal.

Genrefilme kommen demzufolge überhaupt nicht ohne Klischees aus, da bestimmte Vorstellungen und Erwartungshaltungen beim Zuschauer verankert sind und typisch für das jeweilige Genre sind. Das Gleiche gilt auch für literarische Werke, die sich einem bestimmten Genre zuordnen lassen. Beispielsweise spielen viele Werke, die von der Liebes handeln, mit ähnlichen (vorhersehbaren) Elementen und enden meist mit einem Happy End, das in der Regel aber ebenso vom Konsumenten erwartet wird.

Allerdings können Klischees auch zum Zwecke der Parodie genutzt werden. Hierbei bedient sich der Künstler (Regisseur, Autor, Schauspieler etc.) bestimmter Charaktereigenschaften oder charakteristischer Merkmale des Originals und stellt diese überzeichnet dar. Werden in einem Werk nun typische Klischees eines Genres überzeichnet gezeigt, handelt es sich um eine Parodie des Genres.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Klischee im Überblick

  • Das Klischee ist ein Denkschema, das ein Bild auf eine Gruppe projiziert. Klischees entstehen zumeist, weil viele Menschen geschlossen zu einer Gruppe bestimmte Assoziationen haben. Diese können historisch bedingt, aber heutzutage nicht mehr gültig sein, können sich aber ebenfalls aus Redewendungen und durch die Übernahme unbedachter Vorurteile ableiten.
  • Klischees sind somit nicht für alle Zeit gültig, sondern können sich wandeln sowie die eigentliche Bedeutung verlieren. Das Sprichwort Pünktlich wie die Maurer verwies ursprünglich darauf, dass der Berufsstand der Maurer sehr auf den eigenen Feierabend achtete und darauf pünktlich in die Pause zu gehen, wird aber heutzutage oft so verstanden, dass Maurer pünktlich sind.
  • Somit beruhen klischeehafte Vorstellungen nicht unmittelbar auf wissenschaftlichen Beweisen, sondern eher auf den Zuschreibungen anderer Menschen. Diese können sich allerdings stark verfestigen und sich so dem Vorurteil gegenüber einer Gruppe annäheren.
  • In Film und Literatur ist das Klischee ein Mittel, um die Erwartungshaltung des Zuschauers zu erfüllen oder bestimmte Inhalte zu parodieren. Ist das gewählte Klischee allerdings zu abgedroschen, kann dies aber einen negativen Effekt auf den Zuschauer haben.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Klischee
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001